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Die digitale Transformation und die Rolle der IT

Die digitale Transformation ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie entscheidet heute darüber, ob Unternehmen im Markt bestehen. Die Schweiz steht im internationalen Vergleich gut da. Doch der Druck wächst. In diesem Wandel kommt der IT eine Schlüsselrolle zu.
Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit sind eng verflochten.
© (Quelle: Shutterstock/Harvepino)

Digitale Transformation: Notwendig, aber kein Selbstläufer

Die Relevanz der digitalen Transformation ist unbestritten. Bereits 2012 zeigte eine MIT-Studie: Unternehmen mit hohem digitalen Reifegrad sind profitabler, innovativer und besser positioniert. Sie erreichen bis zu 26 % höhere Profitabilität und eine 9 % bessere Umsatzgenerierung. Der Digital Transformation Report 2017 bestätigte: Digitalisierung fördert die Zielerreichung auf allen Ebenen.

Wo steht die Schweiz?

Der digitale Fortschritt eines Landes lässt sich aus zwei Perspektiven beurteilen: Erstens über das Ressourcenpotenzial, zu dem unter anderem das technologische Know-how und die Fähigkeit zur Nutzung neuer Technologien gehört. Im IMD World Digital Competitiveness Ranking 2024 belegt die Schweiz Platz 2 weltweit – die bislang beste Position. Besonders stark ist sie bei Wissenstransfer, Cybersicherheit und digitaler Infrastruktur. Schwächen zeigen sich jedoch unter anderem in der digitalen Verwaltung.

Zweitens über die digitale Reife der Unternehmen. Der Digital Excellence Report 2023 von swissICT zeigt diesbezüglich ein klares Bild: In allen Branchen bestehen spürbare Digitalisierungsdefizite. Nur ein Drittel der Firmen sieht sich auf Kurs, während ein Viertel grossen Rückstand verzeichnet. Die Transformation läuft – doch viele kämpfen mit der Umsetzung.

Digitale Basisstrategien als Wettbewerbsfaktor

Digitalisierung bedeutet nicht nur Technologieeinsatz – es geht primär um Effizienz, neue Angebote und Geschäftsmodelle. Ziel ist die systematische Schaffung von Wettbewerbsvorteilen. Dennoch erreichen nur rund 30 % der Firmen ihre Digitalisierungsziele. Ein Hauptgrund: Digitalisierung wird oft operativ statt strategisch verstanden.

Digitale Transformation muss Chefsache sein. Sie gehört in die Unternehmensstrategie – nicht nur in die IT. Besonders für KMU ist ein klarer Fokus entscheidend. In der Praxis haben sich drei Basisstrategien etabliert:

  • Digitally Enhanced Business

    Effizienzsteigerung durch Digitalisierung bestehender Prozesse. Beispiel: Ein Industriebetrieb optimiert mit IoT und KI seine Produktion und senkt Stillstandzeiten.

  • Digitally Expanded Business

    Erweiterung des Geschäftsmodells um digitale Elemente für mehr Kundennutzen und Differenzierung. Etwa ein Detailhändler, der mit Webshop und Online-Services zusätzliche Erlöse generiert.

  • New Digital Business

    Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle ausserhalb des Kerngeschäfts. Beispiel: Eine Bank gründet ein eigenständiges FinTech; ein Maschinenbauer bietet datenbasierte Plattformdienste an.

Welche Strategie sinnvoll ist, hängt von Marktatt­raktivität und der eigenen Wettbewerbsstärke ab. Eine ergänzende Grundlage dafür ist ein struk­turiertes Reifegrad-Assessment – wie der Digital ­Excellence Checkup von swissICT. Er analysiert sieben relevante Dimensionen, darunter Strategie, Technologie, Datenkompetenz und Innovationsfähigkeit.

Alle drei Strategien können valide Wege zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit einer Geschäftseinheit sein. Der Fokus ist entscheidend, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen.

© swissICT

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Die Rolle der IT im Transformationsprozess

Gemäss dem Digital Excellence Reports bestehen neben dem erwähnten Bereich «Strategie- und Transformationsmanagement» in der Reifegrad-Dimension «Datenmanagement» bei Unternehmen die grössten Lücken. In nahezu allen Branchen entscheiden Datenqualität und -analysefähigkeit über die betriebliche Performance. Gut gepflegte und vernetzte Daten ermöglichen Echtzeit-Einblicke ins Geschäft und bilden die Grundlage für KI-Potenziale und eine datengetriebene Entscheidungsfindung. Ein Hersteller kann beispielsweise durch Analysen seiner Produktionsdaten Engpässe erkennen, während ein Händler via Data Analytics das Kundenverhalten besser verstehen kann. Fehlt es jedoch an einer Datenstrategie und -Governance, bleiben solche Chancen ungenutzt.

Vor diesem Hintergrund verändert sich die Rolle der IT fundamental: von der Supportfunktion zum strategischen Business Enabler. Moderne IT gestaltet aktiv mit – durch Prozessautomatisierung, neue Plattformen oder digitale Kundenkanäle. Ein Beispiel: Mit Robotic Process Automation werden manuelle Abläufe eliminiert. Mit offener IT-Architektur lassen sich neue Partner oder Services schnell integrieren. Die IT wird zur Plattform für Innovation.

Zugleich übernimmt die IT die Funktion des Innovations-Scouts: Über einen Tech-Radar identifiziert sie relevante Technologien – ob KI, Blockchain oder IoT – und bringt sie durch Pilotierungen in den Geschäftskontext. IT-Teams arbeiten dabei eng mit Business-Units zusammen.

Die dritte Rolle bleibt essenziell: Garant für stabilen, sicheren Betrieb. Je digitaler ein Unternehmen wird, desto kritischer werden Verfügbarkeit und Sicherheit. Die Schweiz verzeichnete zwischen 2020 und 2024 einen massiven Anstieg der Cybervorfälle – von 12’000 auf fast 63’000 Meldungen jährlich. Die IT muss mit Firewalls, Monitoring und Awareness-Programmen für robuste Sicherheit sorgen. Ausfallzeiten und Datenverluste gefährden zunehmend das Kerngeschäft.

Fazit: Die IT balanciert heute den Spagat zwischen Innovation und Betrieb – agil und verlässlich zugleich. Wer sie als strategischen Partner versteht, hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Der Autor

Bramwell Kaltenrieder ist Professor für Digital Business und Innovation an der Berner Fachhochschule. Daneben unterstützt er als Strategieberater und Verwaltungsrat Unternehmen bei ihrer strategischen Weiterentwicklung. Bei swissICT leitet er die Fachgruppe «Digital Transformation Insights».
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