Auf dem Weg zum globalen IT-Anbieter
Sharp DX Schweiz
Sharp hat den Schweizer Managed-IT-Services- und Cloud-Spezialisten ITpoint bereits 2021 übernommen. Seit dem 3. August 2026 firmiert das Unternehmen offiziell als Sharp DX (Schweiz) AG. Der Markenwechsel erfolgte bewusst schrittweise: Bestehende Werte, Kundenbeziehungen und die Unternehmenskultur sollten nicht durch eine überstürzte Integration gefährdet werden.
Im Gespräch mit CW erläutern Roland Singer, Vice President Sharp DX Europe, und Philippe Wettstein, CEO Sharp DX (Schweiz) AG, wie sich das Unternehmen neu positioniert. Sharp DX will künftig ein breites Spektrum von Infrastruktur und Cloud über Cybersecurity und Modern Workplace bis zu Business Applications, Data & AI abdecken. Dabei soll die Betreuung der Kunden weiterhin lokal erfolgen.
Computerworld (CW): Sharp hat ITpoint bereits 2021 übernommen. Weshalb erfolgt der vollständige Wechsel zur Marke Sharp DX erst jetzt?
Roland Singer: Für Sharp war von Anfang an entscheidend, keine bestehenden Werte zu zerstören. ITpoint verfügte über langjährige Kundenbeziehungen, erfahrene Mitarbeitende und eine starke Verankerung im Schweizer Markt. Eine schnelle Integration nach dem Muster «Jetzt gehört ihr zu einem Konzern, also funktioniert ab morgen alles anders» hätte genau diese Werte gefährdet.
Sharp hat uns deshalb bewusst Zeit gelassen. Das Unternehmen hat zugehört und verstanden, dass das IT-Servicegeschäft anders funktioniert als ein produktorientiertes Geschäft. Wir produzieren keine Geräte, deren Entwicklung sich Jahre im Voraus planen lässt. Wir müssen nahe am Markt sein, auf Kundenbedürfnisse reagieren und uns teilweise innerhalb weniger Wochen oder Monate anpassen können.
Inzwischen haben sich die Mitarbeitenden mit Sharp identifiziert. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, auch nach aussen gemeinsam unter einer Marke aufzutreten.
Philippe Wettstein: Das Schlüsselwort ist Kontinuität. Unsere Kunden sollten weiterhin mit den gleichen Personen zusammenarbeiten können, und unsere Mitarbeitenden sollten ihre Arbeit in der gewohnten Kultur fortsetzen. Für das Schweizer Geschäft war es wichtig, dass wir nicht einfach in einer Konzernstruktur aufgehen.
In Europa hat sich gleichzeitig sehr viel verändert. Die übernommenen Gesellschaften wurden schrittweise zusammengeführt, die Strategie wurde abgestimmt und das gemeinsame Leistungsportfolio definiert. Mit diesem Fundament können wir nun als Sharp DX auftreten, ohne das aufzugeben, was ITpoint erfolgreich gemacht hat.
Philippe Wettstein, CEO Sharp DX (Schweiz): «Das Schlüsselwort ist Kontinuität. Unsere Kunden sollten weiterhin mit den gleichen Personen zusammenarbeiten können, und unsere Mitarbeitenden sollten ihre Arbeit in der gewohnten Kultur fortsetzen.»
ComputerworldCW: Was ändert sich für die Schweizer Kunden konkret – und was bleibt bestehen?
Wettstein: Zunächst bleiben wir die gleichen Personen wie vorher. Unsere Kunden haben weiterhin dieselben Ansprechpartner, wir sprechen ihre Sprache und kennen den Schweizer Markt. Auch unsere lokale Strategie und unsere bestehenden Leistungen führen wir weiter.
Neu ist der grössere Rahmen, in dem wir uns bewegen. Wir können auf zusätzliche Kompetenzen, Ressourcen und internationale Standorte zugreifen. Dadurch erhalten wir die Möglichkeit, unser Angebot in der Schweiz gezielt auszubauen. Ein wichtiges Thema sind beispielsweise Business Applications mit ERP- und CRM-Lösungen. Hier arbeiten wir eng mit Sharp DX in Frankreich zusammen, das in diesem Bereich über viel Erfahrung mit Microsoft- und SAP-Lösungen verfügt.
Wir werden die Kundenbetreuung und zentrale Beratungsfunktionen weiterhin in der Schweiz verankern. Für einzelne Projektleistungen können wir jedoch Spezialisten aus anderen europäischen Ländern beiziehen. Je nach Kundenanforderung lässt sich so eine vollständig lokale oder eine kombinierte europäische Leistung erbringen.
Viele Unternehmen wollen genau wissen, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen ihre Systeme betrieben werden.
CW: Sharp war bisher vor allem für Drucker, Displays und Unterhaltungselektronik bekannt. Wie weit reicht die Transformation zum IT-Anbieter?
Singer: Wir wollen Sharp in Europa klar als Partner für digitale Transformation positionieren. Dazu haben wir unser Portfolio in fünf Bereiche gegliedert: Infrastruktur, Business Applications, Data & AI, Cybersecurity sowie Modern Workplace.
Die einzelnen europäischen Gesellschaften bringen unterschiedliche Stärken ein. Die Schweiz verfügt über grosse Erfahrung bei Infrastruktur, Cloud-Plattformen, Managed Services, Modern Workplace, Cybersecurity und souveränen Cloud-Lösungen. Frankreich ist unter anderem bei Business Applications und Data & AI stark, während Grossbritannien viel Know-how bei Modern Workplace und Cybersecurity beisteuert.
Diese Kompetenzen werden nicht einfach zentralisiert. Wir verbinden sie zu einem europäischen Gesamtangebot. Dazu wird auch eine neue Kampagne unter der Marke Sharp DX starten. Sie soll sichtbar machen, dass Sharp heute weit mehr als ein Hersteller von Druckern und Displays ist.
Roland Singer, Vice President Sharp DX Europe: «Wir wollen Sharp in Europa klar als Partner für digitale Transformation positionieren.»
ComputerworldCW: Wie stellen Sie sicher, dass bei dieser europäischen Aufstellung die lokale Kundennähe nicht verloren geht?
Singer: Unsere europäische Strategie besteht aus drei Ebenen. Auf der ersten Ebene stehen die lokalen Spitzenleute. In jedem Land benötigen wir Fachpersonen, Presales-Spezialisten, Architekten, Projektleiter und Servicemanager, die den Markt, die Sprache und die Kultur kennen. Sie stehen direkt mit den Kunden in Kontakt. Diese Nähe lässt sich nicht aus einem anderen Land ersetzen.
Die zweite Ebene bilden die Fachkompetenzen für die einzelnen Themen. Diese Expertise kann aus dem jeweiligen Land kommen, in dem sie besonders stark ausgeprägt ist. Bei Managed Services und Cloud-Plattformen kann beispielsweise die Schweiz Leistungen für andere europäische Gesellschaften erbringen. Bei Business Applications oder Data & AI können wir dagegen stärker auf Frankreich zurückgreifen.
Die dritte Ebene ist unser European Technical Solution Center in Warschau. Dort arbeiten derzeit rund 40 Spezialisten. Sie unterstützen den Betrieb, das Monitoring, das Patching, den Service Desk und den 7×24-Support in mehreren Sprachen. Wichtig ist: Diese Leistungen sind nicht an einen externen Anbieter ausgelagert. Die Mitarbeitenden gehören zu Sharp DX und sind Teil unserer Organisation.
Unser Ziel ist kein zentralistischer Konzern, der überall das gleiche Modell durchsetzt. Wir wollen einen europäischen Rahmen schaffen, innerhalb dessen die Länder ihre Marktkenntnis und ihre Stärken einbringen können.
CW: Erreichen Sie mit Sharp DX künftig andere Kunden als mit ITpoint?
Wettstein: Unsere bisherigen Zielkunden bleiben wichtig. Gleichzeitig können wir nun ein breiteres und teilweise grösseres Kundensegment ansprechen. Ein international tätiges Unternehmen erwartet häufig, dass sein IT-Partner nicht nur in der Schweiz, sondern auch an weiteren Standorten Leistungen erbringen kann. Hier eröffnet uns die internationale Präsenz von Sharp neue Möglichkeiten.
Für grössere Kunden bietet zudem ein globaler Konzern im Hintergrund zusätzliche Stabilität. Trotzdem bleiben wir lokal erreichbar. Unsere Kunden arbeiten weiterhin mit den Menschen zusammen, die sie bereits kennen. Diese Kombination aus internationaler Reichweite und lokaler Betreuung ist eine unserer grössten Stärken.
Mit ORIA bleibt zudem eine klar schweizerisch positionierte Cloud-Marke für sensible und regulierte Anforderungen bestehen.
Sie ermöglicht uns, auch Kunden anzusprechen, für die eine stark schweizerisch positionierte Lösung im Vordergrund steht. Der Wechsel zu Sharp DX schränkt uns deshalb nicht ein, sondern erweitert unsere Möglichkeiten.
Künftig positioniert sich Sharp DX als europäischer Gesamtanbieter für die digitale Transformation mit ausgeprägter lokaler Präsenz, so Philippe Wettstein und Roland Singer.
ComputerworldCW: Wie fügt sich Sharp DX in das bestehende Schweizer Geschäft von Sharp Electronics ein?
Wettstein: Sharp DX und Sharp Electronics sind zwei Schwestergesellschaften, die beide an die europäische Organisation berichten. Gemeinsam decken wir in der Schweiz die Bereiche Print, audiovisuelle Lösungen und IT ab. Sharp DX und Sharp Electronics stimmen ihre Zusammenarbeit in der Schweiz schrittweise aufeinander ab. Dazu gehören der gemeinsame Marktauftritt, die Bearbeitung ausgewählter Kundensegmente sowie verbindliche technische und qualitative Standards. Im HR, Marketing und Vertrieb findet bereits ein regelmässiger Austausch statt.
Singer: Uns ist wichtig, auch hier nichts von oben zu verordnen. Was sinnvoll ist, führen wir zusammen. Was lokal besser funktioniert, bleibt lokal. Gleichzeitig brauchen wir klare Regeln, damit Angebote unter der Marke Sharp den gleichen technischen und qualitativen Standards entsprechen und von uns langfristig unterstützt werden können.
CW: Eine besondere Rolle sollen künftig eigene KI-Server von Sharp spielen. Was ist hier geplant?
Singer: Sharp bietet in Japan bereits KI-Server an. Wir prüfen derzeit, ob und in welcher Form diese Systeme auch in Europa und der Schweiz eingesetzt werden könnten. Eine mögliche Anwendung wäre der Betrieb in unseren Rechenzentren in Verbindung mit souveränen Cloud-Angeboten.
Wettstein: Es handelt sich um Sharp-gebrandete Server-Appliances mit Nvidia-Technologie. Die Entwicklung steht auch im Zusammenhang mit der Zusammenarbeit innerhalb der Foxconn-Gruppe. In Japan werden die Systeme bereits angeboten. Für Europa haben wir einen Business Case vorgelegt und führen die entsprechenden Gespräche. Für Sharp DX Schweiz wäre das ein wichtiger Schritt. Wir betreiben eigene Cloud-Infrastrukturen in Schweizer Rechenzentren, verfügen bereits über GPU-Ressourcen und wollen unser Angebot für KI-Workloads deutlich ausbauen. Damit könnten wir die gesamte Leistungskette von der Infrastruktur über den sicheren Betrieb bis zur Beratung abdecken.
Singer: Genau darin liegt das Potenzial. Sharp DX Frankreich verfügt über grosse Erfahrung bei der AI-Transformation und der Anpassung von Geschäftsprozessen. Die Schweiz bringt Rechenzentren, Cloud-Kompetenz und den Betrieb ein. Zusammen könnten wir den gesamten Stack anbieten: von der Hardware und der souveränen Infrastruktur bis zur Beratung, wie Unternehmen KI sicher und sinnvoll in ihre Prozesse integrieren.
CW: Welche Rolle spielen Datensouveränität und Sicherheit in dieser Strategie?
Wettstein: Diese Themen haben in den vergangenen Monaten nochmals stark an Bedeutung gewonnen. Viele Unternehmen wollen genau wissen, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen ihre Systeme betrieben werden. Mit unseren Schweizer Rechenzentren und unseren auf Datenkontrolle und Schweizer Datenhaltung ausgerichteten Cloud-Angeboten verfügen wir über eine gute Ausgangslage. Die KI-Server könnten dieses Angebot ergänzen. Entscheidend ist aber nicht nur die Hardware. Unternehmen benötigen auch Sicherheitskonzepte, Governance, Beratung und einen zuverlässigen Betrieb.
Singer: Das zeigt, weshalb unser europäisches Modell sinnvoll ist. Kein Land muss alle Kompetenzen allein aufbauen. Wir kombinieren lokale Verantwortung mit spezialisierten Teams und einem gemeinsamen operativen Support. So können wir Lösungen anbieten, die international skalieren und gleichzeitig die jeweiligen Anforderungen eines Landes berücksichtigen.
CW: Wie soll Sharp DX in der Schweiz weiterwachsen?
Wettstein: Wir befinden uns bereits in einem kontinuierlichen Wachstum. Bei Managed Services und Cloud Services steigt der Umsatz nicht zwingend im gleichen Verhältnis wie die Zahl der Mitarbeitenden. Diese Leistungen sind skalierbar und basieren stark auf wiederkehrenden Erträgen.
Anders sieht es bei neuen Geschäftsfeldern wie Business Applications oder Prozessberatung aus. Wenn wir diese Bereiche in der Schweiz aufbauen, benötigen wir zusätzliche Consultants und Fachspezialisten. Dort werden wir entsprechend investieren und auch personell wachsen.
Singer: Auf europäischer Ebene wollen wir zunächst die bestehenden fünf Leistungsbereiche in weiteren Ländern ausbauen. Wir prüfen für jedes Land, welche Kompetenzen vorhanden sind und wo das grösste Potenzial liegt. Wenn sich ein Geschäftsfeld organisch aufbauen lässt, tun wir das.
Wenn der organische Aufbau nicht sinnvoll oder ausreichend schnell möglich ist, prüfen wir auch strategische Partnerschaften und weitere Wachstumsoptionen.
Unser Ziel ist kein zentralistischer Konzern, der überall das gleiche Modell durchsetzt. Wir wollen einen europäischen Rahmen schaffen, innerhalb dessen die Länder ihre Marktkenntnis und ihre Stärken einbringen können. Sharp DX soll damit global leistungsfähig sein, ohne die lokale Nähe zu verlieren.
CW: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.