Smartphone 17.03.2020, 14:42 Uhr

Oppo A9 2020 im Test

Ein günstiges Einsteiger-Smartphone mit viel Schnauf.
Für so ein günstiges Gerät macht das Oppo A9 2020 eine gute Figur
(Quelle: Oppo )
Ein Smartphone in dieser Preisklasse muss Kompromisse eingehen, soviel steht fest. Die Frage ist also jeweils: Geht der Hersteller sinnvolle Kompromisse ein, die zu einem passenden Gesamtpaket führen? Oppo gelingt das mit dem A9 2020 grösstenteils gut.
Den ersten Kompromiss findet man beim Display. Die Auflösung von 1600 × 720 Pixeln (rund 270 ppi) haut wahrlich niemanden aus den Socken. Aber: Sie fällt auch nicht negativ auf. Auf YouTube und Co. ist bei 720p natürlich Schluss, aber so wirklich dramatisch ist das auf einem Handy-Display nicht.
Auch die türkisfarbene Farbvariante gefällt
Quelle: Oppo
Den zweiten grösseren Kompromiss bemerkt man bei der Leistung. Gaming auf hohem Niveau liegt mit dem A9 2020 sicher nicht drin. Für die meisten Alltagsanwendungen ist die Leistung aber ausreichend. Natürlich läuft beim A9 nicht alles so flott wie bei den aktuellen Spitzenmodellen, wirklich dramatisch ist der Unterschied aber nicht. Wechselt man von einem Gerät der gleichen Preisklasse zum A9, merkt man das sowieso nicht. Die stärksten Hänger passieren bei der Kamera, wo die Verzögerung von Foto zu Foto doch etwas länger ist als nötig. Ein Problem, das Oppo wahrscheinlich leicht hätte vermeiden können.
Für Gaming ist das A9 nur bedingt geeignet
Quelle: PCtipp

Kameras, Bedienung und UI

Kameras

Die zwei Hauptkameras des A9 machen durchaus einen ordentlichen Job. Die erste Linse liefert 48 Mpx auf einem 1/2,5-Zoll-Sensor, durch eine Blendenöffnung von ƒ/1,8. Die zweite Linse ist eine Ultrawide-Variante mit noch 8 Mpx auf einem 1/4-Zoll-Sensor und ƒ/2,3. Der Qualitätsabfall vom Hauptobjektiv zum Ultrawide-Objektiv ist bereits deutlich bemerkbar. Die zwei weiteren Linsen hingegen sind praktisch sinnlos. Es handelt sich um zwei spezialisierte 2-Mpx-Kameras. Eine für Schwarz-Weiss-Aufnahmen, die mehr Details in die Bilder bringen soll, und die andere als Tiefensensor für künstliches Bokeh. Wirklich viel bewirken die beiden Kameras aber nicht. Hält man den Finger über die zwei Linsen, verändert sich das Resultat der Hauptkamera nicht merklich. Es scheint, als wäre die Hauptaufgabe von Kameras 3 und 4, das Spezifikationsblatt der A9 aufzupolieren.
Die Kamera des A9 ist okay, aber nicht ideal konfiguriert
Quelle: PCtipp
Dann kommt man jedoch zurück zur Leistung und das Stocken beim Fotografieren. Das wäre ohne die zwei zusätzlichen Objektive wohl ein kleineres Problem gewesen. In diesem Fall ist Oppo keinen guten Kompromiss eingegangen. Besser geht es der 16-Mpx-Frontkamera. Diese erledigt ihren Job, ohne gross aufzufallen. Bei den Videos gibt es maximal UHD mit 30 FPS, dann allerdings ohne Bildstabilisierung, die nur bis FHD funktioniert.
Der Ultraweitwinkel ist deutlich schwächer als die primäre Kamera
Quelle: PCtipp

Bedienung und UI

Als Nutzeroberfläche kommt Oppos ColorOS zum Einsatz. Darunter liegt Android 9. Optisch unterscheidet sich ColorOS deutlich vom regulären Android und hebt sich mit seiner Farbpalette sowie seinen eckigen Icons durchaus ab. Funktional gesehen sind die Unterschiede eher klein. Wer von einem anderen Android-Gerät her kommt, versteht auch die Logik von ColorOS relativ schnell. Einzig die Anordnung der Untermenüs in den Einstellungen ist etwas merkwürdig. Man kann sich hier aber gut mit der Suchfunktion behelfen.
Eine nette Funktion ist das «Daumenmenü» etwa auf der Höhe des Ein/Aus-Knopfs am rechten Bildrand. Wischt man von der markierten Stelle nach innen, öffnet sich eine Art Schnellzugriff, der nach Belieben angepasst werden kann. Nimmt man sich zu Beginn die Zeit und richtet das Menü für den eigenen Gebrauch sinnvoll ein, wird es zu einem wertvollen Helfer im Alltag.
Das Nutzerinterface unterscheidet sich nicht allzu stark von anderen Android-Versionen
Quelle: PCtipp
Wo Oppo noch nachbessern dürfte, ist bei der deutschen Übersetzung der Oberfläche. Diese ist häufig etwas holprig, stellenweise sogar schwer zu verstehen. Besonders auffällig ist die uneinheitliche Verwendung von Du und Sie. Einige Textelemente lesen sich zudem, als wären sie aus einer anderen Sprache direkt übersetzt worden.

Speicher, Ausstattung, Äusseres und Fazit

Speicher und Ausstattung

In der Schweiz ist das Oppo A9 2020 in nur einer Konfiguration erhältlich: mit 6,5-Zoll-Display, 4 GB RAM und 128 GB Nutzspeicher. Für den Preis von rund 200 Franken eine absolut sinnvolle Konfiguration, die auch nicht gleich nächstes Jahr komplett überholt sein wird.
Viele aktuelle Features sind vorhanden: ein Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, Bluetooth 5 und USB-C. Letzteres allerdings nur mit USB 2.0 als Übertragungsstandard und maximal 10W-Ladegeschwindigkeit. Aber: Ist der Akku erst mal voll, hält er länger durch als die meisten anderen Geräte auf dem Markt.
Genau genommen ist der Akku die grösste Stärke des Oppo A9 2020, was ein direktes Resultat einer bestimmten Kombination ist: grosses Gehäuse mit wenig Leistung und niedrigere Bildschimauflösung. Das führt unweigerlich zu einer langen Akkulaufzeit. Für einen ganzen Tag reicht das Oppo A9 2020 problemlos. Bei kontinuierlicher Nutzung hält der Akku ganze 18 Stunden durch. Falls Sie Ihr Gerät also nur selten verwenden, kommen Sie auch gut eineinhalb bis zwei Tage damit durch. Die eher langsame Aufladezeit von drei Stunden ist dann gleich nicht mehr so schlimm.

Äusseres

Die Rückseite erinnert an teurere Modelle, besteht aber aus Plastik
Quelle: Oppo
Alle diese Dinge sind beim A9 in ein ansprechendes, wenn auch nicht hochwertiges Gehäuse gepackt. Optisch erinnert das A9 stark an aktuelle Spitzenmodelle, mit seinem Farbverlauf auf der Rückseite und dem schmalen Rand mit Notch auf der Front. Bei genauerer Betrachtung merkt man jedoch, dass das A9 ein gutes Stück mehr Rand hat als aktuelle Flaggschiffe (mit Ausnahme des iPhone 11). Und auch die hübsche, bunte Rückseite strahlt nicht ganz so detailliert wie bei teureren Modellen und ist zudem aus Plastik. Der Vorteil daran: Man kann das A9 wahrscheinlich auch mal fallen lassen, ohne gleich auf einen Scherbenhaufen zu blicken.
Im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones ist das A9 ein wenig dicker, was Oppo allerdings geschickt mit abgerundeten Seiten kaschiert, und mit der bereits erwähnten Akkulaufzeit kompensiert. Insgesamt fühlt sich das A9 deutlich nicht Premium an, sieht aber durchaus so aus.

Fazit

In den meisten Bereichen ist Oppo beim A9 2020 die richtigen Kompromisse eingegangen. Die Leistung reicht aus und resultiert dafür in einem langatmigen Akku. Gleiches gilt für das Display. Lediglich bei der Kamera hat sich Oppo ein wenig verrechnet. Ohne die zwei zusätzlichen Kameramodule wäre das A9 wohl besser beraten gewesen. Für den empfohlenen Preis von rund 300 Franken wäre das A9 etwas grenzwertig, da die Konkurrenz in dieser Preisklasse definitiv nicht schläft. Allerdings liegen die aktuellen Marktpreise des A9 zwischen 200 und 240 Franken und sind somit extrem kompetitiv. Und ein günstiges Smartphone mit langer Akkulaufzeit dürfte durchaus eine breite Zielgruppe ansprechen.
 

Testergebnis

Note
4.5
Akkulaufzeit, Preis
Kamera

Details:  6,5 Zoll, 1600 × 720, 270 ppi, Qualcomm Snapdragon 665, 128 GB (erweiterbar), 4 GB RAM, USB-C, 48 Mpx + 8 Mpx + 2 Mpx + 2 Mpx Hauptkamera, 16-Mpx-Frontkamera, Bluetooth 5, 5000-mAh-Akku

Preis:  199.00

Infos: 

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