Pilotbetrieb 15.04.2019, 14:32 Uhr

Rega entwickelt Rettungs-Drohne

Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega plant ab 2020 den Einsatz von Drohnen, um Vermisste zu orten.
Die Drohne soll ab 2020 die Rega-Rettungskräfte unterstützen
(Quelle: Rega )
Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega an ihrem eigenen Drohnen-Projekt. Nun hat die Organisation das autonome Fluggefährt der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Rega-Drohne soll künftig bei Sucheinsätzen für vermisste, verletzte oder erkrankte Personen ergänzend zum Einsatz kommen, beispielsweise wenn schlechte Sichtverhältnisse den Einsatz eines Helikopters verunmöglichen. Bis das Drohnen-System ab 2020 bei Suchaktionen eingesetzt werden kann, stehen weitere umfangreiche Testflüge an. «Ich bin überzeugt, dass die Rega-Drohne das Einsatzspektrum der Rega nochmals erweitern wird», sagt Rega-CEO Ernst Kohler.

Rega setzt auf Eigenentwicklung

Die Rega hat bei der Entwicklung der Drohne das Heft selbst in die Hand genommen. Denn ein Drohnen-System, das die Anforderungen der Rega erfülle, existiere auf dem Markt bisher nicht, erklärt Sascha Hardegger, Leiter Helikopter Einsatz und Projektverantwortlicher. Insbesondere die Möglichkeit, eine verhältnismässig kleine, leichte und flexible Drohne über mehrere Kilometer Distanz und während mehrerer Stunden Einsatzdauer ohne Sichtverbindung zum Drohnen-Piloten einzusetzen, gebe es heute noch nicht. «Deshalb haben wir selber die Initiative ergriffen und die Rega-Drohne gemeinsam mit geeigneten Partnern entwickelt», so Hardegger.

Wie ein Mini-Helikopter

Mit drei Rotorblättern und einem Rotordurchmesser von etwas mehr als zwei Metern sieht die Rega-Drohne aus wie ein Mini-Helikopter und hat äusserlich nicht viele Gemeinsamkeiten mit handelsüblichen Multikopter-Drohnen. Bei einem Sucheinsatz fliegt sie in einer Höhe von 80 bis 100 Metern dank Satellitennavigation präzise und autonom grossflächige Suchgebiete auf einer vordefinierten Route ab.
Anderen Luftfahrzeugen oder Hindernissen, wie beispielsweise Kabeln oder Helikoptern, weicht sie selbständig aus. Dafür sorgen Antikollisionssysteme sowie zahlreiche an Bord gespeicherte Informationen wie Geländemodell und Hindernisdatenbanken. Die Drohne werde nicht über dicht besiedelten Gebieten oder in Flugplatznähe eingesetzt, verspricht die Rega. Zudem sei der autonome Kleinsthelikopter mit einem Notfallschirm ausgerüstet.

Sensoren helfen bei der Ortung

Verschiedene Sensoren an Bord der Drohne, darunter eine Wärmebildkamera, ermöglichen die Ortung von vermissten Personen. Ihre Signale und diejenigen der Kamera für Tageslicht werden laut Rega mithilfe einer lernenden Software in Echtzeit an Bord der Drohne kategorisiert. Diese Software wird in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich entwickelt.
Wenn die Algorithmen aufgrund der Bildauswertung weniger Pixel eine Person vermutet, übermittelt die Drohne demnach diese Information sofort an den Operator am Boden.
Bei der Suche nach verletzten oder erkrankten Personen soll auch die integrierte Mobiltelefon-Ortung unterstützen: Damit kann die Rega-Drohne in unbesiedelten Gebieten auf einige hundert Meter Entfernung ein Mobiltelefon orten und so mit grosser Wahrscheinlichkeit auch dessen Besitzer finden. Der Prototyp dieses Geräts wird derzeit in Zusammenarbeit mit der Polizei, in deren Zuständigkeit die Notsuche nach vermissten Personen fällt, getestet. Dem Schutz sensibler Daten wird dabei spezielle Aufmerksamkeit geschenkt.
So unterstützt künftig die Rega-Drohne die Suchtrupps
(Quelle: Rega)

Drohne nur Ergänzung

Trotz des künftigen Drohnen-Einsatzes hat der Rega-Pilot nicht ausgedient. Die Drohne werde in bestimmten Fällen eine gute Ergänzung, jedoch kein Ersatz für den Rega-Helikopter und dessen Crew sein, versichert Hardegger. «Ist die Suche nach einer verletzten oder erkrankten Person erfolgreich, braucht es auch in Zukunft den Rega-Helikopter oder ein anderes Einsatzmittel, um diese zu retten oder medizinische Hilfe zum Patienten zu bringen», ist er überzeugt.
Zudem werden für die Bedienung der Drohne Spezialisten benötigt. «Auch wenn die Drohne selber unbemannt ist und automatisch fliegt, bedarf es einer gut ausgebildeten Drohnen-Crew, bestehend aus einem Operator und einem Piloten, welche die Suche mit den verschiedenen Einsatzkräften koordiniert und die Drohne sinnvoll einsetzt», erklärt Hardegger.


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