«Next Step» 01.04.2020, 11:30 Uhr

Schweizer Contact-Tracing-App steht in den Startlöchern

Die Zürcher Firma Ubique hat eine Contact-Tracing-App entwickelt. Sie könnte dabei helfen, die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. User von «Next Step» sollen via App informiert werden, wenn sie mit einer infizierten Person in Kontakt standen.
(Quelle: Ubique)
Die Firma Ubique, die bereits die Apps von Alertswiss, den SBB oder auch MeteoSwiss entwickelte, hat in den letzten Tagen «Next Step» programmiert – eine Anwendung für das Contact Tracing. Ziel dieses Vorgehens ist es, zur Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten alle Personen rasch ausfindig zu machen, die engen Kontakt zu infizierten Personen hatten. Dem Zürcher Entwicklerstudio zufolge kam das Contact Tracing in anderen Ländern schon frühzeitig zum Einsatz. Hierzulande werde jedoch noch über den Einsatz solcher Technologien diskutiert. Denn viele davon hätten «einen tiefen Eingriff in die Privatsphäre zur Folge, weil sie sensitive Daten wie Bewegungsprofile an zentrale Server schicken», teilt Ubique mit.
Auf dem Homescreen wird Usern angezeigt, wenn sie mit einer infizierten Person in Kontakt standen
Quelle: Ubique
Das Unternehmen will nun mit einer simplen Lösung, die die Persönlichkeitsrechte und Eigenverantwortung wahren soll, Abhilfe schaffen. Denn Datenschutz, so Ubique, habe auch in der Krisenzeit höchste Priorität. Bevölkerung und Bund forderten konkrete Lösungen, aber nicht auf Kosten der Privatsphäre. Auch löse die Nutzung ausländischer technischer Lösungen bei vielen die Sorge über Überwachung und Missbrauch der Daten aus. «Nach einer kurzen, aber sehr intensiven Entwicklung im Homeoffice kann eine konkrete technologische Lösung für die Eindämmung des Covid-19-Virus präsentiert werden», heisst es im Communiqué.

«Next Step» macht Begegnungen nachvollziehbar

Die Anwendung der App-Schmiede soll nun mittels Bluetooth Begegnungen mit anderen Nutzern erkennen. Eine solche werde durch die App registriert, wenn zwei User eine bestimmte Zeit lang zusammenstehen, erklärt das Unternehmen und verspricht gleichzeitig Anonymität für die Nutzerinnen und Nutzer. Den Ausführungen zufolge verfügt jede App über eine dynamische ID, die periodisch zufällig generiert wird. Begegnungen würden beim ganzen Vorgang auch nur lokal auf dem jeweiligen Smartphone gespeichert.
Erkrankt dann eine Person an Corona oder weist typische Symptome auf, kann sie dies in der App melden. User, die mit der erkrankten Person Kontakt hatten, werden dann automatisch informiert. Laut der Firma kann jedoch niemand sehen, von wem die Meldung stammt. Zugleich sollen die Kontaktpersonen Informationen zu den nötigen Massnahmen erhalten – basierend auf den Bestimmungen des BAG.
CEO Matthias Wellig entwickelte mit seinem Team die App «Next Step»
Quelle: Ubique

Ball liegt bei den Entscheidungsträgern

Gemäss Ubique kann «Next Step» bereits zu Testzwecken heruntergeladen werden. Die Firma ist allerdings überzeugt davon, dass diese nur Wirkung zeigt, wenn sie schweizweit genutzt wird. «Dafür braucht es viele Installationen der App und eine Koordination von offizieller Seite», schreibt Ubique. Das wurde beim Konzipieren von «Next Step» anscheinend bereits einkalkuliert. Denn um eine schnelle Verbreitung zu erreichen, sei die App so aufgebaut, dass sie sich zusätzlich in bereits bestehende, weit verbreitete Anwendungen einbauen lasse. Man könne dem Bund nun eine konkrete Lösung vorstellen, so das Unternehmen.
So liegt der Ball nun bei den Entscheidungsträgern der offiziellen Stellen. Sie müssen letztlich darüber entscheiden, ob ein technologisches Hilfsmittel zur Eindämmung von Covid-19 in der Schweiz eingesetzt werden soll.



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