22.12.2016, 15:08 Uhr

Handy kaputt, was tun?

Swisscom und andere Anbieter machen gerne vollmundig Werbung mit eigenen Reparaturzentren. Allerdings bewahrheiten sich diese Versprechungen nicht in jedem Fall.
Handy kaputt – kein Problem: So wirbt Swisscom mit seinem Repair Center für defekte Smartphones. Wer ein neues Smartphone mit Vertrag kauft, hat aber unter Umständen bei einem Defekt nicht gleich Anspruch auf die Sofortdienstleistung mit dem 24-Stunden-Service. Ein wenig verdutzt war auch unser Leser Hans Fischer (Name von der Redaktion geändert), als er vor zwei Tagen im Berner Repair-Zentrum am Hirschengraben ein neu gekauftes Lumia 950 zur Reparatur bringen wollte. Das Smartphone schleppt er schon ein halbes Jahr mit sich herum, obwohl es seiner Meinung nach zwei Software-Fehler besitzt. Auch wir kennen einige Macken der Microsoft-Handys, die sich aber meist bei leistungsschwächeren Geräten wie dem Lumia 650 bemerkbar machten: Einige Apps wie Twitter oder die Foto-App stürzen seit Windows 10 Mobile öfters ab. Etwas, das aber auf einem flinkeren Lumia 950 nicht passieren sollte. Grund genug für Fischer, sich gleich direkt an die Reparaturstelle von Swisscom zu wenden. Schliesslich wird online auf grossen Landing-Pages mit dem Sofortservice geworben. Dann aber der Dämpfer von einem Swisscom-Berater: Das Angebot im Repair Center gelte nur für Samsung- und iPhone-Geräte. Auf die Frage von Hans Fischer, ob diese Einschränkung irgendwo im Angebot vermerkt sei, antwortete man unserem Leser, dass dies nirgends nachzulesen sei. Dass die Dienstleistung der Swisscom nur für zwei Marken gelten soll, ärgert Fischer. «Man könnte meinen, das angeblich gute Serviceangebot diene der Swisscom nicht zuletzt zur Begründung ihrer hohen Abo-Preise.»

Telkos reparieren nicht jedes verkaufte Handy

Swisscom liess uns auf Anfrage wissen, dass man aktuell rund 80 Prozent aller von Swisscom verkauften Geräte mit Reparaturleistungen im Repair Center abdecken könne. Die übrigen Geräte liessen sich über den normalen Reparaturprozess via Swisscom-Partner reparieren. Dennoch wirft das die Frage auf, warum man unserem Leser gesagt hat, dass die Vor-Ort-Reparaturleistung nur für Apple und Samsung gelten soll. Die Antwort erstaunt uns aber nicht: «Es ist leider so, dass wir aktuell einige Reparaturangebote für Microsoft auf der Preisliste haben, die wir wegen zu kleiner Nachfrage demnächst vom Markt nehmen müssen», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli dem PCtipp. Beim Lumia 950 seien dies etwa Display, Akku, Back-Kamera und Back-Cover. Swisscom sei bestrebt, möglichst viele Geräte vor Ort zu reparieren, versichert man uns. Bei einigen Typen brauche es jedoch Spezialwerkzeug, Prüfeinrichtungen und Know-how, was bei kleinen Stückzahlen eine «wirtschaftliche Reparatur» für 100 Prozent der Geräte nicht zulassen würde. Der Fall zeigt: Repair Centers der Telekommunikationsanbieter können oder wollen aufgrund der unterschiedlichen Nachfrage nicht auf jedes Vertrags-Handy einen 24-Stunden-Service in ihren Reperaturwerkstätten gewähren. In der Regel sollten aber Sales-Mitarbeiter Kunden darauf aufmerksam machen, dass sich ein Handy nicht vor Ort reparieren lässt, sondern dass es eingeschickt werden muss. Ob es sich bei unserem Fall um einen Einzelfall gehandelt hat, lässt sich nicht genau verfolgen. Swisscom versicherte uns, dass Sales-Mitarbeiter in der Regel immer gleich über die Vor-Ort-Serviceleistungen informieren. Dies sei Standard, so Schädeli. Wie Sie bei einem defekten Smartphone vorgehen können und was von Zusatzversicherungen zu halten ist, lesen Sie auf der zweiten Seite. Nächste Seite: So gehen Sie vor bei einem kaputten Handy

Handy kaputt? Das können Sie tun

Fragen Sie bei einem Smartphone-Defekt immer zuerst bei Ihrem Telko oder Händler nach, ob das Smartphone allenfalls eingeschickt werden muss. In der Regel können Sie davon ausgehen, dass bei bekannteren Marken (Samsung, Apple) meist schnell Hand angelegt werden kann. Allerdings schreibt beispielsweise auch Sunrise auf seiner Webseite, dass derzeit vor allem Samsung schweizweit mit Ersatzteil-Lieferschwierigkeiten zu kämpfen hat. Es kann also auch bei verbreiteten Handy-Marken manchmal zu Engpässen bei Reparaturstellen kommen. Wenn Sie ein Handy bei einem Onlinehändler wie Digitec erworben haben, können Sie das Reparaturprozedere unter Umständen sogar selber beschleunigen, indem Sie das Gerät direkt an den Servicepartner des Händlers einschicken. Dieser wird bei einigen Shops gleich bei Erfassung eines Online-Reparaturauftrags aufgezeigt.

Keine Garantie mehr – was jetzt?

Haben Sie keine Garantie mehr auf Ihr Smartphone? Handelt es sich lediglich um ein kleineres Problem wie eine verklemmte SIM-Karte? Dann lohnt sich ein Vergleich der Handy-Reparaturshops. Lassen Sie sich bei Zweifel über anfallende Kosten am besten von mehreren Anbietern eine unverbindliche Offerte zustellen. Für iPhone-Schäden gibt es sehr viele Reparaturstellen wie iklinik.ch oder iphonedoktor.ch. Hier lohnt sich das Abwägen. Liegt ein Wasserschaden oder ein Display-Bruch vor, machen Sie beim Apple Store unter Umständen immer noch den besseren Deal.

Handy versichern: sinnvoll oder nicht?

Wer das Handy oft fallen lässt, sollte gut abwägen, ob sich eine Zusatzversicherung lohnt. Salt, Swisscom und Händler wie Interdiscount bieten Kunden die Möglichkeit an, sich gegen Handy-Schäden zu versichern. Je nachdem stehen aber jährliche Versicherungsprämien von über 100 Franken nicht im Verhältnis zum Wert der Smartphones. Diese Meinung teilt Ralf Beyeler von Verivox: «Der Schaden ist meist eher gering, und man sollte in der Lage sein, bei einem Schadenfall ein neues Gerät kaufen zu können. Als Tipp empfiehlt der Telko-Experte Sparmassnahmen: Statt Versicherungsprämien für die Handy-Versicherungen zu bezahlen, könne man sich das Geld auch ins Sparkässeli oder auf ein Sparkonto legen. Hat man einen Schadenfall, könne man diesen auch so decken.

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