Android-Messaging 23.04.2018, 15:49 Uhr

Google setzt jetzt auf RCS-Chat

Google arbeitet offenbar (wieder einmal) an einer neuen Messenger-Lösung für Android. Diese trägt den schlichten Namen Chat, basiert auf RCS-Technologie und soll WhatsApp, iMessage und Co. Konkurrenz machen.
(Quelle: Pe3k / Shutterstock.com )
Google beginnt offenbar ein weiteres Kapitel in seiner Messenger-Geschichte unter Android. Nachdem das Unternehmen zunächst mit Hangouts erfolglos versuchte, einen neuen Dienst am Markt zu etablieren, sollte es in einem zweiten Anlauf die reine Textlösung Allo richten. Diese ereilt nun wie es scheint ein ähnliches düsteres Schicksal. Wie der Google-Manager Anil Sabharwal im Gespräch mit The Verge erläutert, will das Unternehmen die weitere Entwicklung von Allo fürs Erste pausieren. Damit sagt sich Google allerdings nicht gänzlich vom Messenger-Markt los, eine neue Lösung mit dem schlichten Namen Chat soll nun durchstarten.
Dabei handle es sich um einen modernen Messenger auf Basis der universellen RCS-Technologie (Rich Communication Services), die als Nachfolger der traditionellen SMS gilt. Damit möchte Google den herkömmlichen Nachrichtenversand auf eine Ebene mit ausgewachsenen Messenger-Lösungen heben. Hierzu hat der US-Konzern weltweit bei Netzbetreibern für die Unterstützung des RCS-Standards geworben. Die Technologie erlaubt den Versand von Textnachrichten mit zusätzlichen Inhalten wie Bilder und Videos in voller Auflösung. Ausserdem können mit RCS Funktionen wie eine Lesebestätigung, ein Schreibindikator oder Gruppenchats realisiert werden.
Dank der RCS-Technologie sind auch Gruppenchats möglich.
(Quelle: Google)
Die RCS-Chats sollen künftig standardmässig in der Android-Nachrichten-App zum Einsatz kommen und dort die SMS ersetzen. Der Umstieg werde dabei etappenweise je nach Unterstützung des Netzbetreibers erfolgen. Da der neue Standard auch abwärtskompatibel ist, können auch Nachrichten an Nutzer gesendet werden, deren Geräte oder Netzbetreiber noch keinen RCS-Support bieten. In diesem Fall kommt als Fallback-Technologie wieder die gute alte SMS zum Einsatz. Die Zusatzinhalte lassen sich hierbei natürlich nicht übertragen. Aktuell unterstütze schon eine Vielzahl von Netzbetreibern und Geräteherstellern den RCS-Standard, darunter die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica, Samsung, HTC und Huawei. An OS-Partnern ist neben Google nur Microsoft mit an Bord.
Google geht davon aus, dass bereits in diesem Jahr viele weitere Netzbetreiber mit dem Support für RCS starten werden. Anders als SMS-Nachrichten werden RCS-basierte Texte wie WhatsApp und Co. über das Datenvolumen im Tarif abgerechnet. Etwaige Mehrkosten entstehen dadurch nur im Falle eines Fallbacks auf SMS.

RCS-Chat ohne Verschlüsselung

Während der Ansatz mit der RCS-Technologie hinsichtlich universaler Unterstützung zwar deutliche Vorteile bietet, gibt es auch einen grossen Nachteil im Vergleich zu normalen Messenger-Lösungen: RCS-Nachrichten werden unverschlüsselt übertragen. Für den Versand von sensiblen Daten eignet sich die Lösung entsprechend nicht. Gleichfalls dürfte ein Business-Einsatz damit vorneweg auszuschliessen sein. Da Google für die Business-Kundschaft aber ohnehin spezielle Hangout-Versionen bereithält, dürfte dies für Google weniger von Belang sein. Sicherheit und Datenschutz sind aber auch für private Nutzer von grosser Bedeutung, daher könnte sich das RCS-basierte Chat wohl auch schwer damit tun, die Nutzerschaft zu einer Abkehr von WhatsApp, iMessage und den zahllosen weiteren Alternativen zu bewegen.


Das könnte Sie auch interessieren