Basel III 14.12.2012, 11:09 Uhr

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt

Kreditinstitute müssen künftig Qualität und Quantität des Eigenkapitals verbessern sowie strengere Standards erfüllen. Dies erhöht sowohl die Prozesskosten als auch die Kapitalkosten – mit weitreichenden Folgen für die bisherigen Geschäftsmodelle.
Was Unternehmen wegen Basel III beachten müssen.
Der Autor betreut als Associate Partner bei der Q_Perior AG den Themenbereich Risikomanagement für Banken.
Mit Basel III versucht der Gesetzgeber, die bisherigen Vorschriften weiter zu verschärfen. Neue Liquiditätsstandards, steigende Anforderungen an die Qualität des Eigenkapitals und eine Verschuldungsobergrenze (Leverage Ratio) sollen helfen, die Auswirkungen aus der letzten Finanzkrise künftig besser in den Griff zu bekommen. Die Forderung nach einer «besserer Qualität» des Eigenkapitals und einer höheren Eigenkapitalquote wird wohl jede Institutsgruppe ohne grössere Anstrengungen erfüllen. Die Tücke liegt jedoch bekanntlich im Detail – so auch hier. Auf der einen Seite werden die Geschäfte nach oben hin begrenzt. Damit wird die knappe Ressource Eigenkapital für die einzelnen Geschäfte teurer. Auf der anderen Seite steigen die Prozesskosten durch die neuen Anforderungen an die Meldepflichten der Banken an. Die Folge: Einige Geschäfte lassen sich nur noch mit höheren Kosten realisieren, andere werden sicherlich künftig gar nicht mehr angeboten, wieder andere gewinnen sogar an Attraktivität. Hieraus ergeben sich auch neue Alleinstellungsmerkmale gegenüber den Mitbewerbern. Banken könnten ausserdem versuchen, das zinstragende Geschäft zu reduzieren, um damit auch die Eigenkapitalunterlegungen zu reduzieren. Dies führt aber auch zu einer Reduzierung der Bilanzsumme. Eine Alternative wäre, das Provisionsgeschäft zu steigern. Hierzu werden sich Abnehmer des vermittelten Geschäfts herausbilden müssen. Wichtig ist, diese Auswirkungen zu erkennen und die richtigen Handlungsnotwendigkeiten abzuleiten.

Teures Eigenkapital

Über den Sinn der Kennzahl «Leverage Ratio» ist bereits viel diskutiert worden. Diese wird die knappe Ressource Eigenkapital weiter verteuern, aber nicht dafür sorgen, dass langfristige, gut gesicherte Finanzierungen verschwinden. Dennoch ist unklar, ob mit dieser Kennzahl nicht auch falsche Impulse gesetzt werden. Bis  dato sichere Produkte wie der Pfandbrief oder die Obligationenanleihe erzielen seit Längerem nicht mehr die erwünschten Renditen. Eine
Allokation von Eigenkapital in diesem Bereich wird sich somit zukünftig weniger lohnen. Damit müssten Banken wieder stärker die risikointensiveren Investitionen suchen. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Kurzfristige Investitionen

Kurzfristige Investitionen

Durch die neuen Liquiditätskennziffern, insbesondere der NSFR (Net Stable Funding Ratio), schränkt sich die Fristentransformation ein und damit auch die Refinanzierungsmöglichkeiten im Hinblick auf langfristige Finanzierungen. Hinzu kommt die Unterscheidung zwischen stabilen und weniger stabilen Einlagen. Je stabiler eine Einlage ist, desto höher ist der von der Bank zu zahlende Zins. Erschwerend kommt bei der derzeitigen Niedrigzinsphase der Umstand hinzu, dass die Anleger derzeit kurzfristige Anlagemöglichkeiten nutzen, um bei eventuell steigenden Zinsen flexibel reagieren zu können. Selbst konservative, institutionelle Anleger wie Versicherungen werden nicht unbedingt langfristige Anlagen tätigen. Zum einen wegen der fehlenden Renditechancen und zum anderen, weil sie durch Solvency II gezwungen sind, ihre Ausleihungen ebenfalls mit Eigenkapital zu unterlegen. Aufgrund der in letzter Zeit gestiegenen Ausfallwahrscheinlichkeit der Banken erwarten auch Versicherungen jetzt eine höhere Verzinsung ihrer Einlagen oder weichen auf andere Anlageformen aus. Damit werden die Refinanzierungskosten der Banken zusätzlich steigen. Ob diese Kostensteigerung an die Kredit­kunden
weitergegeben werden kann, ist offen. Obwohl die Kundeneinlagen als weniger stabil gelten, werden sie immerhin noch mit einem Faktor von 80 Prozent angerechnet. Der Privatkunde wird also mit seinen Einlagen als Refinanzierungsquelle wieder interessanter. Allerdings werden auch hier die Ansprüche an eine angemessene Verzinsung steigen. Die Banken sollten hier interessante Anlageprodukte kreieren, die aber auch für den Kunden verständlich sind. Der Privatkunde ist aufgeklärter als noch vor der Lehman-Pleite.

Folgen für die internen (IT-)Prozesse

Bedingt durch die neuen Kennzahlen und durch die Veränderungen im Meldewesen (geplante Anpassungen im Zusammenhang mit dem Standardansatz SA-BIZ) werden zusätzliche Implementierungskosten anfallen. Alle Kennzahlen müssen in den vorhandenen Prozessen abgebildet und in den IT-Systemen vorgehalten werden. Darüber hinaus sind auch Dokumentationen und die regelmässige Berichterstattung sicherzustellen. Hier werden insbesondere kleinere Institute betroffen sein, die bisher ihr Liquiditätsmanagement und ihr Meldewesen in einem überschaubaren Rahmen abwickeln konnten. Profitieren werden hier die grossen Institute, die, bedingt durch die Vielzahl der verschiedenen Geschäftsprozesse, bereits heute viel in die Automation ihrer Prozesse investiert haben. Deren Prozessanpassungen dürften sich im überschaubaren Rahmen bewegen und leicht weiter optimierbar sein. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Zusammenspiel der Kräfte

Zusammenspiel der Kräfte

Wenn heute die Bereiche Vertriebs- und Produktmanagement, Vertriebssteuerung und Risikocontrolling mehr oder weniger nebeneinander fungieren, kommt es künftig auf eine wesentlich engere Verzahnung dieser Bereiche an. Die notwendigen Strategien (insbesondere die Geschäfts- und die Risikostrategie) müssen viel enger aufeinander abgestimmt werden. Eine ständige Abstimmung aller Informationen steht nun auf der Tagesordnung. Das bedeutet aber auch, dass im Bereich der Informations­beschaffung und -aufbereitung weiterhin viel investiert werden muss. Jeder Franken, der hier investiert wird, verbessert allerdings künftig die Steuerung der immer knapper werdenden Ressource Eigenkapital.

Fazit: vielfältige Herausforderungen

Die Neuregelungen durch Basel III stellen die Banken vor zwei wesentliche Herausforderungen. Eine Herausforderung sind zukünftige Prozessveränderungen. Auf der einen Seite müssen die neuen Kennzahlen anforderungsgerecht reportet werden. Auf der anderen Seite müssen Prozessanpassungen so konzipiert werden, dass die daraus resultierende Kostenerhöhung in einem niedrigen Rahmen bleibt. Die zweite Herausforderung ist das engere Zusammenspiel zwischen den Produkt- und Vertriebsverantwortlichen und dem internen Controlling. Die Verknappung der Ressource Eigenkapital muss viel enger gesteuert werden als noch unter Basel II. Ausserdem werden die Banken versuchen, statt ins zinstragende Geschäft mehr ins Provisionsgeschäft zu investieren.

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