IPO 29.12.2020, 14:44 Uhr

SAP konkretisiert Börsenpläne für US-Tochter Qualtrics

SAP treibt die Pläne für den Börsengang seiner US-Tochter Qualtrics voran. SAP-Anleger begrüssten denn auch die ersten Details zum Börsengang von Qualtrics, nachdem SAP im Sommer die für die Experten damals eher überraschenden Pläne bekannt gegeben hatte.
(Quelle: Qualtrics )
Die Corona-Krise stellt dabei keinen Bremsklotz dar, ganz im Gegenteil: An den US-Börsen sind Tech-Börsengänge etwa von Airbnb oder des Essensauslieferers Doordash in den vergangenen Wochen extrem gut über die Bühne gegangen. Die SAP-Aktie legte zum Handelsstart am Dienstag um zwei Prozent auf 107,36 Prozent zu und schlug sich damit besser als der Dax. Es war zudem der höchste Kurs seit dem Einbruch im Oktober.

Der Anbieter von Marktforschungssoftware wolle an die Tech-Börse Nasdaq unter dem Ticker "XM" gehen, teilte Qualtrics am Montagabend in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC mit. Die Aktien sollen für 20 bis 24 US-Dollar pro Stück verkauft werden. Eine konkrete Anzahl an Aktien, die an Investoren abgegeben werden soll, wurde nicht genannt. Auch einen Zeitplan gibt es aktuell nicht. Als Wert des Börsengangs nannte Qualtrics 100 Millionen Dollar. Dieser Betrag dürfte aber nur ein Platzhalter sein. Die Investmentbanken Morgan Stanley und JPMorgan begleiten den Börsengang.

SAP hatte im Juli angekündigt, Qualtrics an die Börse bringen zu wollen. SAP hatte das Unternehmen erst vor gut zwei Jahren für acht Milliarden Dollar gekauft. Der Dax-Konzern könnte jetzt eine Gelegenheit nutzen, den Zukauf zu günstigen Bedingungen zu Geld zu machen. Gemessen an der Börsenbewertung direkter und ähnlich schnell wachsender Rivalen könne Qualtrics auf einen Unternehmenswert von rund 14,4 Milliarden Dollar kommen, spekulieren Experten. Dies wäre am oberen Ende der Preisspanne der Fall, wenn etwa 600 Millionen Aktien nach dem Börsengang im Umlauf wären.

Die Zügel will SAP aber nicht aus der Hand geben. Früheren Aussagen zufolge wollen die Walldorfer auf jeden Fall Mehrheitsaktionär von Qualtrics bleiben und weiter vom starken Wachstum der noch kleinen Sparte profitieren. Dies geht auch aus der SEC-Mitteilung von Qualtrics hervor. Über unterschiedliche Aktiengattungen soll SAP über die Stimmrechte die volle Kontrolle behalten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im Sommer mit Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass SAP mindestens 75 Prozent an Qualtrics behalten wolle.

Das Unternehmen sammelt Daten etwa auf Webseiten von Internethändlern oder über Umfragen - das Angebot soll Händlern ein genaueres Steuern von Werbung und Marketing ermöglichen. Mit Qualtrics will SAP auch den US-Rivalen Salesforce <US79466L3024> attackieren, der bei Software für den Vertrieb und das Kundenmanagement die Nase vorn hat.

In der Pflichtmitteilung legte Qualtrics offen, dass der Finanzinvestor Silver Lake am 23. Dezember zugestimmt hat, für 550 Millionen Dollar in einer Privatplatzierung Qualtrics-Aktien zu kaufen. Die Hälfte erwirbt Silver Lake zum Preis des Börsengangs, den Rest für 21,64 Dollar pro Aktie.


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