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Lesedauer 5 Min.

Ricardo MoneyGuard – die Fallstricke

Die Auktionsplattform Ricardo hat einen neuen Schutzmechanismus lanciert. Dieser soll Betrug verhindern, bringt aber neue Probleme mit sich. Wir zeigen Ihnen, was MoneyGuard macht und wie Sie darum herumkommen.
Bild 1: Mit der neuen Funktion MoneyGuard will Ricardo die Sicherheit für Käufer erhöhen
© (Quelle: Shutterstock/rawf8)

Grosse Neuerungen an beliebten Diensten haben oft einen schweren Stand; so auch der neue Schutzmechanismus MoneyGuard der Auktionsplattform Ricardo. Das Ende 2024 eingeführte Feature soll vorwiegend vor der häufigsten Betrugsart auf der Plattform schützen: nicht versandte Ware. Das gelingt MoneyGuard ordentlich, allerdings bringt der Dienst neue Probleme mit sich und wurde entsprechend von aktiven Ricardo-Nutzern mit wenig Gegenliebe empfangen. Dass Ricardo seinen Schutzmechanismus MoneyGuard quasi zur Pflicht gemacht hat, hilft auch nicht, Bild 1.

© Quelle: PCtipp.ch

Was ist MoneyGuard?

MoneyGuard ist ein Bezahldienst innerhalb der Auktionsplattform Ricardo. Statt Geld direkt von Person zu Person zu überweisen, übernimmt Ricardo eine Treuhänderrolle. Der bezahlte Betrag wird zunächst auf ein Sperrkonto einbezahlt und der Verkäufer davon in Kenntnis gesetzt. Freigegeben wird das Geld allerdings erst, wenn die Ware beim Käufer angekommen ist und von diesem für gut befunden wurde. Der Käufer hat dafür zehn Tage Zeit. Kommt es zu Uneinigkeiten, übernimmt Ricardo die Schlichtung via Kundendienst. Verhindert wird damit, dass ein Verkäufer das Geld erhält und dann keine oder mangelhafte Ware verschickt. Ein zusätzlicher Vorteil von MoneyGuard ist, dass beide Parteien keine heiklen Daten wie Telefonnummern austauschen müssen, um etwa Twint-Zahlungen zu verarbeiten. Die Zahlung läuft komplett via Ricardo. Klingt an sich gut, oder? Also, wo ist da der Haken?

Der respektive die Haken

  • Punkt eins:

Bild 2: Angebote mit MoneyGuard sind prominent markiert © Quelle: PCtipp.ch

MoneyGuard ist nicht gratis. Die Kosten der zusätzlichen Sicherheit werden direkt an die Kundschaft weitergegeben, genauer gesagt an die Käufer. Diese bezahlen bei einem Angebot mit MoneyGuard einen prozentualen Aufschlag – laut Ricardo durchschnittlich zwischen 2 und 5,5 Prozent für die zusätzliche Sicherheit. Dabei gibt es eine Mindestgebühr von 50 Rappen für kleine Transaktionen. Der MoneyGuard-Zuschlag wird auf den Verkaufspreis des Händlers aufgeschlagen.

Pikant: Diese MoneyGuard-Gebühr wird bei einer beanstandeten Transaktion nicht zurückerstattet. Verschickt also ein Verkäufer keine Ware, etwa weil er sich einen besseren Auktionspreis erhofft hatte, bekommt man zwar den Kaufpreis zurück, ist aber die MoneyGuard-Gebühr trotzdem los, Bild 2.

  • Punkt zwei: MoneyGuard ist (fast) obligatorisch. Eine einfache Methode, die Nutzer zu enervieren: Man führt einen kostenpflichtigen Dienst nicht nur ein, sondern macht ihn auch gleich zur Pflicht. Das ist bei MoneyGuard mehr oder weniger der Fall. Für Waren, die mit Karte oder Twint bezahlt und per Post versandt werden, ist die Funktion standard­mässig eingeschaltet und lässt sich auch nicht ausschalten. Da MoneyGuard im Nutzerkonto aktiviert ist, gilt das für alle Angebote und kann auch nicht punktuell deaktiviert werden. Einen möglichen Workaround finden Sie im Abschnitt «MoneyGuard umgehen».
  • Punkt drei: MoneyGuard ist toll für Käufer, stellt Verkäufer allerdings vor neue Probleme. So kann etwa ein Käufer bezahlen, die Ware erhalten, beanstanden und sich aus dem Staub machen, sobald das Geld zurückerstattet wurde. Grundsätzlich sollte Ricardo in solchen Fällen manuell einschreiten, was anhand der vielen Angebote auf der Plattform allerdings unrealistisch scheint, Bild 3. Weiter ist MoneyGuard nur für Transaktionen unter 5000 Franken möglich. Hier hat Ricardo bereits nachgebessert und die Limite von anfangs 1500 Franken markant erhöht.

  • Bild 3: Die Angebote lassen sich nach «MoneyGuard» filtern © Quelle: PCtipp.ch

  • Punkt vier: Ricardo ist bekanntlich selbst kein Treuhänder und setzt deshalb für MoneyGuard auf externe Hilfe. Die Abwicklung von MoneyGuard-Transaktionen wird über das niederländische Unternehmen Adyen durchgeführt. Das bringt primär Datenschutz­bedenken mit sich. Nicht alle Ricardo-Nutzer fühlen sich wohl, dass ihre Transaktionen im Ausland verarbeitet werden. Gerade der Schweizer Standort hat Ricardo in der Vergangenheit gegenüber ausländischen Konkurrenten wie eBay geholfen.
  • MoneyGuard umgehen

    Will ein Verkäufer Bezahlungen per Kreditkarte oder Twint empfangen und die Ware danach versenden, ist MoneyGuard Pflicht. Verkäufe mit Abholung oder Barzahlung sind allerdings weiterhin ohne den MoneyGuard-Schutz möglich. Der Dienst würde hier auch keinen Sinn ergeben.

    Bild 4: Twint-Zahlungen werden hier auch manuell angeboten, um MoneyGuard zu umgehen © Quelle: PCtipp.ch

    Damit kann man als Ricardo-Verkäufer ein wenig tricksen: Beispielsweise können Sie einen Artikel auf Abholung im Marktplatz einstellen und in der Beschreibung Ihre Versandbedingungen angeben. Das funktioniert grundsätzlich, bringt aber auch wieder Nachteile mit sich. Sucht beispielsweise ein Käufer nach Angeboten mit Versand, wird Ihr Eintrag nicht gefunden. Zudem kann ein solcher Eintrag verdächtig wirken, da er einen Schutzmechanismus umgehen will, Bild 4. Diese Wahrnehmung ist allerdings direkt an das Renommee von MoneyGuard gekoppelt. Je höher die Akzeptanz von MoneyGuard, desto eher wirkt ein Angebot für Käufer verdächtig, das MoneyGuard zu umgehen versucht.

    © PCtipp.ch

    Tipp: Alternativen zu Ricardo

    Ricardo hat in der Schweiz eine beträchtliche Marktmacht. Alternativen auf dem gleichen Niveau gibt es schlicht keine. Nicht einmal der internationale Gigant eBay hat in der Schweiz annähernd die Nutzerzahlen von Ricardo. Der grösste direkte Konkurrent Anibis gehört zur gleichen Gruppe wie Ricardo. Ansonsten sind es vor allem Kleinanzeigendienste, die Ricardo Konkurrenz machen. Dienste wie Tutti erfordern aber deutlich mehr Arbeit seitens der Käufer und Verkäufer, da diese sich individuell abstimmen müssen. Und Sie haben es geahnt: Auch Tutti gehört zur Swiss Marketplace Group und somit zum gleichen Haus wie Ricardo, Homegate, ImmoScout24, Moneyland und vielen ähnlichen Plattformen. Eine namhafte Konkurrenz gibt es noch in Form des Facebook-Marketplace, wobei dieser aber nur für die schwindende Zahl der aktiven Facebook-Nutzer interessant ist. Zuletzt existiert natürlich noch die analoge Variante der Kleinanzeigenzettel im lokalen Supermarkt. Diese werden zwar nicht mehr so fleissig gelesen wie früher, sind aber weiterhin eine Option.

             

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