Ricardo MoneyGuard – die Fallstricke
Onlinemarktplatz
Grosse Neuerungen an beliebten Diensten haben oft einen schweren Stand; so auch der neue Schutzmechanismus MoneyGuard der Auktionsplattform Ricardo. Das Ende 2024 eingeführte Feature soll vorwiegend vor der häufigsten Betrugsart auf der Plattform schützen: nicht versandte Ware. Das gelingt MoneyGuard ordentlich, allerdings bringt der Dienst neue Probleme mit sich und wurde entsprechend von aktiven Ricardo-Nutzern mit wenig Gegenliebe empfangen. Dass Ricardo seinen Schutzmechanismus MoneyGuard quasi zur Pflicht gemacht hat, hilft auch nicht, Bild 1.
Was ist MoneyGuard?
MoneyGuard ist ein Bezahldienst innerhalb der Auktionsplattform Ricardo. Statt Geld direkt von Person zu Person zu überweisen, übernimmt Ricardo eine Treuhänderrolle. Der bezahlte Betrag wird zunächst auf ein Sperrkonto einbezahlt und der Verkäufer davon in Kenntnis gesetzt. Freigegeben wird das Geld allerdings erst, wenn die Ware beim Käufer angekommen ist und von diesem für gut befunden wurde. Der Käufer hat dafür zehn Tage Zeit. Kommt es zu Uneinigkeiten, übernimmt Ricardo die Schlichtung via Kundendienst. Verhindert wird damit, dass ein Verkäufer das Geld erhält und dann keine oder mangelhafte Ware verschickt. Ein zusätzlicher Vorteil von MoneyGuard ist, dass beide Parteien keine heiklen Daten wie Telefonnummern austauschen müssen, um etwa Twint-Zahlungen zu verarbeiten. Die Zahlung läuft komplett via Ricardo. Klingt an sich gut, oder? Also, wo ist da der Haken?Der respektive die Haken
- Punkt eins:
MoneyGuard ist nicht gratis. Die Kosten der zusätzlichen Sicherheit werden direkt an die Kundschaft weitergegeben, genauer gesagt an die Käufer. Diese bezahlen bei einem Angebot mit MoneyGuard einen prozentualen Aufschlag – laut Ricardo durchschnittlich zwischen 2 und 5,5 Prozent für die zusätzliche Sicherheit. Dabei gibt es eine Mindestgebühr von 50 Rappen für kleine Transaktionen. Der MoneyGuard-Zuschlag wird auf den Verkaufspreis des Händlers aufgeschlagen.
Pikant: Diese MoneyGuard-Gebühr wird bei einer beanstandeten Transaktion nicht zurückerstattet. Verschickt also ein Verkäufer keine Ware, etwa weil er sich einen besseren Auktionspreis erhofft hatte, bekommt man zwar den Kaufpreis zurück, ist aber die MoneyGuard-Gebühr trotzdem los, Bild 2.
MoneyGuard umgehen
Will ein Verkäufer Bezahlungen per Kreditkarte oder Twint empfangen und die Ware danach versenden, ist MoneyGuard Pflicht. Verkäufe mit Abholung oder Barzahlung sind allerdings weiterhin ohne den MoneyGuard-Schutz möglich. Der Dienst würde hier auch keinen Sinn ergeben.
Damit kann man als Ricardo-Verkäufer ein wenig tricksen: Beispielsweise können Sie einen Artikel auf Abholung im Marktplatz einstellen und in der Beschreibung Ihre Versandbedingungen angeben. Das funktioniert grundsätzlich, bringt aber auch wieder Nachteile mit sich. Sucht beispielsweise ein Käufer nach Angeboten mit Versand, wird Ihr Eintrag nicht gefunden. Zudem kann ein solcher Eintrag verdächtig wirken, da er einen Schutzmechanismus umgehen will, Bild 4. Diese Wahrnehmung ist allerdings direkt an das Renommee von MoneyGuard gekoppelt. Je höher die Akzeptanz von MoneyGuard, desto eher wirkt ein Angebot für Käufer verdächtig, das MoneyGuard zu umgehen versucht.
Tipp: Alternativen zu Ricardo