«Gäng wie gäng» – auch digital
Digitaler Realismus
Theoretisch – und technisch sogar möglich – könnte die digitale Welt die heutigen Firmenkonstrukte schon längst obsolet machen. KI-gesteuerte Workflows, unermüdliche Robotik, virtuelle Realitäten, sensorenbasierte Entscheidungsfindung oder kommunizierende Geräte und Anlagen – der ganze Spiel- bzw. Werkplatz für die Digitalisierung steht bereit. Warum gehen so wenige Unternehmen aufs Ganze und stellen komplett um? Die Resultate der Swiss IT-Studie 2025 zeigen, dass handfeste Themen wie Sicherheit, Bewährtes und Vorsicht im Vordergrund stehen. Man tastet sich langsam an die neuen, digitalen Möglichkeiten heran. Da und dort lanciert eine Bank oder eine Versicherung ein Interface zwischen Daten und Kunden. Dokumente können digital erfasst und ausgewertet werden. Informationen werden auf erkennbare Muster untersucht. Zahlungen werden elektronisch durchgeführt. Ja, es tut sich schon was in digitalen Schweiz. Doch wir sind definitiv keine «Early Adoptor»-Nation. Das bestätigen auch führende IT-Manager und Technologie-Gurus von Herstellern. Schlussendlich, so tönt es unisono, werde das, was man anpackt, immerhin auch solide ausgeführt.
Der wirtschaftliche Nutzen zählt
Die digitale Transformation in der Schweiz ist geprägt von Pragmatismus statt Disruption. Während technologische Möglichkeiten längst existieren, um Unternehmen radikal zu transformieren, setzen sich Innovationen in der Praxis oft inkrementell und vorsichtig durch. Der Grund dafür ist klar: Wirtschaftlicher Nutzen und Risikominimierung stehen im Mittelpunkt fast aller IT-Entscheidungen. Firmen investieren nicht in digitale Lösungen, weil sie technologisch faszinierend sind, sondern weil sie konkreten Mehrwert liefern – sei es durch Kosteneinsparungen, Effizienzsteigerungen oder verbesserte Kundenbeziehungen. Die Swiss IT-Studie 2025 zeigt deutlich, dass Unternehmen in erster Linie auf Digitalisierung setzen, um bestehende Prozesse zu optimieren, eigene Daten besser zu nutzen und IT-Abläufe zu automatisieren. Revolutionäre Technologien wie KI oder Blockchain werden zwar beobachtet, doch der Fokus liegt darauf, bestehende Systeme schrittweise zu verbessern und Risiken zu minimieren.
Bewährtes bleibt, Neues wird integriert
Ein weiteres Merkmal der Schweizer Digitalstrategie ist die Kombination aus Bewahrung und Innovation. Unternehmen ersetzen ihre Infrastrukturen nicht von heute auf morgen, sondern modernisieren schrittweise, um Kontinuität zu gewährleisten. Besonders in stark regulierten Branchen wie dem Finanz- oder Gesundheitswesen gibt es wenig Spielraum für Experimente. Hier dominieren IT-Sicherheit, Compliance und Datenschutz als zentrale Faktoren. Dass die Schweiz keine «Early Adopter»-Nation ist, bedeutet jedoch nicht, dass sie im digitalen Wandel zurückfällt. Vielmehr zeigt sich ein Muster, das sich bereits in anderen Innovationszyklen bewährt hat: Technologien werden erst dann breitflächig implementiert, wenn ihr Nutzen bewiesen und ihre Sicherheit gewährleistet ist. Dies unterscheidet die digitale Transformation in der Schweiz von anderen Märkten, in denen Disruption oft um ihrer selbst willen betrieben wird.