Lesedauer 5 Min.

Führung im digitalen Wandel

Digitale Tools und KI verändern die Arbeitswelt – doch Technologie allein reicht nicht. Wer als Führungskraft heute erfolgreich sein will, braucht ein digitales Mindset, Mut zur Veränderung und eine Kultur des Lernens und Vertrauens.
Mitarbeitende müssen auf dem Weg der Digitalisierung mitgenommen werden.
© (Quelle: Adobe Stock)

Technologie ist der grosse Enabler unserer Zeit. Sie ermöglicht hybride Zusammenarbeit, beschleunigt Prozesse und eröffnet mit Künstlicher Intelligenz völlig neue Perspektiven. Doch so leistungsfähig Tools auch sind – sie allein führen nicht zum Erfolg. Denn der digitale Wandel ist kein rein technisches Projekt. Er ist vor allem ein kultureller Prozess, der von Menschen getragen und durch Führung geprägt wird.

In einer Zeit, in der neue Tools im Wochenrhythmus erscheinen und KI Einzug in fast jede Branche hält, reicht es nicht, den Wandel nur strategisch zu begleiten. Führungskräfte müssen ihn vorleben – mit Offenheit, Neugier und der Bereitschaft, Technologien selbst zu nutzen. Wer erwartet, dass Mitarbeitende hybride Tools oder KI-Anwendungen im Arbeitsalltag nutzen, sollte sie auch selbst anwenden – und ihre Potenziale kommunizieren.

Digital Leadership bedeutet also nicht nur, Veränderung zu steuern, sondern auch, Unsicherheiten aktiv zu adressieren. Gerade auf C-Level ist es entscheidend, eine klare Haltung zu zeigen und Orientierung zu geben: Wo geht die Reise hin? Was bedeutet KI konkret für unsere Prozesse? Und welche Kompetenzen brauchen wir in Zukunft?

Wandel macht Angst – das ist normal

Die Skepsis gegenüber neuen Technologien ist kein neues Phänomen – sie begleitet fast jede Innovation. Als in den 1870er-Jahren das Telefon eingeführt wurde, galt es mancherorts als unheimlich, gar als «Instrument des Teufels». Menschen fürchteten, elektrische Leitungen könnten gesundheitsschädlich sein oder übernatürliche Kräfte übertragen.

Auch der Übergang von manuellen Ver­mitt­lungs­zentralen zu automatischen Wählsystemen beim Telefon stiess zunächst auf Ablehnung – viele fürchteten den Verlust menschlicher Arbeitsplätze. Erst mit zunehmender Verbreitung, Alltagstauglichkeit und dem sichtbaren Nutzen setzte sich das Telefon durch und wurde zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Lebens.

Ähnliche Reaktionen zeigte die Gesellschaft später beim Aufkommen des Internets, bei Mobiltelefonen oder sozialen Medien. Und heute? Wieder steht Technologie im Fokus: die Künstliche Intelligenz. Die Bedenken reichen von Arbeitsplatzverlust bis hin zu Kontrollverlust – oft, ohne genau zu wissen, was die Technologie eigentlich kann.

Dabei gilt wie damals: KI wird nicht den Menschen ersetzen, sondern Aufgaben verändern. Routinetätigkeiten können automatisiert werden, wodurch mehr Zeit für kreative, strategische oder zwischenmenschliche Aufgaben bleibt. Genau hier liegt das Potenzial: Führung kann sich wieder stärker auf das Wesentliche konzentrieren – auf Entwicklung, Zusammenarbeit und Innovation.

Technologie ist nur so gut wie der Mensch, der sie nutzt

Technologie kann Prozesse automatisieren und Informationen schneller zugänglich machen – aber sie kann nicht eigenständig Denk- und Verhaltensmuster ändern. Damit ein neues Tool seine Wirkung entfaltet, braucht es mehr als die technische Einführung. Es braucht Schulung, Begleitung und Raum für Lernprozesse. Führungskräfte sind gefordert, diese Lernräume zu schaffen. Denn: Menschen lassen sich nicht «digitalisieren». Sie müssen auf dem Weg mitgenommen werden – mit Vertrauen, Feedback und Zeit für Entwicklung. Wer Mitarbeitende in neue Systeme einführt, ohne ihre Fähigkeiten zu stärken, investiert nur halb.

Gerade in hybriden Strukturen sind digitale Tools hilfreich, um Transparenz, Verlässlichkeit und Partizipation zu fördern. Kollaborationsplattformen wie beispielsweise Microsoft Teams machen Informationen für alle zugänglich, unabhängig vom Standort und unterstützen so den Wissensaustausch. Auch interaktive Tools wie Live-Feedback Plattformen, beispielsweise Mentimeter, oder digitale Whiteboards fördern aktive Beteiligung – besonders in Meetings, wo Stimmen sonst leicht untergehen. So wird Technologie zum praktischen Hebel für eine offenere, inklusivere Führungskultur.

Mindset schlägt Methode

Ob eine Organisation im digitalen Wandel erfolgreich ist, hängt stark vom Mindset ihrer Führungskräfte ab. Wer denkt, dass Fähigkeiten fix sind («Fixed Mindset»), wird Risiken meiden und Veränderung bremsen. Wer aber daran glaubt, dass Lernen jederzeit möglich ist («Growth Mindset»), wird offen für Neues sein, Rückschläge als Feedback verstehen und kontinuierlich wachsen.

Das Growth Mindset ist kein Buzzword, sondern ein Führungskonzept mit neuropsychologischer Grundlage. Das Gehirn ist formbar – Neuroplastizität macht lebenslanges Lernen möglich. Diese Erkenntnis ist zentral für moderne Führung: Wir alle können uns verändern, wenn wir bereit sind, Herausforderungen als Chance zu begreifen.

Folgende drei Prinzipien helfen Führungskräften dabei, ein Growth Mindset im Alltag wirksam zu verankern:

  1. Ermutigen: Fördern Sie Experimentierfreude und Lernen. Fehler sind keine Störung, sondern Teil des Fortschritts.
  2. Vorleben: Nutzen Sie selbst neue Tools, bleiben Sie neugierig, offen und resilient – gerade wenn es schwierig wird.
  3. Fördern: Stärken Sie eine Kultur des Wachstums. Machen Sie klar: Mindset ist nicht fix – Entwicklung ist immer möglich.

Wer diese Haltung konsequent (vor)lebt, wird feststellen: Mitarbeitende trauen sich mehr, bringen Ideen ein, übernehmen Verantwortung. Die Folge: mehr Engagement, mehr Innovation, mehr gemeinsame Entwicklung. Insbesondere junge Talente suchen heute nach Führungspersönlichkeiten, die Orientierung geben – aber auch Raum für Mitgestaltung lassen.

Fazit: Führung braucht Haltung – und die richtige Technologie

Digitale Transformation beginnt nicht bei der Technologie, sondern bei der Denkweise. Doch sie bleibt dort nicht stehen. Wer im Zeitalter von KI und hybrider Arbeit erfolgreich führen will, braucht beides: ein offenes, lernorientiertes Mindset – und digitale Tools, die diese Haltung im Alltag unterstützen.

Organisationen, die Technologie gezielt einsetzen, um Zusammenarbeit zu stärken, Lernprozesse zu fördern und neue Formen der Führung zu ermöglichen, schaffen nicht nur Effizienz – sondern Zukunftsfähigkeit. Denn nur dort, wo Menschen sich entfalten können und digitale Mittel sie dabei unterstützen, entsteht echte Transformation.

© Ricoh Schweiz AG

Die Autorin und Firma

Barbara Fehr Director Office Services & Strategic Planning Ricoh Schweiz AG

Ricoh Schweiz AG: Das Unternehmen unterstützt seine Kunden bei der digitalen Transformation in der Arbeitswelt.

Best Practice Firmenbeiträge Top 500 Best Cases People

Neueste Beiträge

«IT-Verantwortliche brauchen 2026 einen klaren Plan» - Quotes & Thoughts
Beat Müller, Director Systems Engineering, Switzerland & Austria, Nutanix, wagt den Blick auf die kommenden Monate und schätzt IT-Trends für 2026 ein. Dabei betont er die Wichtigkeit hybrider Multicloud-Modelle und das Bedürfnis nach Datensouveränität.
3 Minuten
Zug und Uni Luzern gründen Blockchain-Institut - Markets & Business
Der Kanton Zug und die Universität Luzern eröffnen das Zug Institute for Blockchain Research (ZIBR). Mit einem Startkapital von 25 Mio. Franken soll das neue Institut die interdisziplinäre Blockchain-Forschung stärken und Zugs Rolle als Crypto-Valley weiter ausbauen.
3 Minuten
Ganz privat im Web - Sicherheits-Tipps
Ein VPN-Service schützt Sie nicht nur beim Surfen, sondern wahrt auch Ihre Privatsphäre. Auf den folgenden Seiten erwarten Sie konkrete Produktempfehlungen und viele praktische Anwendungstipps.
9 Minuten
25. Jan 2026

Das könnte Sie auch interessieren

VBZ setzt im Kundendiensts auf KI-Butler auf Basis von IBM watsonx.ai - Proof of Concept
Um das steigende Anfragevolumen mit der vorhandenen Kapazität zu bewältigen, haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) einen Proof of Concept (PoC) für einen auf künstliche Intelligenz gestützten E-Mail-Butler durchgeführt.
3 Minuten
11. Dez 2024
Berner Softwarefirma Xplain wird nach Deutschland verkauft - Übernahme
Der Berner IT-Dienstleister Xplain wird von der Schweizer Tochter der deutschen Chapters Group mit Sitz in Hamburg übernommen. Die Softwarefirma war wegen eines Cyberangriffs 2023 mit Folgen für die Bundesverwaltung bekannt geworden.
3 Minuten
18. Okt 2024
Swiss CIO & Cybersecurity in der neuen Computerworld-Ausgabe - Computerworld Ausgabe 4/2024
Die aktuelle Ausgabe zeigt, was die CIOs der grössten Schweizer Unternehmen bewegt. Stefan Fraude gibt Einblicke in die Transformation von Brack-Alltron und von Anna Kuruvilla erfahren wir, wie sich T-Systems in der Schweiz aufstellt. Doch das ist längst nicht alles.
2 Minuten