«Digitale Transformation praktiziere ich seit 20 Jahren»
Leiter IT bei Sombo
Sombo beliefert als Spielwaren-Grosshändler mit einem Sortiment von rund 10'000 Artikeln Händler, Online-Shops und Warenhäuser in der ganzen Schweiz. Der Co-Geschäftsführer und IT-Leiter Roman Dätwiler hat seinen Betrieb gegen einen Ausfall gesichert. Denn ohne die IT macht Sombo kein Geschäft mehr. Das zentrale ERP läuft auf eigenen Servern und nicht in der Cloud, weil es kostengünstiger ist. Wie Dätwiler erklärt, erzielt Sombo messbare Effizienzvorteile durch den Einsatz der IT.
Computerworld: Sie sind Mitinhaber eines mittelständischen Betriebs und gleichzeitig der IT-Leiter. Wie kam es dazu, dass Sie die Rolle übernommen haben?
Roman Dätwiler: Als ich vor rund 20 Jahren in die Firma eingestiegen bin, gab es keine Person mit einem Flair für IT. Ich war mit Computern aufgewachsen und habe als Jugendlicher die Rechner selbst zusammengebaut. So bin ich damals in die Rolle hineingewachsen. Während der vergangenen 20 Jahre ist die Bedeutung von IT für unseren Betrieb und die einzelnen Geschäftsprozesse stetig gewachsen. Meine Kollegen und ich waren immer bestrebt, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten.
CW: Welches waren für Sie die wichtigsten Veränderungen im IT-Einsatz bei Sombo in den letzten 20 Jahren?
Dätwiler: Mir kommen spontan zwei Entwicklungen in den Sinn. Zuerst die Ablösung des früheren ERP-Systems im Jahr 2010. Bis dahin basierte unser Geschäft auf einer DOS-Warenwirtschaft, bei der es nach knapp 25 Jahren Betrieb an allen Ecken und Enden an Funktionen fehlte. Diese haben wir mit einer ERP-Software von Opacc ersetzt.
Zweitens brachte die Vernetzung der mittlerweile drei Standorte Birr, Walterswil und Wildegg vor acht Jahren einige Herausforderungen mit sich. Dabei wurde die IT-Infrastruktur aller Standorte fast von Grund auf neu aufgebaut. Eine Konsequenz war auch die Glasfaseranbindung aller Standorte sowie georedundante Datensicherungen, Serverreplikationen etc.
Zur Person
Roman Dätwiler
ist seit knapp 20 Jahren beim Spielwaren-Grosshändler Sombo tätig. Zuerst während sieben Jahren als Produktmanager, anschliessend hauptsächlich als Leiter IT und Qualitätsmanagement. Seit drei Jahren zeichnet der Co-Geschäftsführer zusätzlich für das Finanzwesen und das Personal verantwortlich. Der 40-Jährige hat das Wirtschaftsgymnasium abgeschlossen und Weiterbildungen in Betriebsökonomie, Finanz und Personal absolviert.Produktivitätssteigerungen durch die IT
CW: Könnten Sie die Produktivitätssteigerung durch IT quantifizieren?Dätwiler: Ich kann ein Beispiel nennen. Früher waren in der Auftragsbearbeitung sechs bis sieben Personen angestellt. Heute ist die Arbeit von drei Angestellten gut zu bewältigen. Parallel ist das Umsatzvolumen noch gestiegen. Die Gründe für eine derartige Produktivitätssteigerung liegen in verbesserten internen Prozessen, jedoch aber auch an Optimierungen seitens der Kunden.
CW: Welche Rolle spielt Mobilität für Ihr Geschäft?
Dätwiler: Hier kann ich vielleicht noch eine dritte Entwicklung anfügen. Vor über zehn Jahren haben wir mobile Scanner im Verkauf eingeführt (Aussendienst, Merchandiser). Diese Geräte haben zu einer beeindruckenden Produktivitätssteigerung geführt, da wir neu den Warenbestand in Echtzeit abrufen, allfällige Rückstände des Kunden erkennen sowie eine Vielzahl an Schreibfehlern und die damit verbundenen Rückfragen beim entsprechenden Mitarbeiter eliminieren konnten.
Viertens noch die Umstellung von Papier auf digitale Verkaufsunterlagen, ein Projekt, das auch bereits zehn Jahre zurückliegt. Wir führen über 10'000 Artikel im Sortiment. Früher wurden alle Produktabbildungen ausgedruckt und dem Aussendienst bereitgestellt. Da der Spielwarenhandel von Neuheiten und Trends lebt, sich auch die Warenverfügbarkeit ständig ändert, mussten die Aussendienstkollegen quasi wöchentlich ihre Zeigebücher auf den neusten Stand bringen. Seither verfügen die Mitarbeiter über ein Tablet, auf dem die Kataloge als PDF abgelegt sind. Die Aktualisierung funktioniert real-time über OneDrive.