Interview Chris Wright & Marco Bill, Red Hat
20.01.2026, 13:41 Uhr
«Souveränität beginnt bei der Wahlfreiheit»
Open Source, KI und Hybrid Cloud: Wohin steuert die Enterprise-IT? Und welche Strategie verfolgt Red Hat dabei. Chris Wright und Marco Bill geben Einblicke beim exklusiven Interview mit Computerworld Schweiz.
Chris Wright und Marco Bill auf der Bühne beim Track «How Red Hat runs its own IT» und im Gespräch mit Computerworld Schweiz.
(Quelle: Red Hat)
Anlässlich des Red Hat Summit 2026 in Zürich konnten wir die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Marco Bill, CIO von Red Hat, und Chris Wright, CTO bei Red Hat, nutzen. Dabei äusserten sich beide klar, dass in der KI-Debatte künftig weniger das nächste Modell entscheidet, sondern die Wahl der richtigen Plattform. Hybrid Cloud ist gelebte Realität, Open Source wird zum strategischen Fundament für Kontrolle, Souveränität und nachhaltigen KI-Betrieb.
Computerworld: Welche Rolle wird Open Source künftig im Bereich Enterprise-KI spielen?
Chris Wright: Wenn man sich den gesamten KI-Stack anschaut, ist Open Source heute bereits sehr präsent. Angefangen bei Linux und den Hardware-nahen Bibliotheken über Frameworks bis hin zu Runtime-Models - all das sind Open-Source-Projekte. Ein aktuelles und relevantes Beispiel ist PyTorch. Das Open-Source-Framework wird im Bereich Deep Learning und zur Entwicklung neuronaler Netze eingesetzt. Selbst bei den Modellen besteht eine breite Auswahl. Das gibt Unternehmen die Freiheit, Modelle anzupassen, weiterzuentwickeln und souverän zu betreiben. Langfristig wird Open Source – wie zuvor bei Linux oder Kubernetes – zum eigentlichen Innovationsmotor der KI.
Marco Bill: Aus Enterprise-Sicht ist Open Source kein Gegensatz zu kommerzieller Software. Unternehmen nutzen weiterhin SaaS-Anwendungen wie Salesforce, integrieren diese aber in eine offene Plattform. Genau diese Mischung aus Open Source, Red-Hat-Technologie und kommerziellen Anwendungen definiert moderne Enterprise-IT.
Computerworld: Worin unterscheidet sich Red Hat AI von den KI-Angeboten der Hyperscaler?
Chris Wright: Unser Fokus liegt klar auf der Infrastruktur für produktive KI. Die meisten Unternehmen trainieren keine eigenen Modelle, sondern bringen bestehende Modelle in den Betrieb. Genau dort – bei der skalierbaren, performanten Inferenz – setzen wir an. Red Hat AI kombiniert eine effiziente Runtime, enge Hardware-Partnerschaften und OpenShift als hybride Plattform. Dieser Stack kann im eigenen Rechenzentrum, in Neo-Clouds oder bei Hyperscalern laufen – mit voller Wahlfreiheit und ohne Lock-in.
Computerworld: Ist die Cloud-Ära vorbei – oder erleben wir einfach die nächste Evolutionsstufe?
Marco Bill: Hybrid Cloud ist heute akzeptierter Standard. Die Frage ist nicht mehr Cloud oder On-Premises, sondern: Wo macht was Sinn? Unternehmen brauchen diese Flexibilität – aus Gründen der Souveränität, Regulierung oder Performance.
Chris Wright: Wenn man sich den gesamten KI-Stack anschaut, ist Open Source heute bereits sehr präsent. Angefangen bei Linux und den Hardware-nahen Bibliotheken über Frameworks bis hin zu Runtime-Models - all das sind Open-Source-Projekte. Ein aktuelles und relevantes Beispiel ist PyTorch. Das Open-Source-Framework wird im Bereich Deep Learning und zur Entwicklung neuronaler Netze eingesetzt. Selbst bei den Modellen besteht eine breite Auswahl. Das gibt Unternehmen die Freiheit, Modelle anzupassen, weiterzuentwickeln und souverän zu betreiben. Langfristig wird Open Source – wie zuvor bei Linux oder Kubernetes – zum eigentlichen Innovationsmotor der KI.
Chris Wright, CTO bei Red Hat: «Souveränität beginnt mit Wahlfreiheit: Wo läuft die Software, in welchem Land, in welchem Rechenzentrum?»
Quelle: Red Hat
Marco Bill: Aus Enterprise-Sicht ist Open Source kein Gegensatz zu kommerzieller Software. Unternehmen nutzen weiterhin SaaS-Anwendungen wie Salesforce, integrieren diese aber in eine offene Plattform. Genau diese Mischung aus Open Source, Red-Hat-Technologie und kommerziellen Anwendungen definiert moderne Enterprise-IT.
Computerworld: Worin unterscheidet sich Red Hat AI von den KI-Angeboten der Hyperscaler?
Chris Wright: Unser Fokus liegt klar auf der Infrastruktur für produktive KI. Die meisten Unternehmen trainieren keine eigenen Modelle, sondern bringen bestehende Modelle in den Betrieb. Genau dort – bei der skalierbaren, performanten Inferenz – setzen wir an. Red Hat AI kombiniert eine effiziente Runtime, enge Hardware-Partnerschaften und OpenShift als hybride Plattform. Dieser Stack kann im eigenen Rechenzentrum, in Neo-Clouds oder bei Hyperscalern laufen – mit voller Wahlfreiheit und ohne Lock-in.
Computerworld: Ist die Cloud-Ära vorbei – oder erleben wir einfach die nächste Evolutionsstufe?
Marco Bill: Hybrid Cloud ist heute akzeptierter Standard. Die Frage ist nicht mehr Cloud oder On-Premises, sondern: Wo macht was Sinn? Unternehmen brauchen diese Flexibilität – aus Gründen der Souveränität, Regulierung oder Performance.
Chris Wright: Die Cloud bleibt zentrale Infrastruktur. Der Unterschied ist, dass sich Aufmerksamkeit und Investitionen klar Richtung KI verschieben. Das operative Geschäft läuft weiter hybrid, während Innovation und Wachstum stark von KI getrieben werden.
Computerworld: Viele CIOs empfinden Kubernetes und Hybrid Cloud als immer komplexer. Teilen Sie diese Wahrnehmung?
Marco Bill: Für uns war Kubernetes eine massive Vereinfachung. Es hat unterschiedliche Plattformen standardisiert und auf OpenShift zusammengeführt. Aber: Unternehmen müssen ihre IT zuerst aufräumen. Ohne klare Daten- und Plattformstrategie wird KI extrem schwierig.
Chris Wright: Komplexität entsteht auf jeder Ebene. Der Vorteil von Technologien wie Linux und Kubernetes ist, dass sie De-facto-Standards sind. Sie erlauben es, neue Funktionen in vertraute Betriebsmodelle zu integrieren, statt komplett neue Systeme einzuführen.
Computerworld: Wie unterstützt Red Hat Unternehmen bei KI-Governance und Datensouveränität – gerade in Europa?
Chris Wright: Souveränität beginnt mit Wahlfreiheit: Wo läuft die Software, in welchem Land, in welchem Rechenzentrum? Dazu kommen Identitäts-, Rollen- und Zugriffskonzepte, Guardrails für Modelle sowie vollständige Transparenz und Auditierbarkeit. Viele dieser Mechanismen kennen wir aus der klassischen IT-Sicherheit – wir übertragen sie konsequent auf KI-Workloads.
Marco Bill: Technisch ist vieles machbar. Die eigentliche Herausforderung liegt im Betrieb und in der Daten-Governance – gerade in regulierten Branchen. Das ist weniger ein Technologie- als ein Organisations- und Regulierungsthema, das Unternehmen in den nächsten Jahren stark beschäftigen wird.
Computerworld: Wie bleibt Red Hat unabhängig, obwohl es eng mit Hyperscalern und Tech-Giganten zusammenarbeitet?
Chris Wright: Unser Ansatz war immer kollaborativ, aber fokussiert. Wir konzentrieren uns auf die offene Hybrid-Cloud-Plattform als strategische Schicht. Dieses klare Profil schafft Vertrauen – bei Kunden ebenso wie bei Partnern. Und unser Subskriptionsmodell zwingt uns, jeden Tag Mehrwert zu liefern.
Marco Bill: Offene Standards wie Linux oder Kubernetes sind die gemeinsame Basis. Sie ermöglichen Zusammenarbeit, ohne Abhängigkeiten zu schaffen – das ist der eigentliche Vorteil von Open Source.
Computerworld: Gibt es eine spezifisch «schweizerische» Sicht auf Cloud und KI?
Marco Bill: Schweizer Unternehmen haben Cloud etwas später adaptiert, nutzen sie heute aber sehr konsequent. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für Datensouveränität stark ausgeprägt. Spannend ist, dass die KI-Adoption in der Schweiz im internationalen Vergleich sehr hoch ist – oft pragmatisch, use-case-getrieben und mit Fokus auf Vertrauen.
Computerworld: Welche Themen werden Red Hat in den nächsten drei bis fünf Jahren prägen?
Chris Wright: Viele Diskussionen bleiben: Cloud-native Anwendungen, KI-Produktivbetrieb, Infrastruktur-Modernisierung. Neu hinzu kommt Quantum Computing – zunächst in Form von quantum-sicherer Kryptografie, später als weiterer Beschleuniger in heterogenen Architekturen.
Marco Bill: KI wird die Art, wie Software entwickelt und Systeme betrieben werden, fundamental verändern – von Code-Generierung bis hin zu hochautomatisierten Operations-Modellen. Die zentrale Frage bleibt: Wie betreiben wir das sicher, zuverlässig und skalierbar?
Computerworld: Vielen Dank, Chris Wright und Marco Bill, für die spannenden Einblicke.
Computerworld: Viele CIOs empfinden Kubernetes und Hybrid Cloud als immer komplexer. Teilen Sie diese Wahrnehmung?
Marco Bill: Für uns war Kubernetes eine massive Vereinfachung. Es hat unterschiedliche Plattformen standardisiert und auf OpenShift zusammengeführt. Aber: Unternehmen müssen ihre IT zuerst aufräumen. Ohne klare Daten- und Plattformstrategie wird KI extrem schwierig.
Chris Wright: Komplexität entsteht auf jeder Ebene. Der Vorteil von Technologien wie Linux und Kubernetes ist, dass sie De-facto-Standards sind. Sie erlauben es, neue Funktionen in vertraute Betriebsmodelle zu integrieren, statt komplett neue Systeme einzuführen.
Computerworld: Wie unterstützt Red Hat Unternehmen bei KI-Governance und Datensouveränität – gerade in Europa?
Chris Wright: Souveränität beginnt mit Wahlfreiheit: Wo läuft die Software, in welchem Land, in welchem Rechenzentrum? Dazu kommen Identitäts-, Rollen- und Zugriffskonzepte, Guardrails für Modelle sowie vollständige Transparenz und Auditierbarkeit. Viele dieser Mechanismen kennen wir aus der klassischen IT-Sicherheit – wir übertragen sie konsequent auf KI-Workloads.
Marco Bill: Technisch ist vieles machbar. Die eigentliche Herausforderung liegt im Betrieb und in der Daten-Governance – gerade in regulierten Branchen. Das ist weniger ein Technologie- als ein Organisations- und Regulierungsthema, das Unternehmen in den nächsten Jahren stark beschäftigen wird.
Computerworld: Wie bleibt Red Hat unabhängig, obwohl es eng mit Hyperscalern und Tech-Giganten zusammenarbeitet?
Chris Wright: Unser Ansatz war immer kollaborativ, aber fokussiert. Wir konzentrieren uns auf die offene Hybrid-Cloud-Plattform als strategische Schicht. Dieses klare Profil schafft Vertrauen – bei Kunden ebenso wie bei Partnern. Und unser Subskriptionsmodell zwingt uns, jeden Tag Mehrwert zu liefern.
Marco Bill: Offene Standards wie Linux oder Kubernetes sind die gemeinsame Basis. Sie ermöglichen Zusammenarbeit, ohne Abhängigkeiten zu schaffen – das ist der eigentliche Vorteil von Open Source.
Computerworld: Gibt es eine spezifisch «schweizerische» Sicht auf Cloud und KI?
Marco Bill: Schweizer Unternehmen haben Cloud etwas später adaptiert, nutzen sie heute aber sehr konsequent. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für Datensouveränität stark ausgeprägt. Spannend ist, dass die KI-Adoption in der Schweiz im internationalen Vergleich sehr hoch ist – oft pragmatisch, use-case-getrieben und mit Fokus auf Vertrauen.
Computerworld: Welche Themen werden Red Hat in den nächsten drei bis fünf Jahren prägen?
Chris Wright: Viele Diskussionen bleiben: Cloud-native Anwendungen, KI-Produktivbetrieb, Infrastruktur-Modernisierung. Neu hinzu kommt Quantum Computing – zunächst in Form von quantum-sicherer Kryptografie, später als weiterer Beschleuniger in heterogenen Architekturen.
Marco Bill: KI wird die Art, wie Software entwickelt und Systeme betrieben werden, fundamental verändern – von Code-Generierung bis hin zu hochautomatisierten Operations-Modellen. Die zentrale Frage bleibt: Wie betreiben wir das sicher, zuverlässig und skalierbar?
Computerworld: Vielen Dank, Chris Wright und Marco Bill, für die spannenden Einblicke.