So umgehen Sie Netzsperren

Swisscom und UPC sperren zahlreiche Websites, darunter nicht nur ausländische Glücksspiele. Dabei propagiert die Regulierungsbehörde ICANN den freien Umgang mit dem Netz.

» Von Simon Gröflin , 26.10.2017 14:32.

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Ganz verwerflich ist es nicht, wenn Internet-Anbieter kinderpornografische Seiten oder grössere Spam-Sites sperren, allerdings können DNS-Sperren grundsätzlich auch legitime Websites gefährden. Netzaktivisten stören sich zudem an der aktuellen Entwicklung des neuen Geldspielgesetzes. Seit diesem müssen Swisscom und andere Provider ausländische Glücksspielanbieter in die Schranken weisen. Welches Ausmass die ganze DNS-Sperrkultur bei den zwei grossen Internet-Providern in den letzten Jahren angenommen hat, machte auch ein junger Schweizer Informatiker mit der eigenen Zensur-Datenbank DNSzensur.ch publik (Watson berichtete). Prinzipiell haben die Internet-Anbieter zwei Möglichkeiten. Sie können entweder die Domain-Name-Server (DNS) löschen oder die IP-Adressen direkt sperren. Wie kann man das umgehen?

DNS-Sperre: Was ist das?

Rein technisch gesehen, ist der DNS-Server so etwas wie das «Telefonbuch» des Providers und dient der Namensauflösung der einkommenden Adressanfragen. Er sagt, welche Telefonnummer (IP-Adresse) zu welcher Adresse (URL) gehört. Die Adressen bestehen aus verschiedenen Zahlenkombinationen nach dem Schema 192.168.180.70. Das Domain-Name-System sorgt eigentlich dafür, dass Internet-User nicht ständig beliebige Kombinationen aus Zahlen in die Adressleiste eingeben müssen, sondern leicht zu merkende URLs eingehen können. Daher kommt bei den meisten Anbietern ein DNS-Server zum Einsatz, der eine Liste bereitstellt, um die Verknüpfung von IP-Adressen mit URLs herzustellen.

Lösung: Server wechseln

Tatsächlich kann es helfen, für einmal den DNS-Server gegen einen anderen auszutauschen. Als Alternative bieten sich etwa OpenDNS oder Google Public DNS an. Wem Google nicht so geheuer ist, weicht besser auf OpenDNS aus.

OpenDNS hält folgende DNS-Server bereit:

208.67.222.222

208.67.220.220

Google Public DNS offeriert die Einträge:

8.8.8.8

8.8.4.4

So stellen Sie die DNS-Einträge um

Um die DNS-Einträge umzustellen, müssen Sie diese von Hand dem Router Ihres Providers umstellen. Wer keine Möglichkeit hat, Einstellungen über die Routeroberfläche vorzunehmen, kann alternativ über die Windows-Systemsteuerung des Netzwerk- und Freigabecenters in der Option Adaptereinstellungen ändern die entsprechenden Umstellungen vornehmen. Bei anderen Windows-Betriebssystemen, macOS und Linux funktioniert die Umstellung ähnlich. Bei mobilen Geräten wie Android kann eine App wie DNSet helfen. Halten Sie auf der Oberfläche des Routers Ausschau nach einem Eintrag wie «Lokaler DNS Server» und geben Sie den neuen DNS-Server Ihrer Wahl ein (z.B. 208.67.222.222 für OpenDNS). Den Eintrag Lokaler DNS Server 2 (beim Beispiel der Horizon-Box) belassen wir mal bei den Google-DNS-Einstellungen 8.8.8.8 als Ausfall-Server (Fallback). Klicken Sie auf Speichern – Problem gelöst.

IP-Sperren

Komplizierter wird es, wenn Provider nicht nur DNS-Einträge sperren, sondern auch gleich den direkten Zugriff auf bestimmte IP-Adressen verhindern. Um diesem Katz- und Mausspiel zu entkommen, kommen Sie auch über Umwege noch auf die betroffenen Seiten. Das geht beispielsweise über einen VPN-Zugang einer Gratis-Browser-Lösung wie Opera VPN oder einen professionellen VPN-Anbieter wie ProtonVPN oder über den Anonymisierungsdienst Tor. Die Anonymisierungs-Software Tor kann man unter torproject.org herunterladen. Für den einfachen Einstieg empfiehlt sich das Tor-Browser-Bundle. Mehr Tipps zum Thema finden Sie auch in unserer Zusammenstellung So bleiben Sie (ein bisschen) anonym.

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