Pirat 2.0: Hochseeschiffe lassen sich von zuhause aus kapern

Dem Sicherheitsforscher x0rz ist es gelungen, die Systeme von Hochseeschiffen zu hacken. Möglich macht dies eine Tracking-Karte, die ihre Standorte in Echtzeit anzeigt.

» Von Luca Perler , 19.07.2017 18:45.

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Wieder einmal zeigt ein Sicherheitsforscher auf, dass jedes ans Internet angehängte Objekt gehackt werden kann – sofern es unzureichend abgesichert ist. Nach Smart-TVs oder Fitness-Trackern nimmt das Ganze jetzt aber grössere Dimensionen an. Wie «Mashable» berichtet, ist es dem Forscher namens x0rz gelungen, sich über schlecht abgesicherte Satellitenempfänger in die Systeme von Hochseeschiffen zu hacken. Danach konnte x0rz etwa deren GPS-Koordinaten ändern. Es sei sogar möglich, auf den Systemen eine neue Firmware zu installieren und damit das gesamte Navigationssystem lahmzulegen.

Dem Hack geht eine Tracking-Karte für Schiffe voraus, welche auf Daten der IoT-Suchmaschine Shodan basiert. Laut x0rz liefert die Karte genaue Informationen über den Standort von Schiffen, die mit dem Internet verbunden sind. Die Daten holt sich die Suchmaschine von sogenannten VSATs. Ein VSAT (Very Small Aperture Terminal) ist ein Satellitenempfänger und -sender, der auch auf hoher See die Kommunikation und Internet-Verbindung gewährleistet.

x0rz fand anschliessend heraus, dass VSATs des englischen Herstellers Cobham über öffentlich zugängliche IP-Adressen verfügen. Problematisch ist diese Entdeckung aus zweierlei Hinsicht: einerseits kann über Shodan nach Schiffen gesucht werden, die mit den betroffenen Satelliten-Systemen ausgerüstet sind. Andererseits fand x0rz Geräte, bei denen die Standard-Zugangsdaten nicht geändert wurden. Eine kurze Internet-Recherche reichte aus, um diese in Erfahrung zu bringen. Noch schlimmer wird die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass das Netz etwa auch Aufschluss über die Ladung eines Transportschiffes gibt.

Die Anzahl der Schiffe, die über diesen Hack gekapert werden können, sei allerdings begrenzt, sagte x0rz gegenüber «Mashable». Trotzdem betont er, dass nur ein unsicheres System genüge, um «eine Katastrophe auszulösen» – besonders, wenn es sich beim Schiff beispielsweise um einen Frachter mit heikler Ladung handle.

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