Gefälschten Fotos auf der Spur

Foto-Forensiker werden dann gebraucht, wenn es darum geht, gefälschte Fotos zu enlarven. Doch die Arbeit ist nicht einfach.

» Von Marcel Hauri , 02.06.2015 11:42.

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Fotos waren schon immer ein beliebtes Propagandamittel und wurden schon zu Zeiten der analogen Fotografie entsprechend eingesetzt. Manchmal reicht es nur schon, einen entsprechenden Ausschnitt aus einem Foto als Original-Bild zu verkaufen. Legendär ist das Beispiel der US-amerikanischen Soldaten, welcher einem Iraki eine Wasserflasche anbietet.

Doch auch Bildmanipulationen sind nicht erst seit Photoshop eine Realität. Schon Lenin liess seinen ehemaligen Mitstreiter Kamanew und Trotzki auf einem Bild entfernen. Das Bild wurde 1920 aufgenommen.

Lenin auf einer anderen Version des Bildes. Trotzki und Kamanew wurden entfernt.



Eine weitere beliebte Manipulation ist das Nachstellen von Szenen. Wie das ikonenhafte Bild der Eroberung Berlins durch die Russen. Doch auch hier musste noch der Zensor ran: Eine Uhr am Handgelenk des Soldaten wurde wegretouchiert. Auch hat der Fotograf nachträglich noch Rauchschwaden hinzugefügt, um dem Bild eine zusätzliche Dramatik zu verleihen.

Bei diesen erwähnten Beispielen kam früher oder später das Originalbild an die Öffentlichkeit. Doch was ist, wenn man nicht auf das öffnen von Archiven warten kann, um eine Fälschung zu entlarven?

Physik und Verstand helfen

Vielen Bildmanipulationen kommt man beim blossen Betrachten des Bildes auf die Schliche. Meistens sind es Proportionen, die nicht stimmen. Wenn Objekte sehr scharfe Kanten oder eine unnatürliche Kontur aufweisen, kann ebenfalls von einer Manipulation ausgegangen werden. Denn die JPEG-Komprimierung sorgt für Umrisse, die sich mit dem Hintergrund leicht verwischen. Auch die Beleuchtung von Objekten im Vergleich zu anderen im Hintergrund oder der (nicht vorhandene) Schattenwurf geben Hinweise auf Bildmanipulationen. Arbeitet der Bildbearbeiter mit Kopierstempeln, zeigen sich wiederholende Muster im Bild. Geübte Bildbetrachter können auf Grund von solchen Merkmalen schnell sagen, ob es sich bei einem Bild um eine potenzielle Fälschungen handeln könnte.

Schwierig wird es bei Bildern, die offensichtlich nicht manipuliert sind, aber als aktuell angepriesen werden. Dan sollte man auf spezifische Informationen wie zum Beispiel Sprache auf Tafeln oder Anzeigen sowie elektrische Geräte oder Installationen achten. Solche Alltagsgegenstände verraten zum Teil viel über das Aufnahmedatum oder den ungefähren Aufnahmeort. Ebenso helfen Uhren, Plakate mit Daten oder Kalender weiter.

Der Autor erinnert sich an ein Video eines vermeintlich verunfallten Google Street View Auto abseits einer Schotterpiste in Indien. Nicht nur, dass das Auto im Verhältnis zum Mann im Video viel zu klein ist - es mutet auch seltsam an, dass ein Milliarden-Konzern einen Kleinwagen in eine solche Region schickt.

Computerworld verzichtete auf die Meldung, zu Recht, wie sich später herausstellte.

Wer sich genauer mit Analysemthoden vertraut machen will dem ist die Seite fotoforensics.com oder dieses lesenswerte Dokument (pdf) von Neal Krawetz zu empfehlen. Krawetz empfiehlt unterschiedliche Techniken, um Bildfälschungen auf die Schliche zu kommen. Die meisten basieren auf Anomalitäten, die sich bei der JPEG-Komprimierung von manipulierten Bildern ergeben. Er schreibt jedoch auch, dass es durchaus sehr begabte Bildkünstler gibt, die von den Möglichkeiten der Forensiker wüssten und durch weitere Massnahmen versuchen, Spuren zu verwischen.

Auf der nächsten Seite: Manipulierte Bilder des russischen Verteidigungsministeriums?

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