NFC vs BLE. Oder Apple vs Google. Oder die Zukunft des Mobile Payments

Mit Tapit setzt Swisscom auf NFC. Apple aber will für Mobile Payment und mehr iBeacon pushen, das auf Bluetooth basiert. Wie unterscheiden sich die Technologien und welche wird sich durchsetzen?

» Von Fabian Vogt , 07.07.2014 15:01.

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Das Smartphone hat die nächste Evolutionsstufe erklommen. Nachdem die Geräte seit längerem Kommunikationszentrale, Agenda, Spielkonsole und Minicomputer in einem sind, übernehmen sie jetzt weitere Funktionen. Wie diejenige der Geldbörse. Swisscom hat vor kurzem «Tapit» vorgestellt, eine auf NFC-basierte App, mit der an entsprechenden Terminals mit dem Handy bezahlt werden kann. Zwar steht die Funktionen aktuell nur zur Verfügung, wenn man nebst NFC-fähigem Smartphone auch eine Visakreditkarte von Cornercard besitzt. Das Ökosystem wird aber erweitert werden, so dass Mobile Payment in fünf Jahren Normalität sein wird, hofft Swisscom-Chef Urs Schaeppi. Ob dafür aber NFC der Standard sein wird, bleibt abzuwarten. Denn Apple, das in ihren Geräten kein NFC anbietet, hat andere Pläne. Vor einem Jahr haben die Cupertiner «iBeacon» eingeführt, seit iOS7 ist iBeacon Teil der Core Location Services. iBeacon ist ein Standard für Navigation in geschlossenen Räumen und basiert nicht auf NFC, sondern Bluetoth Low Enery (BLE).

Was ist der Unterschied von BLE und NFC?

NFC entspricht RFID beziehungsweise kontaktlosen Chipkarten. Bei NFC gibt es einen «aktiven» Teil, der im Smartphone sitzt. Als Gegenstück fungiert ein kleiner Chip, der keine eigene Energie benötigt und in der Herstellung sehr günstig ist (weniger als 10 Rappen, schätzt Friedemann Mattern vom Department of Computer Science der ETH Zürich). Diesen passiven Chip kann man in jegliche Produkte einbauen und ihn anweisen, dass dieser Chip dem Mobiltelefon etwas zufunkt. Den passiven Chip kann man auch in eine Kreditkarte einbauen, und damit einen Bezahlvorgang berührungslos auslösen, wenn das Kassensystem die aktive Komponente besitzt. Oder in ein Schliesssystem, dann fungiert das Smartphone als Türöffner. Bei NFC können auch beide Einheiten aktiv sein, benötigt wird aber nur eine.

BLE, iBeacon von Apple baut darauf auf, hingegen ist eine «gewöhnliche» Funktechnologie, in der beide Einheiten aktiv senden. Ein iBeacon brauchen deshalb (im Gegensatz zum passiven NFC-Chip) Energie. Auch wenn der Energieverbrauch gering ist, sind die beiden Kommunikationseinheiten von BLE im Normalfall einiges teuerer als NFC. Dafür beträgt die BLE-Reichweite bis zu 70m, eine Rasterung ist bis auf 5cm möglich. Die Reichweite von NFC beträgt maximal 10cm.

Mehr Möglichkeiten für BLE

Gemäss Tom Sprenger, CTO von AdNovum hat iBeacon in der Schweiz noch einen weiteren Vorteil: 80 Prozent der Smartphones in der Schweiz sollen iBeacon-fähig sein, bei NFC sind es keine 50 Prozent. Hierzu ist zu sagen, dass Swisscom-CEO Urs Schaeppi ankündigte, bis Ende Jahr Tapit auch für iPhone-Kunden verfügbar zu machen. Wie die Lösung aussieht, wird nicht verraten. Sie dürfte aber NFC-basierend sein.

Und zwar aus dem gleichen Grund, der für Apple zum Problem werden dürfte: das Ökosystem für NFC ist hierzulande mittlerweile relativ gross. Migros, Coop oder Valora haben ihre Terminals mittlerweile für einiges Geld auf NFC umgerüstet. Bluetooth aber wird nicht ermöglicht, eine nochmalige Umrüstung steht zurzeit nicht zur Debatte. Jedenfalls nicht auf vermehrte Nachfrage der Computerworld, die das Thema seit Monaten beobachtet. Insgesamt sind in der Schweiz von 120 000 Zahlungsterminals zwei Drittel bereits NFC-fähig, 2015 soll der komplette Handel ausgerüstet sein.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: die Vorteile von iBeacon

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