DSAG und SAP pokern um neues vertikales Lizenzmodell

Nach aussen demonstrieren die DSAG und SAP gerne kooperative Partnerschaft und Einigkeit. Hinter verschlossenen Türen aber scheppern die Tassen.

» Von Michael Kurzidim*, 27.09.2017 06:40.

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Die Deutschsprachige SAP Anwendergruppe DSAG feiert ihr 20-jähriges Jubiläum und macht sich selbst das liebste Geschenk: einen Besucherrekord. Zum Jahrestreffen, das zurzeit im Messe und Congress Centrum in Bremen stattfindet, sind mehr als 4500 Teilnehmer angereist. So viele kamen noch nie, und die Erwartungen sind wie immer hoch gesteckt. Nach aussen hin präsentieren sich die Kundenvertretung DSAG und der Software-Konzern zwar gerne als kooperative Partner. Computerworld weiss jedoch von Insidern, dass es innen hinter verschlossenen Türen schon mal kräftig scheppert und kracht. Nicht immer sind beide Partner d‘accord.

Knatsch um Lizenzen

Streitthema Lizenzen – es geht um Geld, für viele Schweizer Unternehmen um sehr viel Geld. Im Minenfeld der SAP-Lizenzen flackern hier in Bremen zwei neuralgische Brennpunkte besonders hell auf: Teure Doppellizensierungen, die durch die gleichzeitige Nutzung  von On-premise- und Cloud-Lösungen entstehen, und das Internet der Dinge (IoT) mit seinem unübersichtlichen Sensorenzoo. Setzt eine Schweizer Firma zum Beispiel SAP-Lösungen auf den eigenen Servern und in der Cloud ein, dann bepreist SAP on-premise im Fix-Lizenzmodell, in der Cloud aber im Mietmodell. Hier gelte es, doppelte Kosten zu vermeiden. DSAG-Vorstand Marco Lenck schlägt als Ausweg aus diesem Dilemma ein vertikales Lizenzmodell vor, das beide Ansätze unter einen Hut bringt. Werden alle SAP-Lösungen in Zukunft nur noch cloud-like «nach Verbrauch» bepreist? Wie das vertikale Modell im Detail aussehen könnte, wollte Lenck gegenüber Computerworld nicht verraten. Offizieller Grund: «Natürlich haben wir Verbesserungsvorschläge, wollen den Verhandlungen mit SAP aber nicht unnötig Zündstoff verleihen.»



Zweiter Lizenzen-Streitpunkt: Das Internet der Dinge (IoT)  und SAPs IoT-Plattform Leonardo, die Anfang des Jahres auf den Markt kam und vom Schweizer Automobilimporteur Amag eingesetzt wird. Es gehe nicht an, dass jeder Kühlschrank und jeder Sensor jetzt eine eigene SAP-Lizenz benötige, weil er an die Business Suite angeschlossen sei, kritisierte DSAG-Vorstand Lenck. Das würde die Kosten für die Unternehmen in wahnsinnige Höhen treiben.

SAP-Vorstand Bernd Leukert, der nach Lenck auf dem DSAG-Jahrestreffen die zweite Keynote hielt, gibt sich kompromissbereit: «Wir sind bereit, auch in Sachen Lizenzierung neue Wege zu gehen», unterstrich Leukert in Bremen. Er versprach, bis Ende diesen Jahres mit einem neuen «Pay as you go»-Lizenzmodell auf den Markt zu kommen. Denkbar wäre, für die Nutzung der IoT-Plattform Leonardo erst dann zu zahlen, wenn ein konkreter Mehrwert beim Kunden entstünde. Konkret heisst das: Wem Leonardo nichts nutzt, der zahlt auch nichts.

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