Das nächste IT-Beschaffungsproblem im Bund. Dieses Mal geht es um CMS.

Namics führt für VBS und BIT je ein eigenständiges CMS-Projekt durch. Das ist finanzieller Unsinn, findet die Eidgenössische Finanzkontrolle. Sie fordert eine Standardisierung.

» Von Fabian Vogt , 24.02.2015 12:59.

weitere Artikel

Das Bundesamt für Informatik (BIT) und das Eidgenössische Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) suchten vor zwei Jahren unabhängig voneinander einen Anbieter für ein neues CMS. Wie die Eidgenössische Finanzkontrolle(EFK) in einem Bericht an den Bundesrat schreibt, war das wenig sinnvoll. Beide hätten von dem Projekt des jeweils anderen gewusst und es habe keine fachliche Begründung gegeben, zwei CMS-Lösungen einzuführen. Es wäre die Bundesverwaltung günstiger gekommen, hätten BIT und VBS sich für eine gemeinsame Lösung entscheiden, schreibt die EFK. So würden dem Bund Mehrkosten von einigen Millionen Franken im einstelligen Bereich entstehen, sagte EFK-Direktor Michel Huissoud gegenüber SRF. Für eine Zusammenlegung sei es mittlerweile aber zu spät.

Namics und Adobe

Die Pointe dieser Beschaffung: VBS und BIT entschieden sich für das selbe Produkt - Adobe Experience Manager - und denselben Anbieter: Namics. Während das BIT den Service mit Unterstützung von Namics aufgebaut und weiter als Leistungserbringer auftreten wird, lagert das VBS den Service an die St. Galler aus. Da für das BIT und das VBS teilweise die gleichen Dienste neu entwickelt werden müssen, befürchtet die EFK, dass Namics gewisse Dienstleistungen bei beiden Projekten in Rechnung stellt. Das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) teilt die Befürchtungen der EFK. Und schlägt vor, dass die Informatikbetreiberkonferenz (IBK) vorläufig die Koordination der CMS-Einführung übernimmt. Namics-CEO Jürg Stuker findet den Bericht der EFK sehr intelligent, wie er auf Nachfrage der Computerworld sagt. Die Befürchtungen bezüglich der Mehrfachrolle entkräftet er aber gleich: «Reputation ist für uns das oberste Gut. Wir werden nie etwas tun, das gegen das Interesse der Kunden ist.» Die Verrechnung gegenüber den Kunden sei sehr transparent und das Controlling beim BIT extrem professionell.

Zur Tatsache, dass man zwei Bundesbehörden mit dem gleichen Produkt versorgt, sagt Stuker: «Die zwei Ämter wollten ein anderes Modell. Wir haben und werden weiterhin versuchen, den Kunden Synergieeffekte aufzuzeigen.»

Aktuell laufen noch vier andere CMS-Projekte im Bund, die unterschiedlich weit fortgeschritten sind. Eines im EDA und eines der FINMA setzen ebenfalls auf das gleiche Produkt (EDA) beziehungsweise den gleichen Lieferanten (FINMA). Die EFK hält es für eine legitime Schlussfolgerung, dass sich die im Bericht gewonnenen Erkenntnisse auch auf weitere CMS-Projekte übertragen lassen.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle empfiehlt, dass die verschiedenen Ämter überprüfen, ob es wirklich sinnvoll ist, dass jedes ein eigenes CMS braucht. Oder ob nicht eine Standardisierung sinnvoll wäre. Das ISB antwortete darauf, künftig eine Ein-Produkt-Strategie ins Auge zu fassen.

Zur Umsetzung empfohlen

Zudem hat die EFK vier Vorschläge gemacht, die vom Bundesrat zur Umsetzung empfohlen werden:

  • Departementsübergreifende IKT-Synergien müssen stärker genutzt werden. Zu diesem Zweck ist die zentrale Steuerung des IKT-Portfolio-managements zu stärken.
  • Sobald ein Bereich (wie hier CMS) als künftiger Standarddienst bestimmt ist, muss das ISB eine führende Rolle einnehmen, um das Starten von isolierten Projekten zu verhindern bzw. eng mit der Entwicklung des Standarddienstes abzustimmen. Dazu müssen die Kompetenzen des ISB im Bereich Standarddienste erweitert werden.
  • Um in Zukunft solche Doppelspurigkeiten zu vermeiden, muss die Bereitstellung von Standarddiensten und Marktmodellen zeitlich näher auf die Bedürfnisse der Bundesverwaltung abgestimmt werden. Es soll geprüft werden, wie der Weg dazu vereinfacht werden kann.
  • Das in den IKT-und Cloud-Strategien festgehaltene Vorgehen zur Entscheidung über die interne oder externe Erbringung von IKT-Services muss konsequent angewendet werden.

Werbung

KOMMENTARE

Thomas Heinzmann: 26-02-15 07:15

Unglaublich dass heutzutage solche offensichtlichen und unnötigen Doppelspurigkeiten beim Bund noch immer möglich sind. Gerade das hier gezeigte Beispiel (zwei CMS vom gleichen Hersteller und vom gleichen Anbieter) spricht gegen einen vorhandenen, gesunden Menschenverstand beim Bund. Würden das zwei Abteilungen derselben Firma im Privatsektor machen, wäre dies der Ruin. Aber mit Steuergelder kann man das ja machen. Mir wird Übel bei dem Gedanken, wieviel Steuergelder sonst noch für Doppelspurigkeiten und Ineffizienz, die (noch) nicht zu Tage gekommen sind, verschleudert wurden und werden.

Peter Fidler: 24-02-15 23:43

Die verantwortlichen Typen sollen das zuviel ausgegebene Steuergeld persönlich zurückbezahlen. Den "Lohn" nur noch in der Höhe einer Nothilfe ausbezahlen, den Rest in den Wiedergutmachungsfond umleiten.

Hansruedi Zürcher: 24-02-15 15:04

Es macht wahrscheinlich unheimlich Spass das Geld von anderen Leuten (den Steuerzahlern) mit beiden Händen zum Fenster hinaus zu werfen!! Solche "Beamte" gehören schlicht: Fristlos entlassen und deren Chefs gleich dazu!

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.