«Wir profitieren von der Globalisierung»

» Von Interview: Barbara Mooser, Fotos: Markus Senn, 24.04.2017 07:00.

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CW: Ich habe gelesen, Ihr CEO, Frankie Ng, sehe die SGS punkto Digitalisierung im Rückstand. Sehen Sie das auch so?

Heidler: Das hängt vom Bereich ab. Im Back-office sind wir, so meine ich, eher Vorreiter. Alle unsere Mitarbeiter nutzen heute Office 365, alle haben Skype, alle haben Collaboration-Tools. Sehr viele verfügen über gar keine Office-Installation auf dem PC, sondern greifen über Browser und Webportal zu. Unser CRM ist Cloud- basiert, unser ERP nennt sich Cloud. Wenn man die Box aufmacht, steckt darin zwar eine dedizierte Instanz, die beim Provider steht, aber wir kaufen die Leistung als Cloud-Service ein. Von unseren 90'000 Mitarbeitern versorgen wir 75'000 bis 80'000 mit IT-Equipment. Das ist im Vergleich zu einem Industrieunternehmen ein extrem hoher Grad an digitalisierten Arbeitsplätzen.

CW: Wie ist es bei den Laborarbeitsplätzen?

Heidler: Derzeit haben wir noch klassische Systeme on premise. Unser neues Laborsystem, für das in Kürze der Rollout beginnen wird, wird dann zu 100 Prozent in der Amazon Cloud laufen. Hier sind wir also auch sehr weit – meiner Meinung nach weiter als viele andere.

CW: Wo hat Frankie Ng also recht?

Heidler: Bei unserem Kerngeschäft, den Field Services, hat er zweifellos recht. Die Digitalisierung ist dort noch nicht weit fortgeschritten, der Bereich ist extrem heterogen. Wir müssen sicherlich lernen, wie wir Daten noch besser aufbereiten können, etwa in Form von Kundenportalen, die auch Vergleichsdaten oder Trends abbilden können.

CW: Dabei geht es ja auch um Labordaten. Wie weit sind Sie da mit der Digitalisierung?

Heidler: Die liegen prinzipiell schon digital vor, aber eben nur lokal. Wir haben schon eine relativ einheitliche Laborsystemlandschaft, aber auf lokalen Installationen mit lokalen Datenmodellen …

CW: ... den berüchtigten Silos …

Heidler: Genau. Das heisst, die Daten sind zwar digitalisiert, aber im grösseren Rahmen wenig verwendbar. Mit dem neuen System liegen sie dann zentral vor, nach einem einheitlichen Datenmodell.

CW: Bis wann?

Heidler: Gute Frage. Schwer zu sagen. Wir werden sicherlich zwischen drei und fünf Jahren mit dem Rollout beschäftigt sein.

CW: Warum so ungenau?

Heidler: Der originäre Scope für die ersten drei Jahre betrifft nur mehrere Hundert Labore. Wir haben aber jetzt schon die Intention, die Funktionalität des Systems zu erweitern, um dann alle unsere Labore umschliessen zu können.

CW: Geht es dabei auch um Big Data?

Heidler: Wir differenzieren da. Das, was aus klassischen Testszenarien herauskommt, ist für uns nur Analytics und nicht Big Data, obwohl es auch Terabyte an Daten sind. Wir trennen nach online und offline. Offline betrifft alles, was im Labor oder beim Kunden einer Prüfung unterzogen wird. Die Ergebnisse liegen irgendwann vor, aber nur als Snapshot einer vergangenen Situation. Sensoren liefern Onlinedaten, die live zeigen, ob die Pipeline undicht ist oder die Brücke wackelt. Diese Daten sind für uns Big Data, weil wir sie in beliebiger Frequenz und Granularität bekommen.

Nächste Seite: Daten als Rohstoff für eine künftige Monetanisierung?

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