Datenklauern keine Chance

Das Gütesiegel «Sicher wie eine Schweizer Bank» hat ausgedient. Der Diebstahl brisanter Daten gefährdet die Beziehungen zum Ausland und das Vertrauen der Kunden. Es gibt jedoch Mittel, Datenklauer zu stoppen - und aufzuspüren.

» Von Harmen Frobeen, Blanche Schlegel, 01.03.2010 06:00.

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Harmen Frobeen ist Senior Manager bei Ibcol Technologies & Consulting AG, verantwortlich für Information Security und BCM. Blanche Schlegel ist dort Consultant und spezialisiert auf integrales Sicherheits-, Risiko- und Kontinuitätsmanagement.

Die jüngsten spektakulären Datendiebstähle bei namhaften Schweizer Banken verschaffen dem Thema Datenklau wieder einmal hohe Aktualität und internationale Brisanz. Warum kommt es immer wieder zu derartigen Vorfällen? Die Antwort ist häufig im Faktor Mensch zu finden, gepaart mit verschiedenen äusseren Umständen. Umfragen zeigen immer wieder, dass Innentäter die grösste Quelle für Sicherheits-vorfälle stellen. Für kriminelle Aktivitäten stellt die Mischung aus anonymem Umfeld, mangelnder Kontrolle und wirtschaftlichem Anreiz allzu oft einen idealen Nährboden dar. Diesen gilt es wirksam auszutrocknen.

«Der Hehler ist schlimmer als der Stehler», lautet die landläufige Weisheit des Volksmunds. Die umstrittene Beschaffung und Verwendung von gestohlenen Datenbeständen aus Schweizer Banken durch staatliche Organe im Ausland lässt ein weiteres Absinken der Hemmschwelle gegenüber einem illegalen Umgang mit Informationen befürchten.

Die Hemmschwelle sinkt

Der Versuchung, Daten rechtswidrig zu kopieren und für einen stattlichen Millionenbetrag zu verkaufen, wird sicherlich nicht jeder widerstehen können. Dies trifft umso mehr zu, wenn man bei der letzten Beförderung oder Gehaltserhöhung leer ausgegangen ist, das Gefühl hat, ungerecht behandelt worden zu sein oder sonstigen Groll gegen seinen Arbeitgeber hegt. Das Problem der Datendiebstähle ist freilich noch wesentlich grösser und nicht nur auf Banken bezogen.

Die Schweizer Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani (www.melani.admin.ch) berichtet in einem ihrer regelmässigen Halbjahresberichte, dass die Bedrohung durch gezielte staatliche oder private Industrie- und Wirtschaftsspionage nach wie vor akut bleibt. Seit dem Ende des Kalten Krieges tummeln sich immer mehr arbeitslos gewordene Geheimdienstler auf dem Gebiet der ökonomischen Spionage. Gefährdet sind gemäss Melani nicht nur Schweizer Betreiber kritischer Infrastrukturen, die Rüstungsindustrie oder staatliche Stellen. Auch Schweizer Luxusartikel- und Modehersteller und insbesondere innovative und technisch führende Unternehmen des Mittelstands sind im Visier. Im verschärften globalen Wettbewerb werden die Methoden ruppiger. Häufig gilt bei der Konkurrenz die Devise «Diebstahl statt Forschung senkt die Herstellungskosten». Aktuelle Studien beziffern die Schäden in Milliardenhöhe.

 

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