Dynamik im Web

Content- Management- Systeme bilden das Fundament eines modernen Webauftrittes. Bit? ux, Mambo und Web-to-Date mussten sich auf ihre KMU- Tauglichkeit prüfen lassen. Für den Test mussten die Kandidaten drei Aufgaben erledigen: Es galt, eine einfache Begrüssungsseite zu erstellen, dazu ein Kontaktformular und eine Bildergalerie. Die Installation wurde ausgeklammert, da die Vorbereitungsarbeit ohnehin durch den Provider erfolgen muss. VON ANDREAS HEER

» Von , 19.05.2005 15:17. Letztes Update, 19.05.2005 21:22.

Das Web hat nicht nur für Bewegung in der Geschäftswelt gesorgt. Es ist auch selber in Bewegung geraten. Ein moderner Webauftritt basiert auf dynamisch generierten Seiten. Aussehen und Inhalte werden getrennt behandelt, was die Pflege erleichtert. Das Grundgerüst eines dynamischen Auftritts bildet ein so genanntes Content Management System (CMS). Es speichert den Inhalt in einer Datenbank und generiert mit Hilfe von Skriptsprachen die Webseiten für den Browser.

Drei für KMU-Bedürfnisse geeignete CMS traten zum Vergleich an. Mambo setzt Webbasiert: Bitflux (oben) und Mambo verlangen für die Betreuung nur einen Webbrowser. mit der Skriptsprache PHP (Hypertext Preprocessor) ab Version 4.1 und der Datenbank My-SQL auf gängige Open-Source-
Komponenten. Auf die gleiche Infrastruktur baut Bitflux auf, verlangt allerdings PHP in der noch frischen Version 5. Bitflux ist eine Entwicklung der gleichnamigen Schweizer Firma und steht ebenfalls unter einer Open- Source-Lizenz. Als einziger kostenpflichtiger Vertreter verfolgt Web-to-Date von Data Becker einen komplett anderen Ansatz.

Für den Test mussten die Kandidaten drei Aufgaben erledigen: Es galt, eine einfache Begrüssungsseite zu erstellen, dazu ein Kontaktformular und eine Bildergalerie. Die Installation wurde ausgeklammert, da die Vorbereitungsarbeit ohnehin durch den Provider erfolgen muss.

Bitflux
Der jüngste Vertreter im Text entpuppte sich als der schlichteste. Die webbasierte Administrationsoberfläche dient der Verwaltung des Erscheinungsbildes und des Inhaltes. Bitflux stellt eine einfache Grundstruktur bereit, die Startseite, Bildergalerie und ein Kontaktformular umfasst. Zusätzlich unterstützt das CMS Blogs und RSS-Feeds (Really Simple Syndication). Die Elemente des Webauftrittes, wie Logo und Schriftarten, werden über CSS (Cascading Style Sheets) definiert. Um die manuelle Bearbeitung der Stilvorlagen wird man aber bei Bitflux nicht herumkommen.

Das CMS kombiniert statische und dynamische Seiten. Als Format für die Inhalte setzt Bitflux auf XML (Extensible Markup Language). Mit Hilfe passender Stilvorlagen lassen sich die Dateien in unterschiedlichen Formaten wie PDF (Portable Document Format) oder eben HTML ausgeben. Bei der
Datenaufbereitung ist Bitflux der flexibelste Vertreter im Test.

Eine statische Seite stellt die Administratorenoberfläche vor keine Probleme. Der grafische Editor, der einen Mozilla-Browser oder Firefox voraussetzt, erlaubt das komfortable Arbeiten direkt in der Seitenansicht. Kenntnisse der darunterliegenden Techniken sind nicht nötig. Das gilt auch für den Aufbau einer Bildergalerie, sofern mit der mitgelieferten Vorlage gearbeitet wird. Erst beim Erstellen eines Kontaktformulars stösst der eingebaute Editor an seine Grenzen. Hier ist Handarbeit angesagt.

Mambo
Umfangreiche Webauftritte zu erstellen, ohne eine Zeile Code zu Gesicht zu bekommen, ist die Stärke von Mambo. Das CMS bietet eine Fülle von Funktionen, von zahlreichen Darstellungsformen für Inhalte bis hin zu einer ausgefeilten Benutzerverwaltung. Der Inhalt gliedert sich hierarchisch in Kategorien, die über eine frei anpassbare Navigation angesteuert werden. Aufgrund der Fülle an Möglichkeiten verlangt Mambo etwas Einarbeitungszeit, um den Webauftritt mit Inhalten zu beleben.

Als erstes steht aber die Anpassung des Erscheinungsbildes an. Die Anordnung der einzelnen Elemente auf einer Seite erfolgt anhand einer HTML-Vorlage. Das Erscheinungsbild des Inhaltes bestimmt ein CSS. Solange man sich an die zahlreichen, im Internet frei verfügbaren Stile hält, ist die grafische Gestaltung schnell erledigt. Der Aufbau eigener Vorlagen verlangt dagegen nach HTML-Kenntnissen. Und die Anpassung des CSS gestaltet sich aufgrund der weit über 100 verschiedenen Stile zeitaufwendig. Ein massgeschneidertes Erscheinungsbild gehört auch bei Mambo in die Hände eines Webdesigners.

Bei den drei im Test gestellten Aufgaben zeigten sich die verschiedenen Gesichter von Mambo. Textinhalte in unterschiedlichster Ausprägung sind die Stärke dieses CMS. Ein grafischer Editor erlaubt die komfortable Eingabe. Und zahlreiche Optionen kontrollieren die Ausgabe. So lassen sich etwa Inhalte auf Vorrat produzieren und zu gegebener Zeit veröffentlichen.

Bildergalerie und Kontaktformular sind dagegen Schwäche und Stärke von Mambo zugleich. Von Haus aus fehlen solche Elemente, es wäre also Programmierarbeit angesagt. Der modulare Aufbau von Mambo
sorgt aber dafür, dass für zahlreiche Aufgaben meist kostenlose Erweiterungen verfügbar sind. Das gilt auch für Galerien und Formulare. Die Installation solcher Module erfolgt bequem über das Administrations- Interface. Auf diesem Weg dürfte Mambo ziemlich jede Anforderung erfüllen, die an ein CMS für KMU gestellt wird.

Web-to-Date
Einen ganz anderen Weg schlägt Web-to- Date 3 von Data Becker ein. Die Software kommt ganz ohne Datenbank aus. Gestaltung und Inhalt des Webauftrittes werden in einer Windows-Anwendung festgelegt. Daraus generiert die Software statische Webseiten, die lokal getestet und dann auf den Server geladen werden. Web-to-Date richtet sich an Firmen, die Webauftritte erstellen wollen, ohne sich mit Technik zu beschäftigen. Für die grafische Gestaltung stehen rund 500 Vorlagen und Farbvarianten zur Verfügung. Die Option, eigene Varianten zu entwickeln, fehlt dagegen.

Die einzelnen Seiten unterteilt Web-to- Date in Abschnitte. Diese dienen als Behälter für unterschiedlichste Inhalte wie Text, Tabellen, Bilder oder Formulare. Mit den verschiedenen Abschnittsformen werden alle gängigen Bereiche abgedeckt, dementsprechend souverän gab sich die Software bei der Erfüllung der drei Testaufgaben. Bei Formularen und auch der integrierten Suchfunktion weicht Web-to-Date vom ansonsten statischen Aufbau ab und kann wahlweise auf PHP zurückgreifen. Falls die Skriptsprache nicht zur Verfügung steht, bietet Web-to-Date eine Javascript-basierte Suchfunktion. Registrierten Anwendern bietet Data Becker zudem die Möglichkeit, Formulare über einen eigens eingerichteten Mail-Gateway zu versenden.

Unterschiedliche Ausrichtung
Einen eindeutigen Sieger ist bei diesen drei CMS nicht auszumachen. Sie stehen vielmehr stellvertretend für die grosse Bandbreite an solchen Systemen. Bitflux stellt ein einfaches Grundgerüst für kompakte Auftritte dar und ein Tummelfeld für Programmierer. Mambo dagegen empfiehlt sich für umfangreiche Websites und bietet dank modularem Aufbau eine gute Grundlage für künftige Erweiterungen. Am konsequentesten auf die Zielgruppe der KMU zugeschnitten ist Web-to-Date. Dafür muss man mit der Einschränkung leben, dass das Ergebnis aus statischen Dokumenten besteht und eine Weiterbearbeitung der Inhalte ausserhalb von Web-to-Date nur mühsam zu bewerkstelligen ist. Alle drei CMS zeigen aber, dass die Zeit für handgestrickte, rein statische Internetauftritte abgelaufen ist.
www.computerworld.ch


INFO



Die CMS im Überblick

Bitflux CMS 1.2
Hersteller: Bitflux
Preis: Open Source
Vorteile: Flexible Ausgabe über XML, integrierter grafischer Editor, Zugriff auf Datenbankeinträge
über Administrations- Oberfläche, mehrsprachig.
Nachteile: Bescheidene Basisfunktionalität, knappe Onlinedokumentation.
www.bitflux.ch

Mambo 4.5
Hersteller: Miro International
Preis: Open Source
Vorteile: Grosser Funktionsumfang, erweiterbar, vielseitige Darstellungsmöglichkeiten, gutes
Hilfsangebot im Web.
Nachteile: Eigene Layouts und Stilvorlagen erfordern HTML-Kenntnisse, etwas unübersichtliches
Administrationsinterface.
www.mamboserver.com

Web-to-Date 3
Hersteller: Data Becker
Preis: 229 Franken
Vorteile: Grosse Auswahl an Designvorlagen, breiter Funktionsumfang, keine HTML-Kenntnisse
nötig.
Nachteile: Keine eigenen Erweiterungen möglich, keine Onlinebetreuung, zufällig gewählte
Dateinamen für Bilder.
www.thali.ch

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