Chromebooks und G Suite im Praxis-Einsatz

» Von Frank-Michael Schlede, Thomas Bär*, 18.05.2017 08:00.

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Fazit zum Unternehmenseinsatz von Chrome OS

Alles in allem können Chromebooks mit Fug und Recht als die Thin Clients für das Internet­zeitalter bezeichnet werden. Wer sich diese Geräte ansieht und die dazugehörigen Anwendungen ausprobiert, wird feststellen, dass sie bedeutend leistungsfähiger sind, als dies gemeinhin angenommen und vielfach behauptet wird. Dass sich die Chromebook-Hersteller auf dem deutschen Markt offenkundig schwertun, hochwertige Business-Geräte mit Chrome OS zu positionieren, verwundert dagegen kaum: Die in Deutschland seit Jahren herrschenden Unklarheiten bezüglich des Datenschutzes bremsen die Verwendung von Cloud-Techniken aus und minimieren gleichzeitig die Notwendigkeit passender Zugriffsgeräte.

Auch hinkt Deutschland beim Internetausbau international hinterher. Ein Indiz dafür ist etwa die eher zaghafte Einführung freier WLANs. Un­ternehmen setzen wohl auch deswegen lieber auf Geräte, die auch ohne Internetkommunikation auskommen.

Kommentar

Vier Wochen mit einem Chromebook

Idee und Prinzip der Chromebooks stellen für zwei Freelancer wie uns, die räumlich getrennt voneinander viel über das Internet zusammenarbeiten, eine sehr interessante Lösung dar. Doch bewähren sich Chromebooks auch in der Praxis? Das wollte ich mit meinem Partner Thomas Bär herausfinden, indem wir diese Geräte vier Wochen in unsere Arbeit integriert haben, die neben dem regelmässigen Austausch von Gedanken und Informationen über das Netz auch das Teilen und gemeinsame Arbeiten an Texten beinhaltet.

Unsere anfängliche Skepsis gegenüber diesen «Rechnern ohne echtes Betriebssystem und Speicher» wich schnell der angenehmen Überraschung, wie gut und einfach es sich mit Chromebooks arbeiten lässt. Selbst unsere Ultrabook-Rechner mit SSD-Speicher und Windows 10 waren nicht so schnell betriebsbereit wie diese Systeme, die dem Nutzer in Sekundenbruchteilen zur Verfügung stehen. Verwaltung und Betreuung sind aus Nutzersicht zu vernachlässigen – darum kümmert sich Google. Im professionellen Umfeld können Administratoren mit der «Chrome for Management Console» die Chrome-Geräte ihres Unternehmens mit Hilfe der Verwaltungskonsole via Remote-Zugriff verwalten.

Weil es inzwischen auch in Deutschland immer häufiger möglich ist, einen WLAN-Zugang zu finden und zu verwenden, konnten wir auch auf der Reise zur CeBIT im ICE ein Chromebook via WLAN nutzen. Aber: Was taugt ein solches Gerät, wenn keine Verbindung zum Internet besteht? Schliesslich kann ein Office-Paket wie die G Suite ohne Internetverbindung nicht weiterarbeiten – so die gängige Ansicht. Ein Nutzer kann jedoch mit einem Chromebook durchaus auch offline arbeiten. Das System puffert die Dokumente auf der – allerdings eher klein dimensionierten – Festplatte (zumeist ist das eine integrierte SD-Karte). Der Nutzer ruft die Daten wie gewohnt via G-Suite-Aufruf über den Browser auf. Das Betriebssystem des Chromebooks fungiert als Proxy-Server und erlaubt eine Bearbeitung der Texte, Bilder oder Tabellen, als wäre eine Verbindung ins Internet verfügbar. Sobald das Gerät wieder Internetzugriff hat, beginnt automatisch die Synchronisation der Dateien. All das funktionierte während der Testphase tadellos.

Ist ein Chromebook also das ideale Gerät für den professionellen Einsatz? Grundsätzlich ja. Besonders in Bildungseinrichtungen können Chromebooks eine sehr gute Lösung sein, wie Beispiele aus den USA und auch aus Norwegen zeigen.

Für deutsche Unternehmen bleibt allerdings der Nachteil, dass alle Daten über die Server von Google wandern und auch dort gespeichert werden. Hinzu kommt das offensichtliche Desinteresse der Anbieter, entsprechende Geräte aus dem Business-Umfeld auch für den deutschen Markt bereitzustellen. Nach vierwöchigem Einsatz der Chromebooks bedauern wir das, uns konnten die Geräte und die Technik dahinter nämlich durchaus überzeugen.

*Die Autoren schreiben für unsere Schwesterpublikation «com-magazin.de». Im deutschen Magazin ist der Artikel ursprünglich erschienen.

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