Frauen führen anders – Männer auch

Führen ist etwas, das nicht jedem liegt. Einen eigenen Führungsstil zu entwickeln, der von den Teammitgliedern angenommen wird, ist noch viel schwieriger.

» Von Dagmar Kohlmann, 15.02.2016 08:35. Letztes Update, 15.02.2016 08:55.

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Dass sich Führungsstile von Männern und Frauen grundsätzlich unterscheiden, lässt sich aber nicht abstreiten. Welche Unterschiede es gibt und wie sich die Führungsstile auf das jeweils andere Geschlecht auswirken, möchte ich in diesem Blogbeitrag erläutern.

Anfangen möchte ich mit einigen Definitionen:

Die offiziellen Erläuterungen für den Begriff Führen lauten: «Das Handeln von jemanden bestimmen» oder «Erteilung einer Weisung».

Teamführung wird mit «Einflussnahme auf die Willensbildung von Gruppen» erklärt, wohingegen Individualführung sich mit «der Einflussnahme auf hierarchisch unterstellte Mitarbeiter» beschäftigt.

Situatives Führen bedeutet: «am ‹Reifegrad› der Mitarbeiter orientierte Führung».

Warum es Führung braucht

Das Personalmanagement dient dazu, durch bestimmte und festgelegte Handlungsweisen im Personalbereich das Unternehmen zum Erfolg zu führen – also unter Berücksichtigung wichtiger Aspekte in Richtung dauerhafter Werterhaltung und Wertschöpfung. Auch die Bedürfnisse der Shareholder und Stakeholder müssen ggf. in die Personalpolitik einfliessen.

Daraus entsteht ein Unternehmensleitbild, das die Handlungsweise zur Erreichung betrieblicher Ziele festschreibt und als Orientierung in die Unternehmenskultur einfliesst.

Kann man führen überhaupt lernen?

Viele Firmeninhaber sind der Meinung: Führen kann jeder. Das muss nicht erlernt werden. Es muss nur den betrieblichen Leitlinien gefolgt werden und dem Unternehmenserfolg steht nichts im Wege.

Richtig, denn den erlernbaren «Führungsstil» gibt es nicht, obwohl dieser Begriff in aller Munde ist. Richtiger müsste es heissen «Führungsverhalten». Und dieses entsteht aus der jeweiligen Persönlichkeit des Führenden. 

Und ja, es gibt tatsächlich Chefs und Chefinnen, denen es ungeschult gelingt, die Leitlinien des Unternehmens spielerisch umzusetzen, Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu motivieren und Spass als Teil des Businessplans zu installieren.

Woher der «klassische» Führungsstil kommt

Führen als solches ist auch heute noch vorwiegend männlich geprägt, da Führung aus der militärischen Tradition stammt, der ausschliesslich und zu 100% Männer angehörten. In die Firmen installiert, entwickelten sich aus den militärischen Kaderstrukturen Führungsstile, die von autoritär bis demokratisch reichen.

Frauen konnten zu dieser Entwicklung überhaupt nichts beitragen. Sie haben sich den vorhandenen Führungsstrukturen zunächst widerstandslos angepasst. Bis sie merkten, dass Befehlen von «oben nach unten» den Menschen zu wenig berücksichtigt. Bis ihnen aufstiess, dass die Mitarbeiter teilweise wie Schachfiguren hin- und hergeschoben wurden. Sehr zu deren Leidwesen. Und sie begannen sich mehr um das Wohl der Mitarbeiter zu kümmern. Rücksicht zu nehmen, oftmals auf pünktlichen Feierabend zu verzichten, um z.B. einem Familienvater die Möglichkeit zu verschaffen, am Abend seine Kinder zu sehen.  

Sie fingen an, vor einer anstehenden Entscheidung die Meinung der Mitarbeiter zu erfragen, um Erfolg durch Konsens zu erreichen. Sie blieben in der Kommunikation meist freundlich, verbindlich und verständnisvoll in der Hoffnung, dass sie im Gegenzug erwarten können, verstanden und akzeptiert zu werden, wenn sie etwas Unpopuläres ankündigen und durchsetzen mussten.

Das hat sich als grosser Irrtum herausgestellt, denn sie wurden nicht ernst genommen, da sie aus dem über lange Jahre geprägten und gewohnten männlichen Sprach- und Verhaltenskodex herausfielen. Männliche Mitarbeiter haben die freundliche Frage- und Konsensbildungs-Führung als «Angebot» aufgefasst und sahen sich nicht verpflichtet, die ihnen zugewiesenen Aufgaben zu erledigen.

Die Unterschiede

Frauen betrachten Männer oft als unhöflich (und verbitten sich einen solchen Umgang), wenn diese sich gegenseitig kritische Brocken um die Ohren werfen, wie: «Hast Du bei der Firma XY mal wieder Riesen Mist gebaut, was…?.» Der so Gescholtene grinst und betrachtet es als Mitgefühl.

Frauen verhalten sich kommunikativ anders. Sie zeigen z.B. für Mitarbeiter, die sich in schwierigen Situationen befinden, zunächst eher Verständnis. Sie erkundigen sich, was dazu geführt haben könnte, dass der Kunde mit Storno droht. Die Chefin lässt sich die Beweggründe des Mitarbeiters erklären, bevor sie Konsequenzen zieht. Ganz im Sinne des «Wir-Gefühls». Das kommt bei weiblichen Mitarbeitern gut an und man kann sich auf eine für alle befriedigende und tragfähige Lösung einigen. Im männlichen Verständnis kommt an: «Naja, alles halb so schlimm…» und alles bleibt beim Alten.

Männliche Vorgesetzte neigen eher zu schnellen Urteilen nach dem Motto: Wenn einer Mist gebaut hat, muss er auch die Verantwortung dafür übernehmen; und die Lösung wird gleich mitgeliefert: Der Mitarbeiter wird vom Kunden abgezogen. Kurz, knapp, deutlich. Das wird von weiblichen Mitarbeitern als extrem unfreundlich und abwertend aufgenommen. Die Grundlage für einen Konsens ist zerstört. Im männlichen Verständnis sind das klare Worte und jeder weiss, was «Sache» ist. Dies wird widerspruchslos akzeptiert und hinterlässt keine Schatten.

Zwei gänzlich unterschiedliche Verhaltensweisen, die beide einem eigenen Codex entsprechen.

Verhaltenskodex weiblicher Führungskräfte:

Verständnisorientiertes, erklärendes und konsensbildendes Miteinander, hilfsbereit und unterstützend. Sie erklären Belange ausführlich und sind stolz darauf, verstanden zu werden.

Verhaltenskodex männlicher Führungskräfte:

Männer nennen gerne Ross und Reiter und reden nicht lange um den heissen Brei herum. Sie bitten nicht um Verständnis, sie erwarten es.

Fazit

Wenn es Frauen gelingt, situationsbedingt kurze knappe Anweisungen zu geben, ohne sich selbst als unhöflich zu empfinden, gewinnen sie im Gegenzug mehr Akzeptanz.

Wenn es Männern gelingt, in ihren Führungsstil Verständnis einfliessen zu lassen, ohne sich selbst als wachsweich zu empfinden, werden sie mit loyaler ergebnisorientierter Zusammenarbeit belohnt.

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