DOAG: Oracle hat zu viel in der Cloud, verwirrt die Kunden

Oracles Cloud-Angebot verwirrt viele Kunden. Es fehlt an Transparenz und an Architekturvorgaben. Die Deutschsprachige Oracle Anwendergruppe (DOAG) gibt Tipps für die Evaluation von Oracles Cloud-Lösungen.

» Von Michael Kurzidim , 03.11.2016 15:25.

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Oracle hat sich komplett zu einer Cloud-First-Company entwickelt. "Wir sehen das sehr positiv", sagte Stefan Kinnen, Vorstandsvorsitzender der deutschsprachigen Oracle Anwendergruppe (DOAG) auf einer Pressekonferenz, die gerade zu Ende ging. Aber: Hat Oracle noch vor wenigen Jahren zu wenig in die Cloud investiert, offeriert das Unternehmen nun fast zu viel. Allein die PaaS-Lösungspalette umfasst 20 Subangebote. Die Vielfalt führe zu einer Verunsicherung bei den Kunden, da eine integrierte Lösung in der Regel eine Vielzahl an Cloud-Angeboten umfasst. Es fehlten Transparenz-und Architekturvorgaben, kritisiert die DOAG.

Oracle ist vor allem über Zukäufe in das Cloud-Geschäft eingestiegen. Die Qualität der Software ist nach Einschätzung der DOAG nie das Problem gewesen. Aber in Europa müssen Regularien eingehalten werden, die sich von den US-amerikanischen stark unterscheiden. Datenschutz und die Einhaltung von Service Level Agreements hätten anfangs das Europa-Geschäft abgebremst. Aber Oracle beginnt, in Europa Fuss zu fassen und unterhält zurzeit Rechenzentren in Amsterdam, Frankfurt/Main, Dublin und Glasgow.

Die DOAG gibt drei Empfehlungen, anhand derer Anwenderunternehmen Oracles Cloud-Angebote evaluieren sollten:

  • Welches Preismodell ist für mich das richtige? Nicht immer ist Pay-per-Use auch preiswerter. Kunden sollten mit dem spitzen Bleistift nachrechnen, ob sie mit Pay-per-use (metered) oder mit fest eingekauften Kapazitäten (un-metered) besser fahren. Ausserdem wichtig: Können bereits bestehende Lizenzen in die Cloud-Welt mitgenommen werden?
  • Datenschutz/Compliance - wird alles erfüllt?: Besonders in der Schweiz ein heikler Programmpunkt. Erfüllen der vom Anbieter garantierte Datenschutz und die Service Level Agreements der Cloud-Lösungen die Bestimmungen der Schweiz und des eigenen Hauses? Ausserdem: Mit der General Data Protection Regulation (GDPA) hat die europäische Kommission den Schutz von Kundendaten weiter verstärkt. Das GDPA wurde am 27ten April 2016 angenommen und tritt nach einer zweijährigen Übergangsfrist am 25ten Mai 2018 in Kraft. Eine Ratifizierung durch die Parlamente der Länder ist nicht erforderlich.
  • Sind bestehende Investitionen geschützt? Offeriert Oracle einen angemessenen Migrationspfad in die Cloud, der Investitionen in vorhandene On-Premise-Lösungen schützt. Gibt es ein kostengünstiges Ausstiegsszenario, falls Sie den Cloud-Provider wechseln wollen? Kritisch sieht die DOAG zum Beispiel Oracles «Unlimited Licence Agreement ULA2PaaS», eine Art Flatrate für bestimmte Oracle-Lösungen.

Diskussionswürdig ist für die DOAG auch Oracles neues Datenbank-Release 12.2, das als Cloud-only eingeführt wurde. Bislang hat sich Oracle noch nicht dazu geäussert, wann das nächste On-premise-Release  der Datenbank auf den Markt kommt. Dies, kritisiert die DOAG, führe zu einer Verunsicherung der Anwender von Oracle-RDBMS im deutschsprachigen Markt.

 

 

 

 

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