Die fünf grössten Mythen über Cloud-Software/ERPs

Was denken Schweizer IT-Chefs über die Cloud? Ist sie sicher, ist sie preiswerter als Software auf den eigenen Rechnern? Die wichtigsten Argumente pro und kontra Cloud.

» Von Michael Kurzidim , 30.03.2016 13:21.

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Die Cloud ist flexibel, skalierbar, von überall erreichbar - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die Cloud bringt nur Vorteile, könnte man meinen. Trotzdem zieht es die Mehrheit der Schweizer IT-Chefs und CIOs vor, ihre Business-Applikationen on-premise im eigenen Hause zu betreiben. Computerworld hat mehrere hundert Schweizer IT-Verantwortliche befragt (Umfrage Swiss IT). Für die Business-Software Enterprise Ressource Planning (ERP) kam dabei heraus: 61 Prozent lassen ihr ERP am liebsten in-house laufen. Immerhin 11 Prozent favorisieren den Outsourcing-Betrieb in einem Rechenzentrum. Und nur drei Prozent gehen in die Cloud.

"Ich will meine Daten bei mir haben", sagt Toni Kägi, Leiter Informatikdienste bei der Schmid AG Energy Solution. "Denn eine grundsätzliche Garantie, ob bei einem Cloud-Anbieter oder Hoster ihre Daten auch in der Schweiz bleiben, haben Sie nicht". Kägi spricht vielen Schweizer IT-Chefs aus dem Herzen, die der Cloud misstrauen und die sich sicherer fühlen, wenn die Daten in-house auf den eigenen Rechnern liegen. Haben Schweizer CIOs zu viel Angst vor der Cloud? Sind ihre Sorgen berechtigt?

Christian Bühlmann hat für den Schweizer Cloud-Anbieter myfactory fünf Cloud-Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abgeklopft. Mit einigen seiner Argumente sind wir einverstanden, mit anderen nicht. Myfactory bietet Business-Software wie CRM, ERP, Finanzen und E-Commerce ausschliesslich aus der Cloud an. Der Hauptsitz der Firma ist St. Gallen. Zu den Kunden zählen die Zaugg Emballeur AG,  Leutwyler Kühlanlagen, die AkkuPoint AG mit Lösungen für mobile Energieträger und die Küchenproduzentin Kisag Switzerland.

Mythos #1: Daten in der Cloud sind nicht sicher

Prinzipiell sind Daten in der Cloud nicht sicherer oder unsicherer als die Daten auf den eigenen Servern. Auch In-house-Server können ausfallen, werden gehackt und Daten können gestohlen werden. Es kommt auf die Service Level Agreements (SLA) und Backup-Strategien an, die Sie mit dem Cloud-Anbieter ihrer Wahl vereinbaren.

Bühlmann rät, darauf zu achten, dass die Daten nicht irgendwo in der Wolke landen. Myfactory partnert mit der Swisscom. Dadurch würden Daten laufend gesichert und mehrfach geo-redundant - also auch geografisch voneinander getrennt - in Schweizer Rechenzentren abgespeichert. Sicherheit und Verfügbarkeit seien dadurch höher als in manchem lokalen Serverraum einer Firma.

Aber es gibt auch gegenteilige Ansichten. "Die Cloud ist per se unsicher, denn jede Cloud - wie Azure, Salesforce oder Amazon - beruht auf Ressourcenteilung", sagt Amnon Bar-Lev, Präsident des Sicherheitsanbieters Check Point Software. Das heisst, mehrere Kunden teilen sich Storage, Arbeitsspeicher, CPUs. Dadurch könnten theoretisch die Daten des einen in die Hände des anderen fallen. "Ich empfehle meinen Kunden nicht: Lassen Sie die Finger davon", erklärt Bar-Lev. Sie sollten aber zusätzliche Sicherheitsmechanismen implementieren und sich genau überlegen, welche Daten und Dienste in die Cloud wandern sollten, und welche nicht.

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