Bund: 250 Millionen für Gever-Software

Der Bund hat Lieferanten für elektronische Geschäftsverwaltung ausgewählt: Den Millionen-Auftrag erhalten die Partner Elca und ABF Informatik sowie die Partner Atos und Rubicon.

» Von Mark Schröder , 27.05.2015 11:00.

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Die Bundesverwaltung kauft zwei Produkte für die elektronische Geschäftsverwaltung, kurz: Gever. Laut einer Mitteilung und der Beschaffungsdatenbank Simap teilen mit Elca und Atos zwei Anbieter den Auftrag mit einem Gesamtwert von über 250 Millionen Franken. In der Summe enthalten sind die Umsetzung, Installation sowie Betriebskosten für zwölf Jahre. Die Bundeskanzlei rechnet nach eigener Aussage aber damit, dass Beschaffung und Einführung jedoch «deutlich geringere Kosten» verursacht.

Junge Partnerschaft

Mit letztendlich gut 150 Millionen Franken ist für Elca der Löwenanteil der Ausgaben vorgesehen. Elca war bis anhin nicht mit einer Gever-Installation in der Bundesverwaltung präsent, wohl aber der jüngst neu gewonnene Partner ABF Informatik. Wie ABF-Verkaufsleiter Paul Hostettler vor gut einem Jahr der Computerworld sagte, wird die Gever-Lösung «iGeko» in vier Departementen von rund 4000 User eingesetzt.

Hostettler hatte damals die Überzeugung geäussert, dass nicht die installierte Basis, sondern die Ausschreibungskriterien entscheidend sein werden. Laut dem ABF-Manager sollten gute Bedienbarkeit, Mobilunterstützung, Schnittstellen, Support neuster (eCH-)Standards und Wirtschaftlichkeit bei der Beschaffung von Gever-Software im Vordergrund stehen. Offenbar lag er damit nicht ganz verkehrt.

Open-Source-Gever

Immerhin noch fast 100 Millionen wird Atos für sich verbuchen können. Die Zürcher Niederlassung des französischen IT-Dienstleisters ist in multiple Bundesprojekte involviert, im Gever-Umfeld allerdings bis anhin nicht präsent. Das gilt ebenfalls für den Partner Rubicon, der nach eigenen Angaben acht Kantonsverwaltungen sowie «diverse» Städte und Gemeinden zu seinen Kunden zählt. Daneben können die Österreicher die SBB, die Flughäfen Genf und Zürich, die Zürcher Verkehrsbetriebe sowie Zurich Insurance als Referenzen vorweisen.

Mit dem Rubicon-Produkt «Acta Nova» holt sich der Bund Open-Source-Technologie in die Amtsstuben. «Als Investitionsschutz wird den Kunden von Acta Nova bei Bedarf der Source Code unter der GPL (General Public License) zur Verfügung gestellt», wirbt der Hersteller aus Wien. Jedoch: Die Lösung setzt auf Microsoft als Back- und Frontend: Windows Vista, Internet Explorer 9.0 und Office 2007 am Arbeitsplatz sowie SQL Server 2008 R2 und Windows Server 2008 R2 im Rechenzentrum sind die Mindestvoraussetzungen.

Einspruchsfrist läuft

Mit dem Entscheid für Elca und Atos löst die Bundesverwaltung alle bisherigen Gever-Lösungen ab. Die grösste installierte Basis besitzt Fabasoft. «In der Schweizer Bundesverwaltung haben wir 12'000 Lizenzen verkauft», erklärte Fabasofts Schweiz-Chef Klemens Berger der Computerworld vor einem Jahr. Das Fabasoft-Produkt «eGov-Suite» ist in der Bundeskanzlei und den sieben Departementen installiert. Die Lösung «public engine» der Zürcher the i-engineers kommt im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS auf circa 1200 Anwender, wobei allein armasuisse über 800 User zählt. Im Bakom und im UVEK ist ausserdem – als Gever-Vorstufe – ein Dokumentenmanagement des Berliner Lieferanten Optimal Systems in Betrieb.

Die drei bisherigen und andere nicht berücksichtigte Lieferanten haben laut Simap-Entscheid nun 20 Tage Zeit für einen Einspruch. Das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL als zuständige Behörde für Beschaffungen begründet den Entscheid mit der üblichen Floskel: «beste Erfüllung der Zuschlagskriterien gemäss Ausschreibungsunterlagen.»

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