Schneier: «Ihr seid alle Freiwild»

An der ISSS-Konferenz in Lausanne hat Security-Guru Bruce Schneier die beunruhigenden Hintergründe des NSA-Skandals aufgezeigt, aber auch mit Lösungsvorschlägen etwas Hoffnung verbreitet.

» Von Jens Stark , 02.10.2013 07:49.

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An ihrer ersten Schweiz-weiten Konferenz über Information Security konnte die ISSS (Information Security Society Switzerland) mit einem echten Highlight aufwarten: «Security Guru» Bruce Schneier berichtet über seine Erkenntnisse im NSA-Skandal. Der Sicherheits-Experte hatte im Auftrag des «Guardian» in den letzten Wochen und Monaten Zugang zu den von Edward Snowden geleakten Dokumenten und Unterlagen.

Sein Fazit ist kurz und lässt nur Ungutes erahnen: «Am schlimmsten ist, dass wir nun wissen, was wir alles nicht wissen».

Trotzdem konnte Schneier einige interessante Details aus dem Abhörskandal berichten, den er auch als Überwachungsskandal ansieht. In diesem Zusammenhang unterstrich Schneier die Wichtigkeit von Meta-Daten. Denn damit öffnet sich nämlich eine weitere Büchse der Pandora. Schneier bestätigte natürlich auch, dass die NSA Telfonate abgehört und E-Mails mitgelesen hat, also auch Interesse an den Inhalten selbst gezeigt habe. Daneben werden aber auch eine Menge Meta-Daten gesammelt, also Informationen zu den Telefonverbindungen, den Internetabfragen oder zum E-Mail-Verkehr. Die Crux dabei: «Während Telefonate oder andere Inhalte nur drei Tage auf Verdacht aufbewahrt werden, speichert die NSA Metadaten viel länger, zwischen drei Monaten und 15 Jahren», sagt Schneier. Er warnte deshalb davor, den Fakt, dass es sich «nur» um Meta-Daten handle, herunterzuspielen. Denn mit diesen Informationen könne man ein umfassendes Überwachungssystem aufbauen und bräuchte nicht einmal technisch sonderlich versiert zu sein, da Meta-Daten meist unverschlüsselt vorlägen.

Auch über das Ausmass der Sammeltätigkeit konnte Schneier die Konferenzteilnehmer ins Bild setzen. Laut dem Sicherheits-Guru ist nichts von dem Geheimdienst sicher. Dieser sammelt fast alles, was elektronisch verfügbar ist. Dabei empört sich Schneier besonders über die derzeit in den USA laufende Diskussion. «Wir reden derzeit darüber, ob es nicht illegal sei, Amerikaner in dieser Art und Weise auszuhorchen», gibt er zu bedenken und folgert an das Schweizer Publikum im Saal gerichtet: «Ihr seid also Freiwild!»

Am Beispiel des belgischen Telekomanbieters Belgacom führte Schneier daraufhin aus, wie die NSA vorging. «Wir reden hier darüber, dass die USA ein befreundetes Land ausspioniert hat, nämlich Belgien», erklärt er. Anscheinend nutzte der Dienst das Backbone, um seine Abhöraktionen zu starten und wo die US-Horch-und-Guck nicht weiter wusste, seien die Endpunkte gehackt worden. Noch wisse man nicht genau, wie die NSA in den Besitz der Daten kam. Schneier vermutet aber, dass der Dienst direkten Zugang auf die Datensammlungen von Google und anderen erhalten haben oder sich beschafft haben muss. «Es gibt also Sammlungen grosser Datenhaufen wie etwa über Mobilfunkgespräche in den USA, die dann durch Analsyseverfahren gejagt und ausgewertet wurden», präzisiert er.

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