PGP-Erfinder will bessere Technik gegen den Polizeistaat

Können wir uns vor der Massenüberwachung der USA und anderen Regierungen schützen? Auf die Frage versuchte PGP-Erfinder Phil Zimmermann gestern in Zürich eine Antwort zu geben.

» Von Jens Stark , 08.05.2015 07:13.

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Die umfassende Überwachung der US-Geheimdienste, die in den letzten Monaten und Jahren nicht zuletzt durch die Enthüllungen Edward Snowdens zu Tage getreten sind, bereitet vielen Firmen und Privatpersonen Bauchschmerzen. Gibt es eine Möglichkeit, in einer Ära der Massendatensammlung und –abhörung seine Privatsphäre zu schützen? Diese Frage versuchte kein Geringerer als der Erfinder des E-Mail-Verschlüsselungsverfahrens Pretty Good Privacy (PGP), Phil Zimmermann, zu beantworten.

Zunächst malte Zimmermann während seines Auftritts an der Veranstaltung «IT-Security Inside #15» von Avantec in Zürich ein eher düsteres Bild. So sei die heutige Massenüberwachung seit Langem geplant gewesen. «Der zugrundeliegende Patriot Act in den USA hat nichts mit dem 11. September 2001 zu tun gehabt», meinte er und berichtete, dass ihm dies der damalige stellvertretende US-Justizminister Viet Dinh bestätigt habe. Dinh war massgeblich an der Ausarbeitung und Lancierung des Patriot Act beteiligt. Dieser habe ihm dies einmal auf einer Informationsveranstaltung bestätigt. Zimmermann zitierte Dinh dahingehend, dass die neue Gesetzgebung lange vorher geplant gewesen sei. Die damalige US-Regierung habe nur darauf gewartet, bis die politischen Umstände die Einführung erlaubt hätten. Nach den Anschlägen des 11. September sei dies dann der Fall gewesen.

Das Hauptproblem mit der jetzigen Massenüberwachungstechnik sei denn auch die Tatsache, dass sich diese Infrastruktur nicht mehr so leicht abbauen lasse. «Noch leben wir in einer Gesellschaft, in der rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien gelten. Was passiert aber, wenn eine undemokratische Regierung an die Macht kommt?», fragt sich Zimmermann. Dann könne man die installierte Infrastruktur kaum noch los werden. «Massenüberwachung spielt denn auch in jeder dystopischen Gesellschaft eine grosse Rolle», sagt er.

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KOMMENTARE

Dr. Feelgood: 08-05-15 19:29

@Morat Ademi

FULL ACK
Aber Merke: Informatiker mit Hochschulabschluss bedeutet nicht zwangsläufig alltägliche Intelligenz.
Es gibt da ja auch sogenannte Fach-Idioten, denen der Horizont auch nur bis zum nächsten Byte reicht.

Ich sage schon lange, USA boykottieren, denn gerade da ist sprichwörtlich ohne Moos nix los.
Und wenn das nicht stimmt, kann auch ein Friedensnobelpreisvernichter sehr schnell straucheln und auf dem Boden der Realität landen, anstatt die Welt zu überwachen und überall Krieg zu stifften.

Das Problem hier ist, dass der Bundesrat auch nicht den Mumm hat, sich gegen den Schurkenstaat USA klar zu positionieren. Leider.

Morat Ademi: 08-05-15 11:07

Super Beitrag. Wenn es doch nur nicht soviele Ignoranten gäbe. Ein aktuelles Beispiel:
Ich habe gerade Email Verkehr mit einem Informatiker mit Hochschulabschluss. Die Kommunikation ist heikel und eignet sich hervorragend für Industriespione.
Nun stellte ich dem Informatiker meinen signierten PGP Public Key zur Verfügung. Den ignoriert er mal komplett bzw. hat nicht einmal Ahnung wie das funktioniert und auch kein Interesse sich damit zu befassen. Ich weiss nicht was die an der Uni lernen. Auf jeden Fall gibt es da für einige nur die Microsoft Welt mit Windows und Office und Sicherheit wird dem Betriebssystem überlassen. Und das ist schon mal ganz schlecht wenn es um Datensicherheit geht.
Da der Informatiker nicht einsichtig ist und nicht verschlüsselt, verweigere ich die Kommunikation via Email mit ihm.
Das Problem ist. Wir spüren nichts von der Überwachung. Wenn Probleme auftauchen ist es zu spät.
Die Menschen müssen sensibilisiert werden. Das geht nicht mit closed Source Betriebssystemen und Cloud Speicher. Vorallem nicht bei US-Firmen, die ja von gesetztes wegen der NSA/ US-Behörden alles zur Verfügung stellen müssen und darüber nicht sprechen dürfen. Wie sich herausstellte auch für Daten welche auf Servern die nicht auf US-Boden stehen gespeichert werden.
http://www.pressebox.de/pressemitteilung/uniscon-gmbh-the-web-privacy-company/US-Gerichtsbeschluss-gegen-Microsoft-Hohe-Risiken-fuer-vertrauliche-Unternehmens-Daten-in-auslaendischen-Clouds/boxid/682348
Microsoft scannt in vorauseilendem Gehorsam alles was auf der Cloud gespeichert wird. Und meldet bei Verdacht auf was auch immer das ganze den entsprechenden Behörden und leitet die Daten weiter.
http://www.netzwelt.de/news/150675-onedrive-microsoft-meldet-cloud-inhalte-deutsche-polizei.html
Also Finger weg von OneDrive und Office 365, Gilt auch für Google, Yahoo, Facebook, Twitter usw.
Microsoft markiert/ verändert Daten welche auf die Cloud geladen wurde. Zwecks Indexierung (Die haben wir schon gescannt)
Mit Windows 10 geht die Überwachung einen Schritt weiter. Auch wenn es hart ist. Sucht Alternativen, es darf so nicht mehr weitergehen.

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