Leichte Depressionen bei den Datenschützern

Am Datenschützer-Symposium in Zürich wurde rege über die Zukunft des Datenschutzes und das BÜPF diskutiert. Die Stimmung war auch schon besser

» Von Marcel Hauri , 27.08.2014 10:27.

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Schon zum 19. Mal wurde zum Symposium on Privacy & Security eingeladen. Die Veranstaltung war auch wie letztes Jahr sehr gut besucht, vor allem von Vertretern der Datenschützer, aus der öffentliches Verwaltung sowie des Bildungs- und Gesundheitswesen.

Das Thema «Datenschutz in der Datenflut» erwies sich jedoch als schwer verdaubarer Brocken für die Teilnehmer. Wie Bruno Baeriswyl, Datenschutzbauftragter des Kanton Zürich bei der Begrüssung sagte, sind die Datenschützer relativ machtlos, wenn Benutzer den «AGB» grosser internationaler Konzerne zustimmen. Mit dieser Einwilligung - oft mangels Alternativen die einzige Möglichkeit einen Service nutzen zu können - geben die Individuen den Konzerne die totale Vollmacht die Daten nach ihrem Gutdünken zu verarbeiten und weiterverwenden.

Mehr und Mehr gibt Vielmehr

Einen Einblick, wie einer der grössten Datensammler der Welt vorgeht, gab anschliessend Thomas Hofmann, Ex-Google Mitarbeiter und jetzt Professor für Data Analytics an der ETH in Zürich. Hofmann konnte aus dem Nähkästchen plaudern und zeigte den Anwesenden Risiken und Chancen von Big Data Analytics auf. Er ging der Frage nach, warum eigentlich die grossen IT-Giganten immer mehr und noch mehr Daten wollen. Die Antwort: Es gibt eine positive Rückkoppelung und Verstärkung wenn man zwei ganz grosse Datensätze miteinander kombinieren kann. Die einfach verständliche Formel Utility(x + y) > Utility(x) + Utility(y) zeigt, dass der Gewinn aus unterschiedlichen Datensätzen noch grösser ist, wenn man diese kombiniert. Daher habe Google, Amazon, Facebook und andere grossen amerikanischen Datensammler einen immensen Vorsprung gegenüber aufstrebenden Alternativdiensten. Dies, weil die alten, etablierten Dienste schon auf extrem viele Daten zurückgreifen können. Das mache erstens ihre Produkte so gut und zweitens können diese Produkte auf Grund der massenhaft vorhanden Trainingsdaten laufend verbessert werden. Beim Thema Datenanonymisierung ist sein Fazit klar: Mit der Kombination von verschiedenen Datensätzen ist es zu 90% möglich, eine Person zu identifizieren. Die «Anonymisierung» scheint in der digitalen Welt ein hohler Begriff zu werden. Doch was machen? Hofmann plädiert für eine programmatische Schnittstelle auf die persönlichen Datenbestände um diese kontrollieren zu können. Einen Seitenhieb auf seinen ehemaligen Arbeitgeber konnte er sich dennoch nicht verkneifen, als er darauf aufmerksam machte, dass die angebotenen Features zum persönlichen Datenschutz eine reine Alibiübung seien.

Auf der nächsten Seite: Defensiver Datenschützer, kämpferischer Grundrechtler

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