Interview: Blackout und andere Katastrophen

Was würde passieren, wenn Schweiz-weit der Strom ausfällt. Zwei Experten der ETH Zürich beantworten Fragen zum Thema.

» Von Franziska Schmid, ETH News, 03.01.2017 14:35.

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Timothy Prior und Florian Roth vom Team «Risiko und Resilienz» beim Center for Security Studies (CSS) treten als Experten beim SRF-Thementag Blackout auf. Die beiden forschen auf dem Gebiet des Katastrophenmanagements, der Resilienz und der Risiko- und Krisenkommunikation. ETH-News wollte wissen, wie es um die Schweizer Verhältnisse steht.

Wie würde die Schweizer Bevölkerung im Falle eines Blackouts informiert?

Roth: Die Bevölkerung würde vor allem ganz klassisch per Radio informiert. Unter Umständen kämen auch Polizeiautos, die durch die Strassen fahren, oder die Sirenen mit dem «Allgemeinen Alarm» zum Einsatz. Beispielsweise. wenn es im Zuge eines Blackouts zu einer Verschmutzung des Trinkwassers kommt. In einer solchen Situation ist es wichtig, die Bevölkerung schnell zu warnen.

Am Thementag spielt das SRF einen europaweiten Blackout durch. Wie gut wäre die Schweiz auf einen solchen Fall vorbereitet?

Prior: Die Schweiz ist auf der strukturellen Ebene sehr gut auf Katastrophen vorbereitet. Die Behörden sind gut ausgerüstet und die Verantwortlichen top ausgebildet. Die Hauptarbeit wird dabei auf der Ebene der Kantone und Gemeinden geleistet. Der Bund ist vor allem unterstützend und koordinierend tätig. Die Schweiz hat einen Bevölkerungsschutz, der sehr gut zum Land passt.

Roth: Da liegt auch der Knackpunkt: In der Schweiz ist der Katastrophenfall meist lokal oder regional gedacht. Was bei extremen Ereignissen mit nationaler oder gar internationaler Bedeutung passieren würde, dafür fehlt schlicht die Erfahrung.

Und was bedeutet das?

Prior: Wir sehen, dass vor allem Länder, die grössere Katastrophen hatten, aus den Erfahrungen gelernt und die Massnahmen angepasst haben.
Roth: In Japan wurde beispielsweise nach dem grossen Erdbeben von Kobe 1995 der Bevölkerungsschutz ins Bildungssystem aufgenommen und trainiert. Die Vorschriften für erdbebensicheres Bauen wurden enorm verschärft. Ohne diese Massnahmen wären beim Erdbeben von 2011 sicher noch viel mehr Opfer zu beklagen gewesen.

Dauert eine Krise an, stellt man sich Chaos und Plünderungen vor. Wie realistisch ist ein solches Szenario?

Prior: Die Bilder von Menschen, die im Krisenfall ohne jegliche Rücksicht agieren, haben wir vor allem wegen Hollywood und der Berichterstattung über Einzelfälle im Kopf. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen ein anderes Bild: In Ländern mit grosser Stabilität verhalten sich die allermeisten Menschen rational und solidarisch.   
Das passt zur Beobachtung, dass sich Menschen im Krisenfall vermehrt privat engagieren und organisieren.

Roth: Die Bedeutung von zivilgesellschaftlichen Initiativen hat eindeutig zugenommen. Allerdings sehen wir Unterschiede: In der Schweiz gibt es starke Akteure wie das Rote Kreuz oder andere Hilfsorganisationen. In anderen Ländern engagieren sich die Leute mehr spontan und ungebunden.

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