Wenn solarbetriebene Drohnen arktische Gletscher erkunden

Selbstfliegende Solarflugzeuge müssen ihre Tauglichkeit für «reale» Anwendungen erst noch beweisen. Bei der Überwachung von Gletschern in Polarregionen könnten sie wichtige Dienste leisten, denn die Mitternachtssonne bietet ideale Voraussetzungen für Langzeit-Solarflüge.

» Von Guillaume Jouvet, Thomas Stastny,ETH News, 23.10.2017 09:52.

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Welcher Ort eignet sich besser als die Arktis, um eine neue Generation von autonomen, solarbetriebenen Fluggeräten zu testen? Das Autonomous Systems Laboratory (ASL) der ETH Zürich entwickelte mit AtlantikSolar eine solche solare Drohne (Unmanned Aerial Vehicle (UAV)), die mehrere Tage lang ununterbrochen fliegen kann. Glaziologen der ETH Zürich wiederum, die mithilfe von UAVs Gletscher in Grönland überwachen, sind auf ein langes Flugvermögen angewiesen, um die unermessliche Weite der arktischen Gletscherlandschaft zu erfassen. Schliesslich ist der arktische Sommer mit seinem konstanten Tageslicht bestens geeignet für Solardrohnen. Die Flugdauer verlängert sich dadurch enorm.

Soweit die Theorie. Aber funktioniert das auch in der Praxis? Um das herauszufinden, haben wir – eine Gruppe von Forschenden, die sich mit autonomen Systemen beschäftigen, und von Glaziologen – gemeinsam das Projekt «Sun2Ice» lanciert. Das Ziel: die AtlantikSolar hoch im Norden unter der Mitternachtssonne auf Herz und Niere zu prüfen.

Fragiles Fluggerät in rauer Region

Qaanaaq, Nordwest-Grönland, 77 Grad Nord, rund 600 permanente Einwohner. Der Ort bildet die ideale Basis für unser Projekt: Er ist von zehn kalbenden Gletschern umgeben, gut mit dem Flugzeug erreichbar und bietet alles, was wir brauchen (Shop, Unterkünfte, Internet).

Kurz nach unserer Ankunft Anfang Juni stellt sich uns die erste grosse Herausforderung: Der Sand des Landeplatzes, den wir im Vorjahr ausgewählt hatten, wurde von starken Winterwinden verweht. Ohne ebene Landestelle könnte AtlantikSolar beim Aufsetzen zerbrechen oder die nach unten gerichtete Kamera kaputtgehen. Kaum haben wir auf dem holprigen Terrain die improvisierte Landebahn in fast einer Woche Handarbeit fertig gebaut, gibt es wieder Schwierigkeiten: Über Qaanaaq zieht dichter Nebel auf. Er hält AtlantikSolar nochmals für mehrere Tage am Boden.

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