Warum Banken IT-Veteranen aus der Rente zurückholen

Die Programmiersprache Cobol ist bereits über 50 Jahre alt. Aus der Mode ist sie aber noch nicht. Die Leute, die sich besonders gut damit auskennen, sind deshalb auch heute noch gefragt.

» Von Anna Irrera, Reuters / SDA, 18.04.2017 14:30.

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Bill Hinshaw verbringt seinen Ruhestand etwas anders als der Durchschnittsrentner. Der 75-jährige Grossvater von insgesamt 32 Enkeln und Urenkeln ist zwar auch bei seiner Familie, das Arbeiten aber kann er nicht lassen. Er hilft amerikanischen Unternehmen dabei, ihre Computersysteme am Laufen zu halten.

Sein Alter ist dabei kein Nachteil. Im Gegenteil: Hinshaw erlernte das Programmieren in den 1960er Jahren, als ein Computer so gross wie ein Zimmer war und mit Lochkarten arbeitete. Der Unternehmer gehört zur immer kleiner werdenden Zahl von Experten für die Programmiersprache Cobol.

Obwohl es längst modernere Sprachen gibt, ist Cobol aus grossen Banken, Konzernen und Teilen der US-Regierung nicht wegzudenken. Denn die leistungsfähigen Computersysteme der Firmen und Behörden wurden oft in den 1970er oder 1980er Jahren aufgebaut und nie ganz ersetzt.

Vor allem für die Finanzbranche hat die Uralt-Programmiersprache eine grosse Bedeutung. Täglich werden Transaktionen mit einem Volumen von schätzungsweise drei Billionen Dollar über Cobol-Systeme abgewickelt. Dabei geht es um Girokonten, Kartennetze, Geldautomaten und die Abwicklung von Immobilienkrediten.

Weil die Banken aggressiv auf eine Digitalisierung ihres Geschäftes setzen, wird Cobol sogar noch wichtiger. Denn Apps für Smartphones etwa sind in modernen Sprachen geschrieben, müssen aber mit den alten Systemen harmonieren. In solchen Fällen kommen Hinshaw und andere Experten ins Spiel.

Neue Firma statt Ruhestand

Vor ein paar Jahren wollte der 75-Jährige aus Nordtexas seine IT-Firma eigentlich schliessen und in den Ruhestand gehen. Aber seine früheren Kunden riefen immer wieder an und wollten Hilfe. Im Jahr 2013 gründete Hinshaw schliesslich eine neue Firma, die Kontakte zwischen Konzernen und Experten vermittelt.

Erfahrene Cobol-Programmierer können mehr als 100 Dollar in der Stunde verdienen, wenn sie Fehler beseitigen, Handbücher neu schreiben oder dafür sorgen, dass die alten Systeme mit den neuen zusammenarbeiten. Für Konzerne ist das allemal billiger, als die alten Systeme ganz aufzugeben - was ohnehin riskant wäre.

Der frühere Barclays-Chef Antony Jenkins sagt, für Geldinstitute gehe es nicht nur darum, dass es immer weniger Spezialisten gebe. Die heutigen Grosskonzerne sind oft das Ergebnis etlicher Firmenfusionen. «Es ist unheimlich komplex», sagt Jenkins, der heute neue IT-Systeme an Banken verkauft. «Die alten Systeme der verschiedenen Generationen haben mehrere Ebenen und sind oft stark miteinander verwoben.»

An eine Systemumstellung denken manche Bankmanager deswegen nur mit Grauen. Ihr Albtraum ist, dass dabei ein Fehler unterläuft und Millionen Kundendaten verschwinden. Zugleich wissen die Verantwortlichen, dass sie nicht ewig auf eine Expertengeneration setzen kann, die irgendwann ausgestorben ist.

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