Sind Kampfroboter humaner als Soldaten?

Eine öffentliche Veranstaltung an der Universität Zürich widmete sich einem Thema, das in der modernen Kriegsführung immer mehr an Bedeutung gewinnt: Kampfrobotern. Können diese vielleicht sogar humaner agieren als Menschen?

» Von Fabio Schönholzer, UZH News, 24.01.2017 06:45.

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Moderne Technologien durchdringen und bereichern unseren Alltag. GPS führt uns im Verkehr ans Ziel, Sensoren messen den Insulingehalt im Blut und künstliche Intelligenz hilft Ärztinnen und Ärzten erfolgreich bei der Diagnose von verschiedenen Krankheitsbildern. Diese fortschreitende Digitalisierung im multidisziplinären Austausch zu begleiten ist das Ziel der im Sommer 2016 an der Universität Zürich (UZH) lancierten Digital Society Initiative (DSI).

Die erste öffentliche Veranstaltung der DSI war der Digitalisierung der Waffentechnologie gewidmet. Denn die moderne Kriegsführung setzt die fortgeschrittensten Technologien ein: Drohnen navigieren per GPS in Unruhegebieten, Sensoren peilen die Ziele an und Computersysteme sorgen dafür, dass die abgefeuerten Geschosse am Ende ihr Ziel treffen. Doch was die Entwicklung und den Einsatz von autonomen Waffensystemen und Kampfrobotern anbelangt, gehen die Meinungen weit auseinander. Vielerorts wird ein Verbot dieser Technologie gefordert.

Vom Terminator noch weit entfernt

Für Ron Arkin, Professor am Georgia Institute of Technolgy und einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Robotik und Roboterethik, ist ein Verbot keine geeignete Option. In seinem Referat zum Thema «How To NOT build a Terminator» bezog er pointiert Stellung. Seiner Meinung nach würde ein generelles Forschungsverbot von militärischen Robotertechnologien ins Leere laufen. Der erklärte Kriegsgegner Arkin zeigte sich illusionslos: Solange es Kriege gebe, würden auch die bestmöglichen Technologien eingesetzt. «Vom Terminator sind wir heute noch weit entfernt», beruhigte er. Autonome Waffensysteme seien aber bereits weit verbreitet: Minen, die sich selbst auslösen oder Raketenwerfer, die ihr Ziel selbständig suchen. Statt eines generellen Verbots empfahl Arkin, beim Einsatz intelligenter Waffen folgende Grundsatzfrage zu beantworten: «Was ist die angemessene Rolle von Robotern auf den Schlachtfeldern?»

Maschinen halten Stress des Krieges stand

Für einen Einsatz von Robotern auf dem Schlachtfeld spreche viel, so Arkin. Die Kampfkraft mehrerer Soldaten könnte durch eine einzelne Maschine ersetzt werden. Diese hätte dann auch eine höhere Reichweite als ihr menschliches Gegenstück und könnte entsprechend auch ein grösseres Kampfgebiet abdecken. Zudem könne ein Roboter besser zwischen Freund und Feind unterscheiden und so einen Beschuss durch die eigene Seite vermeiden. «Nicht zuletzt kann eine künstliche Intelligenz auch helfen, ethisch fragwürdige Handlungen auf dem Schlachtfeld zu vermeiden», so Arkin.

Von Soldaten werde erwartet, dass sie sich im Kampfeinsatz wie Maschinen verhielten. Unter Stress können aber auch bestens trainierte Kämpfer zu Verbrechern werden. Maschinen kennen jedoch keinen Stress, sie agieren immer so, wie sie programmiert sind. «Könnten Roboter also humaner sein als Menschen?», so Arkins rhetorische Frage ans Publikum.

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