Streaming-Boom bringt Schweizer Musikern finanziell nichts

Die Krise in der Musikbranche scheint nach bald 20 Jahren vorbei zu sein. Zu verdanken ist dies dem Streaming. Dennoch profitieren die Künstler finanziell nicht. Schweizer Musiker haben es sogar doppelt schwer.

» Von Manuela Schnyder, sda, 05.01.2017 07:16.

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Die Digitalisierung schreitet schnell vorwärts. Zuerst verdrängte die Möglichkeit von Downloads das traditionelle CD-Geschäft. Nun verdrängt die neue Technologie Streaming die Downloads. Zu verdanken ist dies auch den Smartphones, dank denen man rund um die Uhr online sein kann.

In den Vereinigten Staaten, bekannt als Vorreiterland in Sachen Musiktrends, ist der Streaming-Konsum 2015 im Vergleich zum Vorjahr gar über 90 Prozent in die Höhe geschossen. Global haben sich die Einnahmen aus dem Streaming fast verdoppelt.

Auch in der Schweiz ist der Trend zu beobachten. Der Marktanteil des Streaming-Geschäfts ist von 2012 bis 2015 von 1 Prozent auf knapp 20 Prozent des gesamten Musikmarkts gestiegen. Doch obwohl die Umsätze aus dem Streaming-Segment stark wachsen, gehen die meisten Musiker praktisch leer aus. Auch in der Schweiz.

Mehr Musik, weniger Geld

Grund ist das Bezahlmodell. Das Bezahlmodell beim Streaming unterscheidet sich wesentlich von dem der Downloads und CD-Verkäufe. Weil die Abonnenten nicht pro abgespielten Titel bezahlen, sondern eine fixe Nutzungsgebühr pro Monat entrichten, verkleinert ein grösserer Musikkonsum die Einnahmen pro Stream. Generell gilt: Je mehr die Kunden Musik konsumieren, desto weniger pro abgespielten Titel verdienen die Interpreten. Im Vergleich zu den CDs und Downloads ist dies ein Vielfaches weniger.

Beim weltgrössten Streaming-Anbieter Spotify belaufen sich die Ausschüttungen an die Musikindustrie auf zirka 70 Prozent der Gesamteinnahmen, also den Einnahmen aus Werbung und zahlenden Abonnenten. Bei den Konkurrenten wie Apple Music ist es ähnlich.

Seit dem Start im Jahr 2008 hat Spotify insgesamt fünf Milliarden US-Dollar an die Musikindustrie weitergegeben. In diesem Zeitraum ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 100 Millionen gestiegen. 40 Prozent davon sind zahlende Premium-Abonnenten. Konkurrent Apple Music zählt etwa die Hälfte an zahlenden Abonnenten.

Von den monatlichen Ausschüttungen werden die Künstler pro Land anteilsmässig bezahlt. Das heisst, wenn ein Künstler ein Prozent des monatlichen Streaming-Volumens ausmacht, erhält er ein Prozent aus den gesamten monatlichen Ausschüttungen für das jeweilige Land, wie Spotify erklärt.

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