Netstream-CEO: «IP-Umstellung treibt Blüten»

Wenn Swisscom 2018 nur noch IP-Telefonie anbietet, wird auch Netstream profitieren. Die grosse Umstellung treibt teils aber wundersame Blüten, sagt CEO Alexis Caceda.

» Von Mark Schröder , 04.04.2016 08:45.

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Per Anfang 2018 will die Swisscom die Schweizer Telefonie auf IP-Technologie umgestellt haben. Bereits seit fast 20 Jahren im IP-Geschäft unterwegs ist der Dübendorfer Provider Netstream. Mitgründer und CEO Alexis Caceda bedient heute gut 25'000 Geschäfts- und Privatkunden. Im Interview mit Computerworld erklärt er, mit welchen Herausforderungen die IP-Umstellung verbunden ist, warum sich die Kunden teilweise schwer tun mit der Internet-Technologie und wie der Fortschritt die Überwachung fördert.

Computerworld: Sie sind mit Netstream schon lange Jahre im IP-Geschäft. Bald schaltet die Swisscom die traditionellen Telefonleitungen ab. Bemerken Sie eine verstärkte Nachfrage?

Alexis Caceda: Die Nachfrage ist unverändert hoch – vollkommen unabhängig von den Plänen der Swisscom. Mit Blick auf die Umstellung registriere ich allerdings in Kundengesprächen, dass ein gewisser Zorn herrscht. Die Unternehmen haben viel Geld in ihre Telefonanlagen und Speziallösungen investiert, beispielsweise Alarmanlagen, Fax und Lifttelefone. Einige Kunden haben bis zu zehn Amtsleitungen pro Filiale, die künftig nicht mehr funktionieren. Diese Investitionen können per 2018 schlicht abgeschrieben werden. 

Die herkömmliche Telefontechnik ist veraltet, argumentiert Swisscom. Und: IP bietet viel mehr Möglichkeiten.

Beides ist natürlich richtig. Die Swisscom muss einige der Altanlagen von bereits verrentetem Personal warten lassen, weil nur noch die ehemaligen Mitarbeiter das Know-how besitzen, um die Technik zu pflegen. Auch ist die Ersatzteilbeschaffung für die Systeme aus dem letzten Jahrtausend schwierig. Die Techniker greifen dafür teilweise selbst zum Lötkolben. 

Die IP-Umstellung treibt teilweise auch wundersame Blüten: Jüngst habe ich von einem Fall gehört, in dem ein Unternehmen für einen sechsstelligen Betrag eine neue ISDN-Anlage gekauft hat. Das nenne ich fahrlässig! Auch ISDN ist mit dem Abschalten der alten Telefonsysteme obsolet. Wir könnten dem Kunden zwar mit dem Netstream-Produkt ISDN Connect helfen, er wäre aber besser beraten gewesen, gleich auf IP zu wechseln.

Mit welchen Fragestellungen treten Kunden typischerweise an Sie heran? 

Netstream hat eine lange Historie als Internet-Zugangsanbieter. Heute haben wir ausserdem Festnetz und VoIP, Hosting, Sicherheit sowie IPTV-Lösungen im Portfolio. Daneben betreiben wir seit 2011 ein eigenes Rechenzentrum in der Schweiz. Da wir keine eigene Netzwerk-Infrastruktur besitzen, kooperieren wir für die Konnektivitätslösungen mit den fünf grossen Providern Colt, Quickline, Swisscom, Sunrise und UPC Cablecom. Zusätzlich sind regionale Anbieter wie GGA Maur unsere Partner, die zwar eine Infrastruktur, aber nur geringe Beratungsressourcen besitzen. 

Unsere Kunden sind zu 80 Prozent Schweizer KMU mit zwischen 1 und 250 Mitarbeitern. Sie erhalten alle Konnektivität aus einer Hand, entweder von Netstream selbst oder als White Label von einem der Infrastrukturanbieter. 

Bei anspruchsvollen Projekten wie einer temporären Leitung für einen einheimischen Zirkus während des Gastspiels hier in Dübendorf treten wir gerne auch selbst als Netstream auf. So können wir besondere Bedürfnisse adressieren und gleichzeitig unsere technische Kompetenz beweisen.

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