Shared IT: zurück in die Zukunft

Mit dem ressourcensparenden Einsatz gemeinsam genutzter Plattformen entdeckt die IT ein Konzept aus den Anfängen des Computerzeitalters wieder. Shared IT verbindet jedoch alte Tugenden mit neuen: Standardisierung und Flexibilität.

» Von , 27.04.2009 10:17. Letztes Update, 27.04.2009 10:18.

Noch vor ein paar Jahren bestanden IT-Infrastrukturen typischerweise aus mehreren verteilten Insellösungen, individuell gestaltet pro Geschäftsbereich oder Anwendung. Dank verschiedener Technologien wie Virtualisierung, Storage Area Networks (SAN) und schneller Netzwerke können Unternehmen diese Insellösungen inzwischen durch eine effizientere, sicherere und flexiblere Shared IT Platform ersetzen. Auch Cloud Computing wird auf solchen Systemen am besten realisiert. Als Basis dafür braucht es eine modulare Architektur, zum Beispiel IBMs GIRA (Global Infrastructure Reference Architecture).

Vor etwa 40 Jahren waren Mainframes hoch standardisiert und wurden so effizient wie möglich genutzt, denn Rechenleistung war teuer und wartungsintensiv. Die Rechner wurden deshalb von Ingenieuren zentral betreut. Sie waren es auch, die über Funktionalität und Qualität, also über deren Verfügbarkeit und Performanz, bestimmten. Das Business hatte nur recht wenig Gestaltungsspielraum.

Von der Diktatur in den Dschungel

In den letzten Jahren konnte man dann einen Trend zum Wildwuchs im IT-Bereich erkennen. Ausgebildete Spezialisten und günstige Hardware mit geringer Komplexität machten es möglich, jeden Bedarf aus dem Business nahezu sofort durch eine massgeschneiderte IT-Lösung zu decken. Diese Flexibilität wurde über das Einhalten von Standards gestellt. Darunter mussten Effizienz und Qualität zwangsläufig leiden. Es entstanden Insellösungen, die ursprünglich eine spezielle Geschäftsanforderung erfüllten, jedoch im Betrieb bis heute immer höhere Kosten für Anpassungen und Wartung verursachen.

Rückbesinnung auf die Effizienz

Diese explodierenden IT-Managementkosten und die Verfügbarkeit immer performanterer Netzwerkinfrastrukturen führen heute zu einer Rückbesinnung auf alte Tugenden: zentrales Management sowie zentrale Services und Standards. Shared IT Platforms (SITP) versprechen höhere Servicequalität, effizientere Nutzung und kostengünstigeres Management.

Es besteht allerdings ein wesentlicher Unterschied zu den historischen Ideen: Business und IT arbeiten heute Hand in Hand. Die IT-Spezialisten entwickeln Standards und kümmern sich um deren Einhaltung. Dadurch kann das Business aus Serviceportfolios Leistungen beziehen und im Spannungsfeld zwischen hoher Servicequalität und geringen Kosten optimale Entscheidungen treffen. Die IT unterstützt diese Entscheidungen durch eine transparente IT-Dienstleistung mit messbarer Qualität. So entsteht eine Infrastruktur, die Dynamik und Flexibilität mit Stabilität verbindet. Der neue integrierte Ansatz kombiniert die Stärken der früheren IT-Diktatur mit der Bedarfsorientierung der Wildwuchs-Ära.

Konzept einer Shared IT Platform

Eine Shared IT Platform besteht aus einer Gruppe von standardisierten Ressourcen, die für den Betrieb diverser Workloads (Applikationen) eingesetzt wird. Sie erlaubt eine flexible und dynamische Zuteilung der Ressourcen zu den Workloads und trennt diese logisch von-einander. Dabei greift sie auf standardisierte Tools und Prozesse zurück. Diese Eigenschaften und die standardisierte Verwaltung werden zum Beispiel auch für die zurzeit oft diskutierten Cloud-Computing-Modelle benötigt.

Die Shared Platforms bestehen üblicherweise aus mehreren Schichten: Netzwerk, Storage, Server und Middleware. Virtual Local Area Networks (VLAN) im Netzwerk-Bereich, Storage Area Networks (SAN) und Network Attached Storage (NAS) im Storage-Bereich, Blades und Virtualisierung im Server-Bereich sind Technologien, die für den Bau einer Shared IT Platform eingesetzt werden. Auch Datenbanken und Terminal Services bieten zahlreiche Mechanismen zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen.
Ein Beispiel einer Shared IT Platform, die einen breiten Anwendungsbereich abdeckt, wäre eine Kombination aus SAN Storage, X86 Server mit Virtualisierung, virtualisierte UNIX Server, zentrale Datenbankfarmen (häufig SQL Server und Oracle), eine zentrale Terminal Services Farm, z.B. Blade-basiert mit Citrix und auf NAS basierende File Services. Diese Konfiguration passt für Organisationen und Unternehmen, die File- und Print-Services, Enterprise Ressource Planning (ERP) und branchenspezifische Services benötigen. Dazu gehören zum Beispiel Kantonale Behörden und Regierungen, Versicherungen, Banken und Industrieunternehmen.

Integrierter Ansatz

Die Technologie ist nur die halbe Miete. Es gilt ebenfalls, sogenannte begleitende Massnahmen zu beachten. Sonst läuft die IT-Abteilung Gefahr, dass die neue Technologie nicht die erhofften Einsparungen, sondern sogar Mehrkosten durch eine höhere Komplexität und eine Explosion der zu verwaltenden virtuellen Einheiten bringt. Folgende Elemente können das vermeiden:
- Ein ganzheitliches Architekturdesign, das Abhängigkeiten und Schnittstellen berücksichtigt und definiert, wie die Shared IT Platform geordnet skaliert.
- Ein detailliertes Betriebsdesign, das die betrieblichen Aktivitäten strukturiert, auf die Technologien und ihre flexible Nutzung ausrichtet und effizient, stabil und nachvollziehbar macht.
- Eine fortwährende Architekturkontrolle, die sicherstellt, wie (und dass) Standards eingehalten und gemäss Anforderungen weiterentwickelt werden.
Dieser integrierte Ansatz einer Shared IT Platform bietet wichtige Vorteile, sowohl für die Unterstützung der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens als auch für die Verwaltung der IT-Infrastruktur. Integrierte Konzepte sorgen so dafür, dass die Reise der IT tatsächlich in die Zukunft führt.

Die Vorteile des Shared-IT-Modells

Shared-IT-Plattformen bieten sowohl für die IT als auch für das Business Vorteile. Folgende Verbesserungen konnte zum Beispiel IBM in schon umgesetzten Projekten gegenüber herkömmlichen Insellösungen erzielen:

1 Standardisierung
Die integrierte Plattform besteht aus Standardkomponenten, die unternehmensweit gültig sind. So gibt es keinen Wildwuchs mehr. Abweichungen sind die Ausnahme; eine Architekturkontrolle überprüft sie laufend und stellt sicher, dass sich die Plattform geordnet weiterentwickelt. Gleichzeitig werden die Standardkomponenten laufend aufgrund von «Best Practices» optimiert. Synergien werden im Design und im Betrieb der Plattformen genutzt. Entsprechend stabiler und risikoärmer ist der Betrieb der Plattform. Auch die Betriebsprozesse sind standardisiert und optimiert (Remote Management, Automation, Dashboard).

2 Modularität und Flexibilität
Die Plattform besteht aus Bausteinen und Schichten (Layers) mit klaren Schnittstellen. Wenn sich die Geschäftsanforderungen ändern, können diese Module angepasst werden, ohne die gesamte Plattform zu gefährden. Die Isolation der Workloads gewährleistet Stabilität, ohne die Skalierbarkeit der Plattform zu beeinträchtigen.

3 Integration
Die Plattform ist integriert: Netzwerke, Server, Betriebssysteme, Storage passen optimal zusammen, sichergestellt durch eine übergreifende und zentrale Steuerung der Entwicklung. Die Plattform umfasst auch Komponenten, die für Systemmanagement, Security und andere betriebliche Tätigkeiten gebraucht werden.

4 Serviceorientierung
Das Business verfügt über ein Applikationsportfolio und definiert die Servicequalität. Sie ist vor allem für den Betrieb der Shared IT Platform wichtig. Die IT bietet die geforderte Qualität (z.B. Verfügbarkeit, Performanz, Skalierbarkeit, Sicherheit etc.) und definiert die optimale technologische und betriebliche Lösung. Klare Servicevereinbarungen (Service Level Agreements, SLA) quer über alle Komponenten (End-to-End) mit Dashboards für laufendes Tracking machen die IT-Leistungen messbar und die Erfüllung der Servicequalität nachvollziehbar.

5 Effizienz
Schlussendlich ist die Plattform sehr effizient. Die Anzahl Fehlerquellen wird reduziert, was zu weniger Problemmeldungen und geringerem Betriebsaufwand führt. Optimierte Prozesse (unterstützt z.B. durch Remote Management, Dashboards, Automation) verbessern weiterhin Qualität und Aufwand in Betrieb und Wartung. Einsparungen von 25 bis zu 50 Prozent der laufenden Betriebskosten sind möglich. Auch bei den Investitionen lassen sich durch Volumeneinkauf und bessere Auslastung signifikant Kosten sparen.

 

Shared-IT-Plattformen am IBM Symposium

Weitere Informationen und Expertenpräsentationen zum Thema bietet das jährliche IBM Symposium. Schwerpunkte der Veranstaltung am 9. Juni werden dieses Jahr dynamische Infrastrukturen und Energieeffizienz sein. Computerworld ist Medienpartner. Das IBM Symposium startet um 8:45 Uhr mit einem Begrüssungskaffee und endet um 17:00 Uhr mit anschliessendem Apéro im Kultur und Kongresszentrum in Luzern. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Infos sowie Onlineanmeldung ab 28. April unter: www.ibm.com/ch/events/symposium

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