Patientendossiers benötigen weitere Prüfung

Die kantonalen Patientendossiers genügt nicht die Zertifizierung der Koordinierungsorgans eHealth Suisse. Sie müssen erneut geprüft werden, um dem Bundesgesetz zu genügen.

» Von Mark Schröder , 22.12.2016 08:00.

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Seit Jahren zertifiziert das Koordinierungsorgan eHealth Suisse die diversen kantonalen Projekte für elektronische Patientendossiers. Unter anderem die Implementierungen in den Kantonen Bern, Genf, Jura, St. Gallen, Tessin, Waadt, Wallis und neu Aargau wurden von den Experten geprüft und für gut befunden. Diese Prüfungen dürften nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier im nächsten Jahr obsolet sein. Denn wenn ein kantonales Projekt gesetzeskonform sein will, benötigt es eine zusätzliche Zertifizierung. 

Das Aargauer Projekt «eCom» dürfte somit die letzte Umsetzung sein, die noch nach den alten Kriterien evaluiert worden ist. Mit «eCom» haben die Kantonsspitäler Aarau und Baden die Zuweiserkommunikation standardisiert und einen gemeinsamen «eKurzaustrittsbericht» etablieren. Das Projekt hat die Evaluation von eHealth Suisse mit dem Label «regional» abgeschlossen. Die nächst höheren Auszeichnungen – «überregional» oder gar «national» – waren für das Aargauer Vorhaben nicht zu erreichen. Genau genommen hat auch kein anderes Schweizer Projekt das Label «national» erzielt, denn es setzt die landesweite Verfügbarkeit von Patientendaten voraus. Sie wird es per Definition erst nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes geben. 

Den Aufwand einer Zertifizierung erspart haben sich die Verantwortlichen im Kanton Solothurn. Gemäss Entscheid des Kantons wird keine eigene Stammgemeinschaft installiert. Die Solothurner Spitäler sind – wie alle anderen Schweizer Spitäler ebenfalls – verpflichtet, innerhalb der nächsten drei Jahre ein digitales Patientendossier einzuführen. Der Spitalverbund wurde nun vom kantonale Departement des Innern beauftragt, die Einführung im Solothurn zu koordinieren.

Langer Weg zur Zertifizierung

Die Kriterien für eine endgültige Zertifizierung von kantonalen Patientendossiers sollen erstmals im Herbst nächsten Jahres vorliegen. Im Rahmen eines «Projectathon» vom 25. bis 28. September 2017 können Organisationen ihre IT-Systeme auf die Voraussetzungen der Patientendossier-Verordnung testen, erklärt das Koordinierungsorgan eHealth Suisse. Das Ziel sei, eine spätere Zertifizierung zu bestehen.

Für gemäss dem Bundesgesetz zertifizierte Spitalgemeinschaften wird es in Zukunft auch ein einheitliches Logo geben, erklärt eHealth Suisse. Damit soll Transparenz für die Bevölkerung geschaffen werden, welche medizinischen Leistungserbringer zum «nationalen Vertrauensraum» gehört. Mit der ersten Verwendung des Logos rechnet eHealth Suisse Mitte 2018.

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