Zürcher Computerwissenschaftler im Industrie-Check

In der Academia Industry Modeling Week haben Doktoranden in «Computational Science» von Uni Zürich und ETH Zürich Lösungen für aktuelle und konkrete Forschungsfragen industrieller Unternehmen gesucht.

» Von Theo von Däniken, Universität Zürich, 04.11.2014 15:01.

weitere Artikel

Die Atmosphäre ist geschäftig, aber konzentriert. In jedem Stockwerk am Sitz des Computational Science and Engineering Laboratory (CSElab) der ETH Zürich sitzen Gruppen von PhD-Studierenden und bringen den letzten Schliff an ihrer Präsentation an, die sie in kurzer Zeit Vertretern von Industrieunternehmen wie ABB, Alstom, ASCOMP oder IBM zeigen werden. Fünf Tage lang haben sie im Rahmen der Academia Industry Modeling (AIM) Week an einer Aufgabe gearbeitet, die ihnen die Partner anfangs der Woche vorgestellt hatten.

Explosive Behälter und energiehungrige Rechner

Insgesamt sieben Gruppen von zwei bis sechs Mitgliedern aus unterschiedlichen Fachbereichen bearbeiten konkrete Probleme, für welche die Unternehmen bisher unbefriedigende Lösungen gefunden haben und dafür neuen Ansätze finden wollen. IBM etwa sucht nach Methoden, um bestimmte Berechnungen in Computern möglichst energieeffizient ausführen zu können. ABB präsentierte die Aufgabe, die Druck- und Dichteverteilung in einem geschlossenen Behälter zu simulieren. Dies ist notwendig, um den Behälter und die Überdruck-Ventile so zu gestalten, dass er im Falle eines Lichtbogens nicht explodiert.



«Es ist spannend, an etwas zu arbeiten, das tatsächlich einmal in der Industrie Verwendung finden könnte», sagt der Astrophysiker Michael Rieder, der am ABB-Projekt arbeitet und sich normalerweise mit der Berechnung von Galaxien beschäftigt. Zusammen mit Elena Gavagnin, wie Rieder Astrophysikerin am Institut for Computational Science (ICS) der UZH sowie den Computerwissenschaftlern Sergej Ivannikov und Christian Conti vom CSElab der ETH hat er die Simulationen für die Ausbreitung des Gasdruckes im Behälter berechnet.

«Dafür haben wir eine Software verwendet, mit der wir sonst die Entstehung von Galaxien simulieren», erklärt Gavagnin. Sie findet es spannend, dieses Instrument für eine ganz andere Aufgabe einzusetzen. Lehrreich und interessant war für sie die Zusammenarbeit im gemischten Team: «Die Computerwissenschaftler gehen beispielsweise viel strukturierter an die Aufgabe heran, als ich es gewohnt bin». Das Team musste in kürzester Zeit eine für sie ungewohnte Fragestellung bearbeiten. «Wir haben eine sehr spezifische Aufgabe erhalten», erklärt Ivannikov «und mussten mit einem vereinfachten Modell rechnen, um in der kurzen Zeit zu einem Ergebnis zu kommen.» Er hätte sich deshalb gewünscht, mehr Zeit zur Verfügung zu haben.

Nächste Seite: Programmieren und präsentieren

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.