Xing-CEO: «Es ist okay, Spass zu haben bei der Arbeit»

Xing-Chef Thomas Vollmoeller tut etwas, das in Managerkreisen einem Tabubruch gleichkommt: Er nimmt sich ein Sabbatical. Für Leute, die Flexibilität und Freiheit nur predigen, hat er wenig positive Worte übrig.

» Von Fabian Vogt , 18.11.2016 16:24.

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14-Stunden-Tage, Null Urlaub, Burnout: Was heute die Karriereformel vieler Manager zu sein scheint, muss nicht die Regel sein. Xing-CEO Thomas Vollmoeller macht mal Pause, ganze drei Monate lang. Er tut dies nicht zu einem Zeitpunkt, wo man besser Abstand zum Unternehmen gewinnt, im Gegenteil. Xing ist eines der wenigen deutschen Einhörner, ein Liebling der Börse und hat kürzlich mit sehr guten Quartalszahlen überzeugt.

Warum sich Vollmoeller die Auszeit gönnt, erklärt er gleich selbst: «Aus demselben Grund, aus dem immer mehr Menschen das Bedürfnis haben, eine Auszeit zu nehmen. Ich will mich bewusst für einen begrenzten Zeitraum aus dem Tagesgeschäft herausziehen. Zeit mit meinen Lieben verbringen. Reisen und neue Eindrücke gewinnen. Dem Teil des Lebens Raum geben, der im Alltag fast immer zu kurz kommt. Nachzudenken, Bücher zu lesen, Abstand zu bekommen, Vertrautes aus der Distanz neu zu betrachten, sich selbst zu hinterfragen, eine andere Sicht auf die Dinge zu entwickeln – oder auch mal einen Text wie diesen hier zu schreiben (was ich übrigens am Tisch eines Cafés in Sydney tue).»

Australien, 40 Grad, Strand und Meer. Manch ein Kollege könnte da neidisch werden und man fragt sich, warum das nicht mehr Menschen tun. Vermutlich, weil es in unserer Gesellschaft als Schwäche angesehen wird, weniger zu arbeiten. Vollmoeller sieht es pragmatisch: «Die früher verlangte Total-Aufgabe seiner selbst für die Firma hat ohnehin nie jemand geleistet, sondern lediglich gespielt.» Diese Schauspielerei hinterfragt Voellmer sehr direkt, auch in Bezug auf die neue, schöne, moderne Arbeitswelt: «Flexibilität wird erwartet, aber nicht gewährt. Querdenkertum wird in Sonntagsreden gefordert, einstellen tut man dann aber die immer gleichen Klone. Demokratie beschränkt sich auf die sogenannte Mitbestimmung, die durch entsprechende Gremien erledigt wird, die alltäglichen Entscheidungen aber strikt top-down getroffen.»

Vollmoeller  dagegen ist überzeugt: «Wer reife, autonome und innovative Mitarbeiter haben möchte, muss ihnen auch auf Augenhöhe begegnen. Die Zeiten des unternehmensinternen Feudalismus sind endgültig vorbei.»

Diese Entwicklung sei zu begrüssen, weswegen man als Manager beispielhaft vorangehen müsse: «Ich glaube, um diese Entwicklung weiter voranzutreiben und aktiv zu fördern, muss man auch als Vorstand und Geschäftsführer mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen, dass Dinge okay sind. Dass es okay ist, ein Privatleben zu haben. Dass es okay ist, Dinge in Frage zu stellen, Spass zu haben bei der Arbeit. Und sich ab und zu eine Auszeit zu wünschen.»

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