Wie Microsoft der NSA Zugriff auf Skype+Co ermöglicht

Edward Snowden hat wieder zugeschlagen. In einem vom Guardian veröffentlichten Dokument wird aufgezeigt, wie intensiv Microsoft daran arbeitet, der NSA den Zugriff auf Outlook.com, Skype und SkyDrive zu ermöglichen.

» Von Fabian Vogt , 12.07.2013 14:45.

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Der «Guardian» veröffentlicht scheibchenweise Informationen, die NSA-Whistleblower Edward Snowden der Zeitung vor einiger Zeit zukommen liess. Durch diese Zusammenarbeit wurde der PRISM-Skandal überhaupt erst öffentlich, nun hat der «Guardian» das nächste Dokument publiziert. Im Fokus: Microsoft. Zwar war bereits bekannt, dass die Redmonder mit der NSA zusammenarbeiten, Snowden hat jetzt aber erzählt, wie eng die beiden Organisationen miteinander verknüpft sind.

  • So soll Microsoft der NSA gezeigt haben, wie ihre eigene Verschlüsselung geknackt werden kann. Die NSA war besorgt, sonst Webchats auf Outlook.com nicht abfangen zu können. Im Juli 2012 testete Microsoft eine Verschlüsselung für das Webmail-Programm, welche der NSA die Arbeit erschwerte. Darum arbeitet man innerhalb von fünf Monaten eine Lösung aus, wie jetzt in einem NSA-Newsletter zu lesen ist: «Die Lösung wurde erfolgreich getestet und ging am 12. Dezember 2012 Live.» Zwei Monate später wurde Outlook.com offiziell freigegeben, mittlerweile sind alle Hotmail-Accounts auf Outlook.com migriert. Das sind 300 Millionen Accounts. 
  • Microsoft arbeitet seither auch mit einer «Datenerfassungsbehörde» des FBIs zusammen, um ein Feature von Outlook.com besser zu verstehen, das Nutzern die Erstellung eines Alias-Accounts erlaubt. 
  • Zudem sammelte die NSA bereits zuvor im Rahmen von Prism Hotmail-,Live-, und Outlook.com-Mails, bevor sie verschlüsselt werden, ist im «Guardian» zu lesen. Darum sei die Hilfe von Microsoft nur bei der Chat-Verschlüsselung benötigt worden.
  • Durch enge Zusammenarbeit mit dem FBI in diesem Jahr soll Microsoft der NSA ausserdem ermöglicht haben, einfacheren Zugriff auf SkyDrive zu erhalten. Im Snowden-Dokument steht, dass die beiden Organisationen «monatelang zusammengearbeitet haben, um den Dienst Prism-tauglich zu machen». SkyDrive hat um die 250 Millionen Nutzer. 
  • Acht Monate bevor Skype von Microsoft gekauft wurde, wurde die Chat-Software «Mitglied» im Prism-Programm. Ab dem 6. Februar 2012 sammelten die US-Behörden Skype-Daten. «Feedback liess den Schluss zu, dass die Skye-Anrufe sehr klar rüberkamen und die Metadaten komplett sind», steht in einem NSA-Newsletter, den Snowden öffentlich machte. «Die gute Zusammenarbeit war der Schlüssel um ein weiteres Programm erfolgreich ins Prism-System zu überführen.» 
  • Im Juli des letzten Jahres freute sich die NSA darüber, dass sich die Zahl der Skype-Video-Anrufe, die mit Prism überwacht werden, verdreifacht hat. «Die Audiofiles von Skype wurden schon immer korrekt übermittelt,» steht in einem NSA-Newsletter. «Aber ohne Videodatei. Nun haben Analysten das 'Gesamtpaket'.» Skype hat geschätzte 660 Millionen Nutzer.
  • Die Daten werden von der NSA regelmässig mit FBI und CIA geteilt. Ein NSA-Dokument beschreibt Prism als «Team-Sport».

Microsoft nahm bereits Stellung und erklärte dem Guardian: «Wenn wir Produkte upgraden, haben wir nicht das Recht, uns gegen gesetzliche Anforderungen zu wehren.» Kundendaten würden aber nur auf Wunsch von Regierungsbehörden herausgegeben, und dabei «immer nur einzelne Accounts oder Nutzer.» Blanko-Zugriff soll also nicht möglich sein. Allerdings erlaubt eine gerichtliche Genehmigung laut dem «Guardian» der NSA, «die Kommunikationsverbindungen auch ohne spezifische Berechtigung sammeln, wenn sie zu 51 Prozent glaubt, dass das Ziel kein US-Bürger ist und sich nicht ständig auf US-Boden aufhält.» 

Übrigens, die aktuelle Microsoft-Marketing-Kampagne lautet: «Your Privacy is our priority.» Ihre Privatsphäre ist uns das Wichtigste. 

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KOMMENTARE

Johann Joss: 12-12-13 13:57

Meines Erachtens gibt es nur eine Abhilfe: Nur Betriebsysteme verwenden, die open source sind. Keine Drivers installieren die nicht open source sind. Alle Daten vor der Uebermittlung auf dem eigenen PC verschlüsseln vor sie diesen verlassen.
Zudem: Verbot aller amerikanischen Security Produkte in Europa. Die Gefahr ist einfach zu gross.

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