UBS-Mitarbeiter nutzten Home-Office aus - jetzt müssen strengere Regeln her

UBS Mitarbeiter sollen den Begriff «Home Office» in der Vergangenheit falsch verstanden und das in sie gesetzte Vertrauen missbraucht haben

» Von Fabian Vogt , 04.05.2015 15:22.

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Home-Office ist eine Errungenschaft der modernen Gesellschaft: Von zuhause arbeiten soll Individualität und Flexibilität fördern. So dass ein Angestellter, obwohl er seltener im Büro ist, eine stärkere Bindung mit dem Arbeitgeber entwickelt. In diversen Firmen wird diese Kultur bereits gelebt, wobei naturgemäss Dienstleistungsfirmen die Vorreiterrolle innehaben. So eigentlich auch die UBS, die vor zwei  Jahren ihren «Workplace for the Future» eröffnete,  an dem für individuelle Pulte kein Platz mehr war.

Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, ist das Projekt mittlerweile in Schieflage geraten. Die Zeitung zitiert aus Emails von Johan Jervøe, Group Chief Marketing Officer bei der UBS. In seinem Team sollen einzelne Mitarbeiter den Homeoffice-Tag auf den Freitag gelegt und ihn dazu genutzt haben, früher ins Wochenende zu können. Sie seien, während sie zuhause hätten arbeiten sollen, schlecht erreichbar gewesen und hätten die ihnen zur Verfügung stehen Möglichkeiten allzu individuell interpretiert. Jervøe habe darum strengere Auflagen fürs Home-Office erlassen. Unter anderem müssten sich Mitarbeiter nun das Einverständnis des Chefs holen und das Team vorab informieren, bevor sie von zuhause aus arbeiten. Im Homeoffice müsse man genauso gut erreichbar sein, wie wenn man im Geschäft wäre, fordert der Manager gemäss «Schweiz am Sonntag». Dazu solle man die entsprechenden IT-Werkzeuge benutzen. Wenn man nicht «available» oder «out of office» sei, müsse man einen Ferientag beziehen. 

Grosses Potenzial - wenn Vorbereitung stimmt

Gemäss der von Microsoft Schweiz, SBB, Swisscom und Witzig initiierten Initiative «Home Office Day» - die mittlerweile «Work Smart» heisst - , besitzen in der Schweiz aufgrund ihrer Arbeitstätigkeit 54 Prozent von 4,5 Millionen Beschäftigten die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Damit die nicht auf ähnliche Ideen wie die UBS-Angestellten kommen, gibt es auf der Webseite der Initiative Tipps für Unternehmen, wie die Einführung der Home-Office-Arbeit organisiert werden kann. So soll besonders auf eine gezielte Vorbereitung, eine fortlaufende Betreuung und einen Feedbackprozess geachtet werden. Wie sich Mitarbeiter auf Home-Office-Arbeit vorbereiten können, ist dieser Checkliste zu entnehmen.

Der Arbeitspsychologe Hartmut Schulze, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, macht in der «Schweiz am Sonntag» derweil darauf aufmerksam, dass zu viel Flexibilität Produktivitäts-störend sein kann: Studien hätten gezeigt, dass die Mitarbeiter nach zwei Tagen Homeoffice besonders produktiv seien: «Nach zirka 2½ Tagen, bei einigen auch früher, kippt es aber dann; es beginnt die soziale Isolation, und man möchte wieder ins Büro, um seine Kolleginnen und Kollegen zu sehen.» Schulze empfiehlt in der Zeitung «formell-informelle Events», wie etwa alle 14 Tage ein gemeinsames Frühstück und die Einrichtung von sogenannten Kernpräsenzzeiten, beispielsweise ein oder zwei fixe Tage in der Woche, wo möglichst alle Teammitglieder zusammenkommen. «In mobil-flexiblen Arbeitsmodellen ist die Organisation von Präsenzzeiten, in denen spontane, ungeplante Begegnungen stattfinden können, besonders wichtig», wird Schulze zitiert.

Für Johan Jervøe kommen diese Ratschläge etwas spät. Er will aber trotz der bishergen Problemen nicht vom Home-Office ablassen und legt seinen Angestellten stattdessen nahe, dass es in der Verantwortung des jeweiligen Mitarbeiters liege, dass niemand anders darunter leiden müsse, wenn man von zu Hause aus arbeitet. Die UBS betont in einer Stellungnahme gegenüber Cash, dass dieser Vorfall keine Auswirkungen auf alle Mitarbeiter der Grossbank habe. Im Gegenteil,  Flexible Arbeitszeitmodelle, und dazu gehöre auch Home-Office, werden von der Bank unterstützt.

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