Schweizer Start-up will E-Voting aufpäppeln

Das Start-up «SwissIdentity» will auf der Basis von Blockchain-Identitäten eine unabhängige E-Government-Plattform bauen. Damit soll auch dem Schweizer E-Voting Beine gemacht werden.

» Von Mark Schröder , 06.10.2016 10:00.

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Das Start-up «SwissIdentity» will eine E-Government-Plattform für digitale Identitäten lancieren. Dabei setzt der Mitgründer Daniel Gasteiger von nexussquared auch auf die Blockchain-Technologie, wie er am «TechTuesday» in Zürich sagte. 

Bei der Konzeption von «SwissIdentity» stand die «e-Residency» der Republik Estland Pate. Die Initianten der dortigen Initiative sind dann auch Kooperationspartner des Schweizer Projekts. «Wir kombinieren die Erfahrungen der digitalsten Gesellschaft der Welt – Estland – mit der Expertise der weltweit führenden direkten Demokratie – der Schweiz – um E-Government-as-a-Service anzubieten», formulierte Gasteiger das Motto des Projekts.

Die «SwissIdentity» soll auf einer Smartphone-App mit biometrischer Authentifizierung aufbauen, zum Beispiel der TouchID. Der Fingerabdruck wird zusammen mit weiteren persönlichen Daten in eine Blockchain-Implementierung geschrieben. Welche Identitätslösung dabei zum Einsatz kommt, soll der Benutzer selbst entscheiden können. Zur Auswahl könnten onename, ShoCard, TrustStamp und uport stehen, wie Gasteiger sagte. Bei der konsequenten Anwendung der Blockchain sei das Schweizer Projekt den Esten voraus. 

Schweizer E-Voting als Pilot

Mithilfe des Identitätsnachweises könnten die virtuellen Bürger anschliessend einen gesicherten App-Store nutzen. Dort können Behörden ihre Dienstleistungen anbieten, beispielsweise die Steuererklärung, die Umzugsmeldung oder auch Abstimmungsvorlagen. Der App Store soll offen sein für Schweizer Ämter, aber auch Behörden anderer Staaten. In der Schweiz will Gasteiger mit einer E-Voting-Funktion starten. Bis Ende Jahr soll ein Proof of Concept fertig entwickelt sein – bestehend aus Prototypen für die Smartphone-App und den App Store.

Bei den elektronischen Abstimmungen habe die Schweiz grossen Nachholbedarf. «Bei E-Voting hat die Schweiz die Erfahrungen von 16 Jahre verloren», sagte Gasteiger. 2000 wurde Vote électronique erstmals gestartet, 2004 fanden in Genf die ersten Versuche statt, 2016 wurde die federführende Interessengemeinschaft wieder aufgelöst. Zwar arbeiten der Kanton Genf und die Post im Moment an Lösungen, für die Mehrheit der Schweizer komme die elektronische Stimmabgabe in absehbarer Zeit aber wohl nicht zu Stande. 

Bei den bestehenden Lösungen für den digitalen Identitätsnachweis – etwa die SuisseID – hat Gasteiger Hindernisse identifiziert, die der Verbreitung im Wege stehen. Der Lösung fehle es an Anwendungsmöglichkeiten, sagte er. Einer allfällig zukünftigen Kooperation mit der SuisseID als eine der möglichen Identitätslösungen von «SwissIdentity» steht der Gründer jedoch offen gegenüber, wie er Computerworld sagte.

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