Milliarden-Projekt Schweizer Zahlungsverkehr

Die Schweizer Banken und Finanzdienstleister rüsten ihre Systeme für den Zahlungsverkehr nach ISO 20022 um. Banken und Privatwirtschaft investieren über eine Milliarde Franken.

» Von Mark Schröder , 30.03.2017 16:01.

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Bis Ende Jahr soll der Zahlungsverkehr in der Schweiz nach dem internationalen Standard ISO 20022 funktionieren. Die hiesigen Banken und der Infrastrukturbetreiber Six haben ihre IT-Systeme dafür umgerüstet – oder komplett erneuert. Dabei fielen und fallen hohe Kosten an.

Die Beratungsfirma Deloitte beziffert die einmaligen Umstellungsaufwendungen alleine bei den Finanzinstituten mit 500 bis 600 Millionen Franken. Zusätzlich müssen die privaten Unternehmen ihre Buchhaltungsprogramme aktualisieren, wofür Deloitte nochmals bis zu 550 Millionen veranschlagt. Beim öffentlichen Sektor sagen die Berater einmalig 70 bis 90 Millionen Franken voraus. Dem stünden rund jährlich rund 240 Millionen Franken an positiven Auswirkungen durch ISO 20022 gegenüber, sagt Deloitte.

Ziel der Umstellung ist die Ablösung der heute uneinheitlichen und teilweise noch manuellen Zahlungsprozesse. Wie Six erklärt, beträgt heute der Anteil elektronischer Kundenzahlungen 74 Prozent. Die übrigen 26 Prozent sind zum Beispiel Geldanweisungen mit einem von sieben verschiedenen Einzahlungsscheinen. Auch der Prozess von der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang ist noch nicht immer medienbruchfrei. Dadurch entsteht Firmen- und Privatkunden hoher manueller Aufwand. 

Neue QR-Rechnung

Mit der Vereinheitlichung durch ISO 20022 werden alle bisherigen Einzahlungsscheine und Verfahren abgelöst. Die Einzahlungsscheine ersetzt ein elektronisch lesbarer QR-Code, der alle Daten für die Zahlung enthält. Unternehmen können die QR-Rechnung selber drucken, und der Rechnungsempfänger kann Zahlungen über ein Smartphone oder ein anderes Lesegerät auslösen. Der Zahlungsprozess läuft dann rein elektronisch ab, was für alle Marktteilnehmer effizienter und wirtschaftlicher ist, erklärt Six. 

Gemäss Deloitte ist die Umstellung der Banken-Systeme der eine Part. Gleichzeitig müssen Privatunternehmen mit einer Buchhaltungs-Software ihre Systeme auf ISO 20022 anpassen. Dafür bietet beispielsweise die Credit Suisse gemeinsam mit dem Dienstleister PPI eine Lösung für EBICS (Electronic Banking Internet Communication Standard) an. Die Grossbank ist damit Vorreiter im Schweizer Markt.

Die Credit Suisse und auch die UBS sind laut Six-Mitteilung bereits fit für ISO 20022, der grösste Zahlungsdienstleister der Schweiz, die PostFinance, ebenfalls. Auf der Liste der migrierten Banken fehlen aktuell diverse grosse Privatbanken (HSBC, J. Safra Sarasin, Julius Bär, Lombard Odier, Pictet & Cie, Vontobel) und die Waadtländer Kantonalbank. Wie es seitens Six weiter heisst, schliessen die Schweizer Finanzinstitute ihre Umstellung auf den neuen ISO-Standard bis Ende 2017 ab, Firmenkunden bis spätestens Mitte 2018. Erst anschliessend kann die QR-Rechnung eingeführt werden. Den Zeitplan dafür will Six Ende April dieses Jahres kommunizieren.

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