Mangel an IT-Fachkräften in der Schweiz akuter als in Europa

Im Software-Bereich haben Schweizer Unternehmen grosse Mühe damit, Fachkräfte und junge Studienabgänger zu rekrutieren. Laut einer neuen Studie ist der Fachkräftemangel nirgends in Europa akuter als hierzulande.

» Von Luca Perler , 18.09.2017 14:11.

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Der Fachkräftemangel beschäftigt nach wie vor die gesamte IT-Branche – und zwar weltweit. Aber im Software-Bereich fällt es Unternehmen nirgendwo in ganz Europa schwerer, Fachkräfte zu rekrutieren, als hier in der Schweiz. Zu diesem Schluss kommt eine weltweite Studie des Software-Unternehmens CA Technologies, die bei mehr als 1200 IT-Führungskräften – 466 davon aus Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Grossbritannien und der Schweiz – durchgeführt wurde.

Jeder fünfte Studienteilnehmer aus der Schweiz habe grosse Mühe bekundet, erfahrene Fachkräfte in den benötigten Software-Entwicklungspraktiken und -technologien zu rekrutieren, wie es in der Studie heisst. Die Anstellung junger Software-Studienabsolventen falle ebenfalls schwer. 76 Prozent der befragten Organisationen bereitet auch dies Mühe. Laut CA Technologies sind das europaweite Höchstwerte. Gleichzeitig fehlen hierzulande offenbar auch Fachkräfte mit bestimmten Schlüsselkompetenzen. Schwierig zu finden sind gemäss Auswertung insbesondere Experten mit Erfahrung in agilen Methoden und Profis im Bereich Security für mobile oder webbasierte Apps. Bei diesen beiden Spezialisierungen ist das Manko in der Schweiz grösser als in allen anderen europäischen Staaten, in denen IT-Führungskräfte befragt wurden.

Mängel sind gemäss der Studie auch beim Trainings- und Weiterbildungsangebot von Schweizer Firmen für ihre bestehenden IT-Mitarbeiter festzustellen. Lediglich 19 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen sind der Meinung, dass sich ihre Software-Entwicklungsteams bezüglich neuen Tools und Entwicklungstrends auf Flughöhe befinden. Gleichzeitig bietet aber nicht einmal jede fünfte Firma seinen Entwicklern regelmässige Schulungen an, damit diese ihre eigenen Skills weiterentwickeln könnten. Hierbei schneidet die Schweiz im Europa-Vergleich ebenfalls am schlechtesten ab.

Fokus auf Talentförderung

Wie CA Technologies schreibt, sei sich ein Grossteil der Befragten einig darüber, dass Ausbildungszweige im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) stärker gefördert werden müssten. Nur so könne die Branche dem «War For Talents» begegnen und die nächste Generation von IT-Fachkräften ausbilden. Knapp die Hälfte aller Befragten ist der Ansicht, dass dabei die Politik stärker in die Pflicht genommen werden müsse. Im Software-Bereich entscheide aber auch die Modernität des Unternehmens darüber, wie ausgeprägt sich das Problem des Fachkräftemangels manifestiere: «Je weiter Unternehmen in der Anwendung moderner Entwicklungstools und -praktiken sind, desto attraktiver sind sie für neue Talente», sagt Sven Mulder, Geschäftsführer und Vice President Central Europe, Southern East und Russland bei CA Technologies.

Sogenannte «moderne Software-Fabriken» hätten am Markt gleichzeitig weitere Vorteile. Denn bei der Untersuchung kamen erhebliche Unterschiede zwischen Unternehmen ans Licht, die sich mit der Fokussierung auf Agilität, Automatisierung, Data Analytics und Security schon zu einer modernen Software-Fabrik gewandelt haben – laut Studie sind dies 21 Prozent der Unternehmen in Europa – und solchen, bei denen der Wandel noch aussteht. Unterschiede lokalisierten die Studienautoren etwa bei Umsatz, Gewinn, Führungsstil, Risikobereitschaft und der Anwendung moderner Software-Tools und -Ansätze. Firmen, die digitale Strategien in den Kernbereichen bereits umgesetzt haben, erreichten etwa ein um 70 Prozent erhöhtes Gewinnwachstum. Bei den Umsätzen verzeichnen solche Unternehmen eine um 50 Prozent höhere Steigerung.

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KOMMENTARE

steve s: 19-09-17 23:24

Nachdem internationale Firmen wie Banken und Versicherungen, aber auch KMUs, IT-Jobs vermehrt ins billige Ausland verlagern (z. B. Bratislava, Bangalore), würde ich keinem jungen Einsteiger ein IT-Studium empfehlen. Mittel- bis langfristig bedeutet dies natürlich, dass wir den Anschluss verlieren.

Hansruedi Zürcher: 19-09-17 16:30

Der angebliche Fachkräftemangel ist so gross, dass Studienabgänger Mühe haben überhaupt einen Job zu finden! Wenn, dann nur für die Besten der Besten!

Eine Lüge wird nicht wahrer wenn man diese dauerd wiederholt!!

Martin Ebnoether: 19-09-17 09:40

Da ist sie wieder, die Maer vom Fachkraeftemangel! Das Problem ist eher, dass in den meisten Firmen im HR nur auf Papiere und Zertifikate geschaut wird. Ist jemand behangen wie ein Ostermuni mit Zertifikaten, der wird eingestellt, auch wenn derjenige keinerlei praktische Erfahrung hat. Andersrum wird der Quereinsteiger, der seit 20~30 Jahren privat und auch geschaeftlich schon mit allen moeglichen Computersystemen gearbeitet mehr oder weniger bei der Bewerbung direkt entsorgt, weil er keine bunten Zettel mit Stempeln drauf vorweisen kann.

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