Im Gespräch mit dem autonomen Auto

Neben dem autonomen PostAuto in Sion gibt es diversen Pilotprojekte für selbstfahrende Busse. Im US-amerikanischen National Harbor fährt «Olli». Er spricht auch mit Passagieren.

» Von Mark Schröder , 26.09.2016 10:44.

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Für autonome Autos sind diverse Erweiterungen denkbar. Das selbstfahrende PostAuto in Sion kann in Zukunft womöglich via App an entlegene Orte gerufen werden, wenn nachts kein regelmässiger PostAuto-Verkehr mehr angeboten wird. Oder der Bus kann Touristen auf eine Stadtrundfahrt einladen, um ihnen an den Sehenswürdigkeiten die historischen Hintergründe zu erzählen. In der US-amerikanischen Siedlungsgebiet National Harbor nahe der Hauptstadt Washington DC fährt seit Juni ein autonomer Bus. Das Vehikel «Olli» besitzt einen Mund und ein Ohr.

Entwickelt wurde «Olli» von dem Start-up Local Motors. Die US-amerikanische Firma setzt auf Crowdsourcing bei ihren Produkten. An «Olli» haben 50'000 Personen mitgearbeitet, darunter Designer, Entwickler, Hobbyisten und Ingenieure aus der ganzen Welt. Der Entwurf des Fahrzeugs stammt von Edgar Sarmiento, einem Industriedesigner aus Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. In Phoenix (US-Bundesstaat Arizona) wurden die Einzelteile grösstenteils mittels 3D-Druckern produziert und in zwei Micro Factories von Local Motors zusammengebaut. Die Fertigung dauerte laut Joe Speed, IBM Watson IoT AutoLab Product Owner, rund 90 Tagen. «In der traditionellen Automobilindustrie müssen Designer und Ingenieure normalerweise jahrelang Geduld haben, bis sie ihr Vehikel erstmals fahren können», weiss er aus Projekten mit grossen Automobilkonzernen. Speed sieht Local Motors, der Crowdsourcing-Methode und den «Olli» als Prototyp für die Zukunft der Automobilindustrie.

«Hello Kitty»-Bus

Um den Passagieren das Unbehagen über eine Fahrt mit einem autonomen Bus zu nehmen, hat Designer Sarmiento einen besonderen Ansatz gewählt: Das Vehikel soll freundlich und einladend wirken, quasi der «Hello Kitty» der Personenbeförderung, wie Speed sagt. So stellen in der Frontansicht die beiden Scheinwerfer die Augen dar, ein geschwungener Luftschlitz einen lächelnden Mund. Die grossen Glasflächen der Fahrgastzelle lassen das Vehikel offen erscheinen, die runden Formen aussen und innen weich.

Bei den Passagieren in National Harbor kommt das Konzept an. Sehr bald sollen weitere «Ollis» in Berlin, Las Vegas und Miami fahren. Ob der Bus auch in die Schweiz kommt, kann Speed aktuell nicht bestätigen. 

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