Mängelliste der Schweizer IT-Beschaffung

Bei der öffentlichen Beschaffungspraxis von Informatik in Schweizer Behörden liegt einiges im Argen. An der IT-Beschaffungskonferenz in Bern wurde eine Mängelliste geschrieben.

» Von Mark Schröder , 24.08.2016 15:01.

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Die Scheu vor hohem Aufwand, zweifelhafte Freihänder, fehlende Ziele und der Trend zu Personalleihstellungen im grossen Stil sind Mängel der IT-Beschaffung in der Schweiz. Diese Ansicht vertrat Nationalrat Franz Grüter am Mittwoch an der IT-Beschaffungskonferenz in Bern. Der Verwaltungsratspräsident von green.ch wusste, dass einige Mängel mit dem herausfordernden Beschaffungsgegenstand, der Informations- und Kommunikationstechnologie, zusammenhängen. Andere bedürfen mehr Engagement der Politik, die allerdings ebenfalls wenig IT-affin sei.

Wenig Dialog 

Die Informatik stellt Behörden heute vor die Herausforderung, sich sehr dynamisch und schnell weiterzuentwickeln, sagte Grüter. Gleichzeitig müssten die Behörden mit Verfahren arbeiten, die alles andere als dynamisch sind. Die Beschaffungsvorschriften stammten aus dem letzten Jahrhundert und seien auf statische Gegenstände konzipiert. «IT muss teilweise wie Ziegelsteine eingekauft werden», sagte der Nationalrat. Dabei würden die Vorgaben für WTO-Ausschreibungen durchaus einen Spielraum lassen. Das Dialogverfahren sei eine dieser Spielarten, bei dem die Behörde im Dialog mit einem oder mehreren Anbietern die ideale Lösung für ein Informatikproblem ausarbeitet. Grüter weiss aus Gesprächen mit Anbieterunternehmen, dass das Dialogverfahren sehr erwünscht ist. Allerdings ist der Aufwand sowohl auf Seite der Behörden als auch der Lieferanten sehr hoch, weshalb nur wenige Beschaffungen nach diesem Verfahren abgewickelt werden.

Viele Freihänder

Konferenzmitveranstalter Matthias Stürmer berichtete den rund 350 Teilnehmern von einer alternativen Beschaffungsmethode: den freihändigen Vergaben. Anhand einer Datenbank hat er alle Ausschreibungen und Zuschläge der Schweizer Behörden analysiert. Ein Ergebnis: Freihandvergaben kommen überproportional häufig in der Informatik vor. Dieses Forschungsresultat nahm Nationalrat Grüter zum Anlass, die Behörden aufzufordern, ihre Beschaffungspraxis zu überdenken. Freihänder sollten nur Ausnahmefällen genutzt werden und dürften keinesfalls die Regel sein. 

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