Spionage im Wohnzimmer: Smart-TV sicher nutzen

Smart-TVs benötigen für viele Funktionen eine Internetverbindung. Bei Schwachstellen haben Hacker die volle Kontrolle über den Fernseher. Das muss nicht sein.

» Von Simon Gröflin , 26.04.2017 14:30.

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Fast jeder moderne Fernseher ist heutzutage ein Smart-TV. Dabei hat ein typischer smarter Fernseher viele Gemeinsamkeiten mit einem iPad, angefangen beim Bildschirm, der Kamera, über das Mikrofon bis hin zum leistungsfähigen Prozessor. Vor allem aber verfügen viele der smarten Fernseher über eine Internetanbindung und vieles läuft via Browser. Nicht zuletzt fehlt den proprietären Betriebssystemen ein Virenschutz.

Wir haben uns mit den Thalwiler IT-Forensikern des Cybersecurity-Beraters Oneconsult darüber unterhalten, welche Schutzmassnahmen denn Anwender bei einem Smart-TV überhaupt ergreifen können. Wie erstaunlich einfach man einen Smart-TV theoretisch hacken könnte, haben die Spezialisten jüngst an einer Cybersecurity-Veranstaltung in Genf in einem Video demonstriert (Computerworld berichtete).

«Im Gegensatz zu Microsoft-Produkten ist der durch Kunden ausgeübte Leidensdruck betreffend IT-Security überschaubar», sagt Christoph Baumgartner, CEO von Oneconsult, Computerworld. Aus diesem Grund veröffentlichen die Hersteller, wenn überhaupt, nur selten und nur für die aktuellsten Modelle Security-Updates. Wie bei Laptops und Smartphones ist es aber wichtig, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Denn bei Lücken erlangen Hacker im schlimmsten Fall die Kontrolle über den Smart-TV.

Radikale Massnahme: das fernsehtechnische Mittelalter

Die mit Sicherheit wirkungsvollste Massnahme, mit der man sich aber ins fernsehtechnische Mittelalter zurückversetzt, wäre ein Kauf eines TVs ohne Smart-TV-Funktionen, lächelt Baumgartner. Allerdings sind solche Fernseher in der heutigen Zeit rar gesät. Oder mit anderen Worten: Wer paranoid ist, müsste im Prinzip Kamera (sofern vorhanden) und Mikrofon physisch deaktivieren. Das würde bedingen, dass man je nach Modell das Gehäuse öffnet und die Verbindungskabel zu Kamera und Mikrofonen aussteckt oder durchschneidet. Dazu raten wir von Computerworld allerdings Laien auf keinen Fall, vor allem nicht bei neueren TVs, denn mit dem Öffnen verfällt die Herstellergarantie – eine spezielle Beschichtung der Gehäuseschrauben verrät jedes Öffnen. Wenn man auf die Sprachsteuerung verzichten kann und sich das Mikrofon nicht via Einstellungen deaktivieren lässt, müsste man das Mikrofon mittels Watte, Steinwolle und Klebeband abdichten – wobei diese Methode nicht zu 100 Prozent wirkt, wenn ein Angreifer die Software des Mikrofons manipulieren kann, um leise Töne zu verstärken. Je nach Modell befinden sich die Mikrofone im TV-Gerät und/oder in der Fernbedienung.

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KOMMENTARE

dr. feelgood: 27-04-17 17:30

Irgendwann mal wurde uns erzählt, wie toll die neue digitale Welt sein wird. Durch die Technik würde man sehr viel Zeit einsparen und dadurch die Lebensqualität steigern.

Nun, das Gegenteil ist der Fall.

Durch die neue Technik mit Updates bei Radio, Fernseher, und bald auch bei Kühlschrank & Co verplempert man Lebenszeit, die man ohne diese Geräte garantiert sinnvoller einsetzen könnte.
Auch wenn das dann analog ist.

Merke: Digital ist nicht zwangsläufig optimal!
Die Welt hat prima auch vor Digital funktioniert, zumal das Denken ohne Apps sicherer vor Überwachung war.

Und Updates gab es permanent ganz einfach und automatisch durch learning by doing

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