Wo steht die Schweiz bei Industrie 4.0?

Zwei Umfragen, zwei unterschiedliche Ergebnisse. Mit über 1200 Projekten erreicht die Schweizer Industrie gerade mal einen Digitalisierungsgrad von 18 Prozent.

» Von Mark Schröder , 01.07.2016 08:00.

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Über die Fortschritte der Schweizer Industriebetriebe bei der Digitalisierung ihrer Geschäfte und Prozesse gehen die Meinungen auseinander. Eine neue Umfrage unter Firmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) suggeriert, dass die Unternehmen in diesem Wandel bereits gut unterwegs sind. 

Wie der Verband Swissmem anlässlich des «Industrietags» am Donnerstag erklärte, erkennen 82 Prozent der Betriebe in der Digitalisierung einen Nutzen. Davon sind 76 Prozent bereits aktiv geworden: 1225 Projekte sind in den 373 befragten Firmen umgesetzt worden, sind in Arbeit respektive in Planung. 58 Prozent der Projekte sind in KMU angesiedelt. Die Zahlen belegen, dass die Digitalisierung für KMU genauso relevant ist wie für Grossfirmen.

Industrie 4.0 erst in den Anfängen

Ein anderes Bild zeichnet die Scorecard von digital.swiss. Laut der Experteneinschätzung ist die Schweizer Industrie noch in den Anfängen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse. Mit 18 Prozent ist «Industrie 4.0» derjenige Bereich mit dem tiefsten Digitalisierungsgrad. «Die Umsetzung von Industrie 4.0 befindet sich noch in einer frühen Phase der Entwicklung, wobei das Interesse am Thema in den letzten 12 Monaten stark zugenommen hat», liess sich Robert Rudolph von Swissmem im März anlässlich der Lancierung der Scorecard zitieren. 

Swissmem-Präsident Hans Hess sieht in der Digitalisierung eine Chance für die Schweizer Industrie. Sie werde einen entscheidenden Beitrag leisten, damit der Werkplatz Schweiz trotz starkem Franken, hohen Kosten und Löhnen auch künftig erfolgreich sein könne, meint er. Die Industrie sei mittlerweile hoch automatisiert, innovativer denn je und verfüge über sehr effiziente Prozesse. Auch besitze die Schweiz dank des herausragenden Bildungssystems viele sehr gut qualifizierte Fachkräfte. «Diese gute Ausgangslage müssen wir nutzen und die sich bietenden Chancen entschlossen und mutig anpacken», sagt Hess laut einer Mitteilung zum «Industrietag».

Swissmem sieht aber auch die Gefahren der Digitalisierung: Wenn anstelle von Menschen die Roboter in Zukunft repetitive, einfach zu automatisierende Arbeiten in der Produktion übernehmen würden, seien Arbeitsplätze bedroht. Laut Umfrage unter den MEM-Betrieben zeigte jedoch, dass die Digitalisierung insgesamt keine Jobs gekostet hat. Wenn die Firmen durch Computereinsatz und Roboter erfolgreicher und konkurrenzfähiger würden, generiere das sogar zusätzliche Stellen.

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